Relikte aus dem Tramzeitalter

Thun

Bis 1952 verkehrten die Strassenbahnen der Rechtsufrigen Thunerseebahn. 17 Jahre später mussten beim Lauitor zum Vorschein gekommene Tramschienen entfernt werden. 

Ein Bild aus dem Jahre 1951, als die Rechtsufrige Thunerseebahn noch durch die Thuner Innenstadt verkehrte. Foto: PD / W. Ritschard

Ein Bild aus dem Jahre 1951, als die Rechtsufrige Thunerseebahn noch durch die Thuner Innenstadt verkehrte. Foto: PD / W. Ritschard

«Baustellen sind in Thun noch immer hoch im Kurs. Als eine der letzten ist diejenige beim Lauitor eröffnet worden.» So tönte es bereits vor 50 Jahren. Zwar stand damals nicht die Verbreiterung des Lauitorstutzes zur Debatte, dafür waren infolge normaler Bodensenkung die seit 17 Jahren überdeckten Tramschienen zum Vorschein gekommen.

Da sie eine grosse Gefahr für den Fahrrad- und Motorfahrradverkehr darstellten, hiess es in der Ausgabe dieser Zeitung vom 29. Januar 1969, werde den alten Schienen auf einer Länge von rund 50 Metern mit Presslufthämmern und Schweissbrennern zu Leibe gerückt. Sie hatten der ehemaligen Rechtsufrigen Thunerseebahn gedient, welche den Betrieb 1952 eingestellt hatte.

Was vor 50 Jahren sonst noch für Schlagzeilen sorgte:

3.1.1969 Die Winterthur-Unfall-Versicherung teilt mit, dass sie die Hauptagentur, Bahnhofstrasse 12, Thun, in den Rang einer Generalagentur erhebt und damit der Entwicklung des Geschäftes in Thun Rechnung trägt.

4.1.1969In der Umgebung Thuns wurde die grösste Berg- oder Nordfinken-Invasion seit Jahren festgestellt. Die Finken beziehen immer dasselbe Nachtquartier in der Kohlerenschlucht. Am Neujahrsabend wurde ein ununterbrochener 40-minütiger Einflug in die Schlucht beobachtet. Das Rauschen der Flügel war noch in vielen Hundert Metern Entfernung zu hören. Die letzte Invasion wurde in den 50er-Jahren registriert.

8.1.1969 Das Thuner Spital nahm einen neuen Krankenwagen in Betrieb, den die Touring-Garage AG, Thun, lieferte. Es handelt sich um einen Mercedes-Benz 230 mit verlängertem Radstand, 135 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h. Den Aufbau besorgte das Spezialwerk für Kranken- und Unfallwagen in Miesen, Bonn. Neben Fahrer und Mitfahrer finden 4 Verletzte, 2 liegend und 2 sitzend, bequem Platz.

9.1.1969 Der EHC Thun belegt am Schluss der Vorrunde mit 11 Punkten aus 14 Spielen den 6. Rang in der Nationalliga B und muss mit diesem Resultat an der Abstiegsrunde teilnehmen. Nachdem die Thuner den SCB mit 5:2 Toren bezwungen hatten, erreichten sie im Spiel gegen Langenthal im Grabengut einen 7:0-Sieg. Das letzte Spiel gegen Sitten endete mit 0:0 Toren.

10.1.1969 Nachdem das alte Gebäude der Kantonalbank abgerissen wurde, wird mit dem Bau für den Stadthof im Bälliz begonnen. Im Erdgeschoss wird die Firma Merkur AG einen Supermarkt samt Metzgerei einrichten und im 1. Stock ein Tearoom für 120 Personen betreiben. Der 2. bis 4. Stock werden für Büroräume benützt. Daneben wird eine unterirdische, 2-stöckige Einstellhalle gebaut, die 34 Autos Platz bietet.

13.1.1969 Die Firma Oppliger, Chemische Reinigungen Thun, eröffnete an der Schulstrasse im Dürrenast neben der Migros eine neue Filiale.

