Schwarzenegg

Neues Leben kehrt ein im Geburtshaus des Bundesrats

SchwarzeneggLange stand es leer. Jetzt wird das Geburtshaus des ersten Berner Bundesrates Ulrich Ochsenbein saniert. Der neue Besitzer und Unternehmer Massimo Arnaldi will im denkmal­geschützten Gebäude Wohnungen einrichten.

Unternehmer Massimo Arnaldi?hat das Geburtshaus des ersten Berner Bundesrates erworben und vorerst das Dach saniert.

Unternehmer Massimo Arnaldi?hat das Geburtshaus des ersten Berner Bundesrates erworben und vorerst das Dach saniert. Bild: Stefan Kammermann

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das markante Bauernhaus direkt neben der Kirche Schwarzenegg steht seit mehreren Jahren leer. Der denkmalgeschützte Bau mit Jahrgang 1705 ist sprichwörtlich in die Jahre gekommen.

Der Zahn der Zeit hat an Dach und Hausfassade Spuren hinterlassen. Lange war das geschichtsträchtige Haus zum Verkauf ausgeschrieben. Ohne Erfolg. Jetzt hat der Thuner Unternehmer Massimo Arnaldi das Gebäude von der Erbengemeinschaft Roth erworben.

Massimo Arnaldi betreibt in Heimberg eine gleichnamige Firma für Haustechnik mit 10 Mitarbeitenden und hat dem Gebäude in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege gleich ein neues Dach verpasst. «Das Dach war morsch und undicht, wir mussten rasch handeln», sagt er. Und weiter: «In solche Objekte investiert man viel Zeit und Energie.» Er rechnet mit Investitionskosten von rund drei Millionen Franken.

Geplant ist, nach der Dachsanierung drei bis vier 3½-Zimmer-Wohnungen zur Miete zu realisieren. Dazu läuft gegenwärtig die Planung. «Ich möchte Anfang nächsten Jahres das Baugesuch einreichen», sagt der Unternehmer weiter.

Massimo Arnaldi hat noch weitere Pläne. Er kann sich vorstellen, die einstige Heubühne der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Zum Beispiel als Lokalität für Hochzeitspaare, die nach dem Jawort in der benachbarten Kirche einen Apéro ausrichten wollen.

Bis ins Bundeshaus

Bis ins Bundeshaus nach Bern zieht sich die Geschichte des alten Bauernhauses. Hier wurde 1811 der erste Berner Bundesrat Ulrich Ochsenbein als Sohn des Bären-Wirts geboren. Bis zur Verlegung der Strasse 1871 war das Gebäude zudem die örtliche Wirtschaft namens Bären.

Nachdem der Mann aus Schwarzenegg 1848 in den Bundesrat gewählt worden war, prägte er das föderalistische System der Schweiz massgeblich mit und sorgte dafür, dass Bern die Hauptstadt der Schweiz wurde. Sechs Jahre nach seinem Amtsantritt wurde Ochsenbein auch als erster Bundesrat abgewählt.

Seine Bedeutung für die Region Thun war indes nur von relativem Wert. Bereits im Alter von sieben Jahren zog die Familie von Ulrich Ochsenbein in Richtung Westschweiz, um später in Nidau eine neue Heimat zu finden.

Heute erinnert am Geburtshaus eine Tafel an den 1890 verstorbenen ersten Berner Bundesrat. Die Tafel wurde im Oktober 1997 unter dem Patronat der Offiziersgesellschaft Thun angebracht. Das markante Haus wurde übrigens ab 1940 auch als Bäckerei mit Laden genutzt.

Denkmalpflegerisch wichtig

Fabian Schwarz, Bauberater der kantonalen Denkmalpflege, stuft das Gebäude nicht nur für Schwarzenegg als wichtigen Bau ein. «Der ehemalige Bauern- und Gasthof ist auch regional ein wertvolles und bedeutendes Objekt», sagt er.

Und weiter: «Wir werden den Umbau weiter fachlich begleiten und Massimo Arnaldi bei der Planung unterstützen.» Zumal am Gebäude verschiedene historische, gekerbte Inschriften fest­gestellt wurden, welche auf den damaligen Zimmermeister hinweisen. «Das Restaurieren solcher Inschriften ist beitragsberechtigt», erläutert Fabian Schwarz.

Auch ein prozentualer Beitrag an die rasche Dachsanierung sei in Aussicht. Liegenschaftsbesitzer Massimo Arnaldi sieht dies pragmatisch. «Wenn es die Denkmalpflege nicht gäbe, würde dieses Haus hier nicht mehr stehen», ist er überzeugt.

Mit dem Kauf des Gebäudes hat der Unternehmer auch gleich zwei Bauparzellen erworben. Dort könnten beispielsweise weitere Bauprojekte realisiert werden.

(Thuner Tagblatt)

Erstellt: 19.11.2015, 06:53 Uhr

Gemeinde Unterlangenegg

«Über die Entwicklung sind wir sehr erfreut», sagt Unterlangeneggs Gemeindepräsident Rudolf Reusser über die aktuellen Tätigkeiten am historischen Gebäude direkt neben der Kirche Schwarzenegg. Weil dort lange Zeit erfolglos nach einem Käufer gesucht wurde, sei auch die Gemeinde von der Erbengemeinschaft Roth kontaktiert worden. Der Gemeinderat habe aber entschieden, das Gebäude nicht zu kaufen und zu sanieren. «Nicht zuletzt auch wegen den Finanzen», so der Gemeindepräsident weiter. Für Reusser ist ein öffentliches Nutzen der einstigen Heubühne durchaus denkbar. Er könne sich dies vorab auf privater Basis vorstellen. Mit dem Plan, dort auch Wohnungen einzurichten, sei der neue Besitzer auf dem richtigen Weg. Weil es nach dem revidierten kantonalen Richtplan in Landgemeinden nicht einfacher werde, neuen Wohnraum zu schaffen, würden solche Projekte doch genau den kantonalen Richtlinien entgegenkommen, nicht zuletzt, weil Wohnraum dabei in bestehenden Gebäuden entstehen würde.

Artikel zum Thema

Es ist Schwarzenegg-Märit – und alle kommen

Schwarzenegg Wenn Kinder mindestens einen Wunsch frei haben und Mütter, aber auch einige Väter ihren freien Tag einziehen, dann ist im Zulgtal Märit. Gegen 8000 Interessierte gingen am Donnerstag hin. Mehr...

Feuerwehr rettet übungshalber 60 Kinder

Im Primarschulhaus in Unterlangenegg ist ein Brand ausgebrochen. Die Feuerwehr Schwarzenegg übte die Evakuation – mit Unterstützung aus Steffisburg. Mehr...

General Oesch wurde mit Gedenkstein geehrt

Schwarzenegg Mit einer Feier in der Kirche und der Enthüllung eines Gedenksteins wurde dem finnisch-schweizerischen General Karl Lennart Oesch gedacht. Er hatte Finnland im Zweiten Weltkrieg erfolgreich gegen Russland verteidigt, aber nie die verdiente Anerkennung dafür erhalten. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitag um 16 Uhr Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Casino historisch Als im Casino der Nationalrat tagte

Echt jetzt? Kompletter Irrsinn!

Abo

Immer die Region zuerst. Im Digital-Light Abo.

Das Thuner Tagblatt digital im Web oder auf dem Smartphone nutzen. Für nur CHF 17.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Der Boden ist Lava: Eine Frau schaut Kindern zu wie sie auf beleuchteten Kreisen in einem Shoppincenter in Peking spielen. (22. Oktober 2017)
(Bild: AP Photo/Andy Wong) Mehr...