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Pädophiler Sozialarbeiter muss Therapie weiterführen

Ein Schulsozialarbeiter, der sich an 21 Buben sexuell vergangen hat, muss seine Therapie fortsetzen, obwohl er Fortschritte gemacht hat.

Das Regionalgericht Oberland hat die Therapie des Schulsozialarbeiters um fünf Jahre verlängert.
Das Regionalgericht Oberland hat die Therapie des Schulsozialarbeiters um fünf Jahre verlängert.
Marcel Bieri

Der Fall hatte Schlagzeilen gemacht. Weil die Taten so unfassbar waren. Da war ein Sozialpädagoge. Angesehen, geschätzt, vertrauenswürdig. Einer, der die Kinder verstand.

Doch es war alles nur Fassade. Der Mann führte ein Doppelleben. Jahrelang. Er lud seine Schützlinge zu sich nach Hause oder in eine Alphütte bei Lauenen ein. Mit eindeutigen Hintergedanken.

Als er endlich überführt wurde, hatte er sich 150 Übergriffe an 21 Buben im Alter zwischen 8 und 15 Jahren geleistet. Einzelne Kinder hat der Mann über Jahre hinweg immer und immer wieder missbraucht. Teilweise waren dabei Alkohol und Marihuana im Spiel.

Die Sache flog schliesslich auf, als eine Mutter zur Polizei ging, weil pornografische Bilder ihres Sohnes im Netz aufgetaucht waren. Vor knapp fünf Jahren hatte sich der Mann, bei dem eine homosexuelle Pädophilie diagnostiziert wurde, schliesslich vor dem Regionalgericht Oberland zu verantworten.

Er zeigte sich reuig und akzeptierte dann auch die Sanktion: eine Freiheitsstrafe von 9,5 Jahren – unter anderem wegen sexueller Nötigung, Schändung und sexuellen Handlungen mit Kindern.

Sie wurde zugunsten einer stationären therapeutischen Massnahme aufgeschoben. Nach fünf Jahren hatte das Gericht nun am Montag zu überprüfen, ob die Therapie weitergeführt wird.

Eine Frage des Zeitraums

Der 49-jährige Mann gab sich geläutert. Er habe sich intensiv und lange mit sich und seinen Taten auseinandergesetzt. «Das war keine schöne Zeit.» Dank der Therapie habe er sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. «Ich bin gereift.»

In den Führungsberichten wird dem Mann ein tadelloses Verhalten bescheinigt. Er mache mit, wolle sich verändern. Auch hat er eingewilligt, sich triebhemmende Medikamente spritzen zu lassen.

«Ich bin auf dem richtigen Weg», sagte der Mann weiter. Für eine Entlassung sei er aber noch nicht bereit. «Das käme zu plötzlich.» Er hoffe aber auf «deutliche Schritte Richtung Öffnung des Vollzugs».

Sein Anwalt verlangte konkret, dass die Therapie auf ein Jahr beschränkt wird. «Er unternimmt alles, was er kann.» Nun brauche er ein Zeichen der Anerkennung für seine geleistete Arbeit in den letzten Jahren, damit die Motivation nicht nachlasse.

Eine pessimistischere Sicht hatte die Staatsanwältin. Für sie ist eine Entwicklung zwar erkennbar, die Rückfallgefahr aber immer noch gross. «Sein ganzes Leben drehte sich nur um den sexuellen Kontakt mit Buben.»

Er habe manipuliert und Macht ausgeübt, um das zu bekommen, was er wollte. Es brauche mehr Zeit, um den Täter zu therapieren. «Der Weg ist noch lange nicht zu Ende.» Sie beantragte deshalb, die Therapie um fünf weitere Jahre zu verlängern.

«Entlassung wäre verfrüht»

Das Kollegialgericht unter Vorsitz von Jürg Santschi stützte sich weitgehend auf das jüngste Gutachten. Darin wurden dem ehemaligen Schulsozialarbeiter zwar Fortschritte attestiert, um die Rückfallgefahr zu verringern, benötige es aber noch Zeit. «Es ist sehr erfreulich, was Sie erreicht haben», sagte Santschi, «aber eine Entlassung zum heutigen Zeitpunkt wäre verfrüht.»

Der Gutachter skizzierte einen möglichen Fahrplan. In mehreren Schritten soll der Mann in den nächsten vier bis fünf Jahren wieder ans Leben ausserhalb der Gefängnismauern gewöhnt werden. «Ein kompletter Neuanfang ist ein grosser Schritt», sagte Santschi. Das brauche seine Zeit.

Er macht dem Schulsozialarbeiter auch Hoffnung. Nicht das Gericht bestimme über eine bedingte Entlassung, sondern die Vollzugsbehörde. «Es kann deshalb sein, dass es nicht mehr fünf Jahre bis dahin dauert.»

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