Preisträger-Kunstduo moderiert am Festival

Eben erst wurde ihre Kleinkunst mit dem Prix Cornichon ausgezeichnet, am Freitag moderieren Schertenlaib & Jegerlehner das erste Thuner Liedermacherfestival. Noch wirkt der Rummel als Genuss nach.

Schertenlaib & Jegerlehner (v. l.): Michel Gsell und Gerhard Tschan sind mehrfache Preisträger.

Schertenlaib & Jegerlehner (v. l.): Michel Gsell und Gerhard Tschan sind mehrfache Preisträger.

(Bild: PD)

Sind Sie vom Rampenlicht wieder im Alltag zurück – oder wirkt der Prix Cornichon für Schertenlaib & Jegerlehner schwer nach?Gerhard Tschan:Späte Gratulationen treffen ein und auch verspätete Interviews. (lacht) Im Alltag ist der Preis immer noch präsent. Hallo hier, hallo dort. Michel Gsell:Zu wenig Schlaf rächt sich. Die Müdigkeit, gepaart mit der Übersäuerung durch ­unvernünftigen Alkoholkonsum, fühlt sich wenig schön an. Aber es hat sich trotzdem gelohnt.

Was ist Ihnen lieber: das Bad im Scheinwerferlicht der Medien oder auf der Bühne?Tschan: Das Licht auf der Bühne habe ich lieber. Das Bad gehört dazu. Im Wissen, dass es vorbei geht, ist es ein Genuss. Gsell: Um unsere Arbeit bekannt zu machen, suchen wir Öffentlichkeit. Und wenn wir sie endlich haben, ist es uns auch nicht so recht. ­Komisch aber auch.

Gibt es im Rückblick auf die Verleihung und den Preis etwas, das am stärksten hängen bleibt?Tschan: Die Atmosphäre im Stadttheater, das Publikum, das uns trug. Dass so viele Leute aus meiner Umgebung teilnahmen. Gsell:Meine Liebsten waren da und diejenigen, die nicht da waren, waren es. Ich gehe davon aus, dass ich das gut gespürt habe.

Inwiefern wirkt sich der Prix Cornichon für Sie beruflich aus?Tschan: Wohl eher langfristig. Das Echo war gross, nun gilt es präsent zu bleiben.

Was macht Ihren Erfolg aus?Tschan: Wir zelebrieren einen eigenen Groove, der Rhythmus packt und wir berühren mit Geschichten ohne Pointenstress. Gsell:Die Haltung unserer Figuren, Anarchie und Ordnung, Innigkeit und Kummer, Selbstironie und die Lust, besser zu werden.

Als was sehen Sie sich am meisten: Sind Sie Kleinkünstler? Musiker? Poeten? Klangkünstler?Gsell: Kleinkunst wird wegen ihres Namens unterschätzt und oft belächelt. Das ist schade. Für mich sind wir ein Kunstduo. Tschan: Künstlerduo oder Klangkünstler oder komische Poeten. Wir passen in keine Schublade. Die Kleinkunst ist unsere Szene.

Wie ist die Bedeutung eines solchen Preises einzuschätzen?Tschan: Wir bewegen uns in einer Nische. Dass wir wahrgenommen werden, ist toll. Dass wir mit den Preisen in die Ahnengalerie grosser Meister wie Hüsch, Rittmeyer, Schramm und anderen aufgenommen sind, ist auch surreal. Gsell: Solche Preise zu erhalten, ist für mich nicht einzuschätzen. Wir machen unsere Arbeit, sie wird durch das Herzeigen von ­anderen Leuten bewertet, das macht sie im besten Fall grösser. Ich habe es gerne, wenn unser Tun in Worte gefasst wird, etwas, was mir schwerfällt. Sätze wie: Das Duo zelebriert eine marthalersche Schwermut mit hochmusikalischer Leichtigkeit, die grausam groovt ­– gefallen mir sehr.

Welcher Preis steht noch auf Ihrer Wunschliste?Gsell:Den für den besten Autofahrer, verliehen von Jegerlehner.

Sie stehen am Kleinkunstzenit?Tschan: Wir haben den Cementit überschritten, die Luft wird uns zu dünn, wir bergsteigern nicht mehr, sind also nicht mehr anklimatisiert. Wir lassen uns fallen und warten auf Aufwind. Gsell:Wir haben noch Luft nach unten. Hoffentlich sind wir nicht schon oben angekommen, sodass unsere Arbeit weiter an Relevanz, Tiefe und Dringlichkeit gewinnt.

Nie müde?Gsell: Ich möchte den Zwischenraum und die Auslassung erforschen, das hat auch mit Rhythmus zu tun und Spannung. Tschan: Wie die Fussballer nach der Saison. Nun bündeln wir die letzten Reserven, damit wir nicht so alt aussehen, wie wir sind. Wir wollen in Zukunft die Zahl der Auftritte etwas reduzieren.

«Zunder» spielen Sie noch am 7., 8. und 9. Juni in Bern, danach folgt das neue Programm. Mit denselben Bühnenfiguren?Tschan: Im September gibt es in Bolligen eine Vorpremiere des neuen Stücks. Im Januar in Burgdorf die Premiere. Schertenlaib & Jegerlehner erfinden sich nicht neu, wachsen aber an den Anforderungen. Die Zeit von Weissclown Scher­tenlaib und August Jegerlehner ist vorbei. Wort und Musik bleiben zentral, durch alles fliesst die Komik. Gsell: Es lebe die subversive Kraft der Poesie.

Was folgt auf die Trilogie «Päch», «Schwäfu» und «Zunder»?Tschan: Das neue Programm heisst «Textur». S textet, J sorgt fürs leibliche Wohl. Gsell: Prost.

Kommen wir noch kurz auf das Troubadourfestival zu sprechen. Sie moderieren?Tschan: Ja, wir wollen den Auftretenden mit einer stimmigen Anmoderation einen guten Boden schaffen.

Gsell: Schwerpunkt ist mehr die Musik als das Wort. Die Salzburger-Stier- und Cornichon-Preisträger quasi als Vorband in der eigenen Heimat.Gsell: Als Lokalmatadoren wurden wir angefragt. Tschan: Ein Heimspiel ist schön; man ist schnell wieder zu Hause.

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