Neues Zuhause für Handballer in Thun-Süd oder an Allmendstrasse?

Seit Jahren wird in der Stadt über eine mögliche neue Handballhalle diskutiert. «Wir sind dran», postete Gemeinderat Roman Gimmel nach dem Wacker-Cupsieg auf Facebook. Gespräche laufen auf verschiedenen Ebenen.

Platz für weitere Sportanlagen? Eine Luftaufnahme des Gebiets um die Stockhorn-Arena in Thun Süd. Quer durch das Bild führt die Weststrasse, rechts vom Stadion ist das Panorama-Center zu sehen.

Platz für weitere Sportanlagen? Eine Luftaufnahme des Gebiets um die Stockhorn-Arena in Thun Süd. Quer durch das Bild führt die Weststrasse, rechts vom Stadion ist das Panorama-Center zu sehen.

(Bild: Manuel Lopez)

«Die Handballstadt braucht eine Handballhalle», kommentierte diese Zeitung nach den Cup­höhenflügen der hiesigen Handball-Spitzenteams – bei den Männern holte Wacker bekanntlich am ersten Februarwochenende den Pokal, bei den Damen scheiterte Rotweiss erst im Final.

Roman Gimmel – Vorsteher der städtischen Direktion Bildung, Sport, Kultur – nahm den Ball auf, postete den eingangs erwähnten Zeitungskommentar auf seiner Facebookseite und schrieb dazu: «Wir sind dran.»

Dass die Platzverhältnisse in der Lachenhalle eng und die Bedürfnisse für eine neue Halle vorhanden sind, ist schon länger klar. Platz haben beim zuschauerstärksten Club der Liga maximal 2000 Fans. In den letzten Jahren ermöglichte die Stadt unter anderem ein Eventpodest für die Betreuung von Sponsoren und verschob das Spielfeld um 1,5 Meter, um eine Minigegentribüne zu ermöglichen.

«Wir befassen uns nicht aufgrund der Cuperfolge mit dem Thema.»Gemeinderat Roman Gimmel

Doch das ist auf lange Sicht nicht viel mehr als Kosmetik: «Wir brauchen in absehbarer Zukunft eine neue Halle, eine, die den fernsehtechnischen Anforderungen genügt, eine, in der wir zumindest auf zweithöchster europäischer Stufe Partien austragen können», sagte der nun abtretende Wacker-Präsident Reto Zwahlen im Mai 2016.

Stadt kontaktierte Clubs

Was bedeutet also Gimmels «Wir sind dran»? Wie weit fortgeschritten ist das Geschäft? Der SVP-Gemeinderat hält fest: «Wir befassen uns nicht aufgrund der aktuellen Cuperfolge mit dem Thema – gerade die Handballer sind ja schon seit Jahren erfolgreich. Wir möchten, dass das auch weiterhin möglich ist.»

«Es stellt sich etwa die Frage, ob es weitere Vereine mit dem Bedürfnis nach einer neuen Halle gibt.»Gemeinderat Roman Gimmel

Im Aufgaben- und Finanzplan der Stadt sind denn auch Beträge für eine neue Dreifachsporthalle enthalten: In den Jahren 2018 und 2019 sind es je 50'000 Franken für die Planung, in den Jahren 2021 und 2022 je 7,5 Millionen für die Realisierung. Gimmel erklärt, dass derzeit Gespräche auf verschiedenen Ebenen laufen. «Es stellt sich etwa die Frage, ob es weitere Vereine mit dem Bedürfnis nach einer neuen Halle gibt.»

Nebst Wacker kontaktierte die Stadt deshalb etwa den Damenhandballclub Rotweiss und den Unihockey-Club Thun. «Es geht darum herauszufinden, wer welche Rolle spielen wird.» Laut Gimmel ist nicht in Stein gemeisselt, dass die Stadt als Bauherrin und Eigentümerin auftritt: «Es ist nicht einfach ‹nur› ein städtisches Projekt.»

Ein weiterer Aspekt ist etwa die Benutzung tagsüber: Da komme zusätzlich der Kanton ins Spiel, der allenfalls Bedarf für die Berufsfachschulen hat. Und schliesslich spielt bei der Planung auch die Situation an der Allmendstrasse eine Rolle. Dort existierten jahrzehntelang zwei Mehrzweckhallen des Militärs, die abends und an Wochenenden von Vereinen genutzt werden konnten.

Eine davon wurde abgerissen und vom Bund 2016 durch eine neue Doppelsporthalle nach neustem Standard ersetzt – Gimmel spricht davon, dass sie praktisch einer Dreifachhalle entspricht. Auch dort will sich die Stadt abends und an den Wochenenden einmieten und könnte die Halle so Sportvereinen zur Verfügung stellen.

Platz für einen zweiten Neubau? Die Sporthalle der Armee an der Allmendstrasse. Rechts im Hintergrund ist die zweite, alte Halle zu erkennen. Diese dürfte in den nächsten Jahren abgebrochen werden. Bild: Michael Gurtner

Eine abschliessende Antwort vonseiten Bund steht jedoch laut Roman Gimmel noch aus. Er weiss: «Die zweite Halle soll ebenfalls abgerissen werden. Der Platz für einen zweiten grossen Neubau wäre wohl vorhanden – das wäre für uns eine Option. Der Bund hat allerdings derzeit keinen Bedarf.»

Er gehe heute davon aus, dass der Bund die bestehende zweite Halle ab 2020 nicht mehr benötigen werde. Gimmel: «Bis dann läuft unser Mietverhältnis. Allenfalls wäre eine Verlängerung denkbar. Es ist unrealistisch, dass wir in drei Jahren eine neue Lösung umsetzen können.»

«Sportcluster» in Thun-Süd?

Ist der Bund an einem zweiten Neubau an der Allmendstrasse definitiv nicht interessiert, braucht die Stadt also andernorts Ersatz. Welcher Standort käme dafür infrage? «Es gibt nicht viele Möglichkeiten, wo genügend Platz vorhanden wäre», sagt Roman Gimmel. Konkret nennt er den potenziellen «Sportcluster» an der Weststrasse bei der Stockhorn-Arena: Hier könnten allenfalls dereinst Fuss- und Handballer quasi Seite an Seite agieren.

Klar ist derweil, dass das Thema Neubau einer Dreifach-Sporthalle auch wieder auf das politische Parkett kommt: Die Fraktionen BDP und SVP/FDP sowie weitere Mitunterzeichnende reichten am 16. Februar im Stadtrat eine Interpellation ein.

Sie beziehen sich unter anderem auf den eingangs erwähnten Bericht in dieser Zeitung und stellen diverse Fragen – etwa, ob der Gemeinderat bereit sei, in einem allfälligen Neubauprojekt die Möglichkeit einer Handballhalle mit Gegentribüne in die Planung aufzunehmen. Beantwortet wird die Interpellation laut Roman Gimmel wie üblich an einer der nächsten Stadtratssitzungen.

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