14.1.1969 Wie an der vergangenen Sitzung des Genossenschaftsrates der Coop Thun von L. Colombi zu vernehmen war, kostet der Neubau des Kaufhauses Kyburg an der Schwäbisgasse 17,7 Millionen Franken. Der Rat bewilligte den Baukredit. Die 4,25 Millionen Franken zum Ankauf der Liegenschaften sind in der Bausumme nicht enthalten.

17.1.1969 Die Maschinenfabrik Nobs, Gwatt, wandelte sich mit Statuten vom 12. Dezember 1968 in eine AG um. Das Grundkapital beträgt 1 Million Franken. Die Gesellschaft übernahm die Kommanditgesellschaft Nobs & Cie., Gwatt, Gemeinde Thun, mit Aktiven und Passiven per 31. Dezember 1968.

18.1.1969 Am 17. Januar um 15 Uhr nahmen die Billettautomaten für den Nahverkehr im Bahnhof Thun ihren Dienst auf. An drei Automaten, «blaue Kollegen» genannt, können 120 verschiedene Fahrkarten, vorerst nur für die 2. Klasse, gelöst werden. Für alle anderen Billette steht weiterhin der Schalterbeamte zur Verfügung.

21.1.1969 Unter der Leitung von Hans Schlatter führte der Turnverein Thun seine Hauptversammlung im Hotel Emmental durch. Nach 8-jährigem Präsidium trat H. Schlatter zurück. Die Versammlung wählte Bruno Hossmann zum neuen Präsidenten. Ein besonderes Problem für den Verein bildet der Mangel an Turnhallen und -plätzen, die es braucht, um einen geregelten Turnbetrieb durchzuführen.

21.1.1969 Der am 19. November 1919 gegründete Schachklub Thun feierte sein 50-Jahr-Jubi­läum im Restaurant Freienhof. Hermann Aebi, Präsident, begrüsste rund 70 Mitglieder an der Feier, darunter auch Emil Baumgartner, Stadtpräsident, der die Grüsse der Stadt überbrachte. Aus diesem Anlass überreichte H. Aebi den Mitgliedern und Gästen eine in einmaliger Ausführung hergestellte Vereinschronik, die die wichtigsten Stationen des Klubs festhält.

22.1.1969 Die Sektion Blümlisalp des SAC führte im Hotel Freienhof unter der Leitung von Werner Moser, Präsident, ihre Hauptversammlung durch. Ende Oktober zählte die Sektion 780 Mitglieder. Die Blümlisalphütte verzeichnete eine Frequenz von rund 4000 Übernachtungen, rund 1000 weniger als im Rekordjahr 1967. Jahresbericht und -rechnung sowie der Vorstand wurden bestätigt.

22.1.1969 Unter der Leitung von Martin Isenschmied, Präsident, führte die Musikgesellschaft Allmendingen ihre Hauptversammlung im Restaurant Kreuz durch. Beisitzer Roland Meinen wurde durch Hansrudolf Wüthrich ersetzt. Im Jahresbericht wurde die erfolgreiche Teilnahme am kantonalen Musikfest besonders hervorgehoben.

23.1.1969 Der Jodlerklub Edelweiss Thun Stadt führte unter der Leitung von Paul Schär seine Hauptversammlung im Restaurant Emmental durch. Im Jahresbericht wurde speziell auf die Teilnahme am Eidgenössischen Jodlerfest in Winterthur hingewiesen. Neuer Theaterobmann wurde Hansruedi Wüthrich, ansonsten wurde der gesamte Vorstand für eine weitere Amtsdauer bestätigt.

24.1.1969 Unter der Leitung von Fritz Wegmüller, Präsident, führte der Liederkranz Helvetia seine Hauptversammlung im Restaurant Maulbeerbaum durch. Anstelle des demissonierenden Vizepräsidenten Werner Gruber wurde der bisherige Beisitzer Fritz Hiltbrunner gewählt. Neuer Beisitzer wurde Jean Duboux. Nach einigen Jahren mit Provisorien konnte ein definitiver musikalischer Leiter gewählt werden. Es handelt sich um Walter Graf, Lehrer, Uetendorf, der das Amt seit dem vergangenen Sängertag provisorisch innehatte.

