Thun

Pistole in der Nierenschale

ThunMörderisch volles Haus in der Buchhandlung Krebser am Dienstagabend: Die Thuner Krimiautorin Esther Pauchard übte an der Vernissage ihres neuen Krimis «Tödliche Praxis» magische Anziehung auf 230 Gäste.

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Erfreut über die ausverkaufte Veranstaltung begrüsste Louis Krebser die vielen Pauchard-Fans und erinnerte an die Vernissagen ihrer drei letzten Werke, die den Veranstalter bald an die räumlichen Grenzen gebracht hatten. Bestens gelaunt zeigte sich auch Verleger Bernhard Engler vom Lokwort-Verlag angesichts der vielen Pauchard-Fans.

Ehemann plauderte aus dem Nähkästchen

Ehemann Guy Pauchard, Thuner Allgemeinmediziner, fand humorige Worte über seine fiktiv kriminelle Gattin. Sie plaudere gerne am Abend, erzählte er aus dem Nähkästchen, doch vor nicht langer Zeit sei sie so still gewesen, und auf sein Nachfragen hin habe sie erklärt, sie überlege nur, wie man einen perfekten Mord begehe.

Die Autorin und Oberärztin einer Suchtfachklinik räumt auf mit der immerwährenden Frage, ob ihr Roman denn biografische Züge habe. «Man kann nicht aus seiner Haut. Schreiben ist etwas sehr Persönliches, man kann sich dabei nicht verstecken.»

Die Praxisassistentin steht im Fokus

Der Zweck eines Behandlungsraums besteht ja eigentlich darin, dass Ärzte dort Patienten gesund machen. Liegt ein Mediziner aber dort tot am Boden, ist etwas überaus Ungesundes passiert: ein Mord.

Schon auf dem Cover von «Tödliche Praxis» irritiert die abgebildete Nierenschale, die neben Schere und Wattestäbchen eine Pistole enthält. Alles dreht sich um die medizinische Praxisassistentin Melissa Braun, die ihren Chef gemeuchelt am Boden findet.

Nachdem sich in «Jenseits der Couch», «Jenseits der Mauern» und «Jenseits der Rache» die Protagonistin Kassandra Bergen in die Herzen der Fans geschlichen hat, schlüpft die Autorin als Icherzählerin nun in die Haut der 30-jährigen Melissa.

Eine zähe und schlaue Frau

Es sei eine Frau, welche keinen Doktortitel habe, welche einen ganz «normalen» Beruf ausübe, welche niemand als Zicke beschimpfe, weil sie bisweilen hilflos sei, weil sie mit der einen oder anderen Achillesferse kämpfe und ihren Platz im Leben noch nicht gefunden habe, umriss die Autorin den Charakter der neuen Figur.

Melissa sei auch eine, die zäh und schlau sei und entschlossen, an der hässlichen Geschichte, die das Leben ihr vor die Füsse werfe, zu wachsen. «Entwicklung passiert ausserhalb unserer Komfortzonen», erläuterte die Autorin und Psychiaterin fachkundig.

In fünf kurzen Leseabschnitten fütterte Esther Pauchard ihr Publikum mit kleinen Texthäppchen, ohne zu viel zu verraten. Die letzte Textpassage drehte sich um Melissa, die mit Angst im Nacken durchs nächtliche Bern irrt: «Gerade dann, als ich begann mich etwas sicherer zu fühlen, passierte es!»

Esther Pauchard «Tödliche Praxis», Kriminalroman, 352 Seiten, Fr. 24.80. ISBN 978-3-906806-06-8, Lokwort-Verlag.

Lesungen: Sonntag, 9.?Oktober, 16 Uhr, Grandhotel Giessbach, Brienz; Donnerstag, 24.?November, 19.30 Uhr, Bödeli-Bibliothek, Marktgasse 4, Interlaken (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.09.2016, 08:46 Uhr

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