«Resignieren ist bequem»

Im KKThun sprachen am 18. Stiftungssymposium Barbara Bleisch, Thomas Vellacott und Veronika Brandstätter-Morawietz über innere Schweinehunde, Fuck-up und was uns daran hindert, zu handeln.

Veronika Brandstätter-Morawietz (links), Thomas Vellacott und Barbara Bleisch diskutierten im vollen Schadausaal.

Veronika Brandstätter-Morawietz (links), Thomas Vellacott und Barbara Bleisch diskutierten im vollen Schadausaal.

(Bild: pd)

Aus der Komfortzone gehen, dies war das Motto am 18. Stiftungssymposium im KKThun.

Wieso wir (fast) alles wissen und doch (so) wenig tun, darüber diskutierten am Dienstagabend im vollen Schadausaal Barbara Bleisch, Philosophin und Moderatorin «Sternstunde Philosophie» (SRF), Veronika Brandstätter-Morawietz, Psychologieprofessorin an der Universität Zürich, und Thomas Vellacott, CEO WWF Schweiz.

«Tun wir das Richtige?»

«Die grossen Probleme der Welt können wir nur gemeinsam lösen», sagte Barbara Bleisch zu Beginn. Als Gutmensch müsse man sich heute jedoch in Acht nehmen, sagte die Philosophin.

Beispielsweise sei nach dem Brand von Notre Dame mit dem riesigen Spendenaufkommen sofort auch Kritik laut geworden, bei einem alten Bau aus Stein würde man helfen, aber bei Flutopfern in Moçambique nicht. «Ist solche Kritik berechtigt?», fragte Bleisch. «Und tun wir das Richtige mit den Spenden?»

«Ein Dilemma»

Laut Veronika Brandstätter-Morawietz war das Identitätsstiftende von Notre Dame als nationales Monument entscheidend für die Spendenfreude. «Es ist ein Dilemma», sagte sie.

Umso wichtiger sei es, als Gesellschaft die Diskussion zu führen, wofür Geld eingesetzt werde. Derweil wünschte sich Thomas Vellacott, die Leute würden weniger urteilen und Sündenböcke suchen. «Mit einem schlechten Gewissen ist uns nicht gedient», sagte er.

«Man kann etwas tun»

Es gebe nichts Gutes, ausser man tut es, zitierte Bleisch Erich Kästner. Warum aber hätten manche einen Rehpinscher und andere eine Dogge als inneren Schweinehund? Die grösste Hürde, um ins Handeln zu gehen, sei der Gedanke, nichts tun zu können, sagte Vellacott.

Er kenne Menschen, die vom Leugnen des Klimawandels direkt zur Resignation übergegangen seien. Resignieren sei bequem. «Wir müssen aufzeigen: Doch, man kann etwas tun.» Wichtig dafür seien Motivation und ein Wirgefühl, so wie man es derzeit bei den Klimaaktivisten sehe.

Um wiederum das Beispiel von Notre Dame heranzuziehen, sagte Brandstätter-Morawietz: «Je konkreter und näher, umso bereitwilliger die Hilfe.»

Konkrete Ziele

Abstrakte müssten deshalb in konkrete Ziele übersetzt werden. Die Gefahr bei der rein konkreten Hilfe, wie zum Beispiel Patenschaften, bestehe aber darin, dass systemische Probleme nicht mehr berücksichtigt werden könnten.

Vellacott warf ein, dass die heute erhöhte Rechenschaftspflicht deshalb legitim sei. «Wir müssen den Leuten erklären, warum es beim Tigerschutz wichtig ist, mit Politikern zu reden.»

Wichtig sei auch, handlungsfähig zu bleiben und nicht im Grübeln zu verharren, ergänzte Brandstätter-Morawietz. Rückschläge gäben wichtige Informationen für Verbesserungen.

Barbara Bleisch erwähnte in diesem Zusammenhang das junge Phänomen der Fuck-up-Nights, bei dem junge Leute sich treffen, um das Scheitern zu zelebrieren. «Beim WWF gibt es zwar keine Fuck-up-Nights, aber wir sprechen über Fehler, sonst geht ein Projekt plötzlich vergessen», sagte Vellacott. Und: «Aussterben ist für uns der ultimative Fuck-up.»

Thuner Tagblatt

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