25.1.1969 Der Frauchor Thun führte unter der Leitung von Edith Kamber seine Hauptversammlung durch. Heiner Vollenwyder, Dirigent, wurde für ein weiteres Jahr wiedergewählt. Anstelle von Erika Gruber wurde Liselotte Hänni neue Kassierin. Da laut Jahresbericht die Aktiven und Passiven sowie der Mitgliederbestand leicht zurückgingen, forderte E. Kamber die Mitglieder auf, mehr Einsatz bei der Mitgliederwerbung aufzuwenden.

28.1.1969 Die Liegenschaft mit der Grossmetzgerei von Jürg Buchhofer, Obere Hauptgasse 4, wurde von W. Hauenstein gekauft und wird am 3. Februar geschlossen. Mit dem Kauf der Liegenschaft besteht für W. Hauenstein die Möglichkeit, den von ihm geplanten Um- und Ausbau der Krone grosszügig vorzunehmen. Das Geschäft von J. Buchhofer wird ab 1. September in den Schlachthof Thun verlegt.

28.1.1969 Der Männerchor Thun führte unter der Leitung von Hansueli Weibel, Präsident, seine Hauptversammlung im Simmenthalerhof durch. Der Verein zählt in allen Klassen 664 Mitglieder. Der Vorstand wurde für eine weitere Amtsdauer bestätigt.

29.1.1969 Der Männerchor Frohsinn führte unter der Leitung von Peter Weingart, Präsident, seine Hauptversammlung im Restaurant Maulbeerbaum durch. Der gesamte Vorstand wurde bestätigt, und der Dirigent, Direktor Karl Gehbauer, Bern, sicherte seine Funktion als musikalischer Leiter für ein weiteres Jahr zu.

29.1.1969 Fritz Bieri, Präsident, leitete die Hauptversammlung des Männerchors Allmendingen im Restaurant Kreuz. Anstelle von Hans Reinhard wurde Ernst Reust neuer Beisitzer, der weitere Vorstand wurde bestätigt.

29.1.1969 Der Samariterverein Strättligen führte unter dem Vorsitz von U. von Allmen, Präsident, seine Hauptversammlung durch. Der Verein zählt zurzeit 174 Aktiv- und 207 Passivmitglieder. Bei den 10 Depots, dem Strandbad und an diversen Vereins- und Sportanlässen wurden im vergangenen Jahr 1056 Hilfsleistungen geleistet.

29.1.1969 Unter dem Vorsitz von Robert Jordi führte der Jodlerklub Seerose seine Hauptversammlung im Restaurant Alpenblick durch. Der bisherige Vizepräsident Fritz Roth wurde anstelle von Robert Jordi, der aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat, neuer Präsident. Willy Gyger wurde neuer Vizepräsident.

30.1.1969 Die im Jahr 1963 gegründete Tribünen-Gesellschaft wurde durch den Gemeinderat aufgelöst. Die Gesellschaft hatte zum Zweck, eine Stahlrohrtribüne anzuschaffen. Nun wünschten die Beteiligten, die Gesellschaft für Pferdesport, die Genossenschaft Stadion Lachen und das Seenachtsfest-Komitee, von weiteren Verpflichtungen befreit zu werden. Die Gemeinde kaufte die Tribüne für Fr. 32000. Der Verlust von Fr. 7000 wurde auf die vier Parteien verteilt.

30.1.1969 Der Obstbauverein Strättligen führte unter der Leitung von F. Beer, Präsident, seine Hauptversammlung im Restaurant Rössli, Dürrenast, durch. Für den Eigenbedarf wurden 4000 Liter Obstsaft hergestellt und davon 3350 Liter sterilisiert. 500 Liter wurden in den Kanton Wallis geliefert. Der Verein zählt 129 Mitglieder.

Quelle: Stadtarchiv Thun.

Berner Zeitung

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