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Psychische Krankheit bewirkte ein relativ mildes Urteil

Weil ein Mann verschiedene Straftaten infolge einer manisch-depressiven Erkrankung begangen hatte, liegt das Strafmass weit unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft.

Einem 54-jährigen Schweizer aus der Region Thun legte die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region Oberland, die Straftatbestände Sachbeschädigung, Vergehen und Übertretung gegen das Strassenverkehrsgesetz, Drohung, Beschimpfung und Tätlichkeiten zur Last. Da der Mann an einer manisch-depressiven Erkrankung leidet, wurde die Hauptverhandlung vom 9. März auf Antrag des amtlichen Verteidigers zwecks Abklärung der Schuldfähigkeit abgebrochen.

Nur teilweise schuldfähig

In der Fortsetzungsverhandlung am Montag setzte sich ein Sachverständiger des forensisch-psychiatrischen Dienstes der Universität Bern mit der Schuldfähigkeit oder der Schuldunfähigkeit des Mannes auseinander. «Das sogenannte psychotische Syndrom hat die Einsichtsfähigkeit des ­Beschuldigten stark eingeschränkt», führte der Experte unter anderem aus.

Hinzugekommen ist im einen Fall eine starke Alkoholisierung. Der Sachverständige kam zum Schluss, dass im vorliegenden Fall von einer mittelmässigen Schuldfähigkeit auszugehen sei. «Es kann eine gute Prognose gestellt werden», beantwortete er eine Frage der Gerichtspräsidentin Natalie Fritz nach den Zukunftsaussichten. Der Mann unterziehe sich einer ambulanten Therapie und spreche gut auf die Medikamente an.

«Bereut seine Taten»

Die Sachverhalte seien im Grundsatz unbestritten, führte der amtliche Verteidiger in seinem Plädoyer aus. Die vom Gutachter der Universität Bern bestätigte bipolare Störung (ein Pendeln zwischen Depression und Manie) habe wesentlich zu den Straftaten geführt, argumentierte er. Daher plädierte er in den meisten Fällen auf Schuldunfähigkeit. Lediglich im Falle der Sachbeschädigung sah er einen möglichen Schuldspruch.

«Mein Klient war von Anfang an geständig und bereut seine Taten», führte der Verteidiger weiter ins Feld. Zudem weise er keine Vorstrafen auf, lebe seit dem Sommer 2016 abstinent, was die jeweiligen Haarproben bestätigten. Im Falle eines Schuldspruchs fand er eine bedingte Geldstrafe von höchstens 10 Tagessätzen als angemessen.

«Gestützt auf das Gutachten des Sachverständigen der Universität Bern ist der Mann nicht vollständig schuldunfähig», sagte die Gerichtspräsidentin bei der Urteilseröffnung. Dies treffe auf den Straftatbestand der Sachbeschädigung zu, präzisierte sie. Deshalb sprach sie ihn in diesem Punkt schuldig und verurteilte ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 100 Franken bei einer Probezeit von zwei Jahren. In den andern Fällen gewichtete sie den Einfluss der Krankheit. Mit diesem Urteil blieb die Einzelrichterin weit unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft, die eine höhere Geldstrafe und Bussen gefordert hatte.

Im Weiteren hat der Beschuldigte einen Teil der Verfahrenskosten, Schadenersatz an den Zivilkläger und Parteientschädigungen von insgesamt rund 7000 Franken zu bezahlen. Ausserdem erhielt er die Weisung, die ambulante Behandlung fortzusetzen und regelmässig die nötigen Medikamente einzunehmen.

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