Rychiger AG feiert 100-Jahre

Steffisburg

Mit der Entwicklung von Spezialmaschinen für die Produktion von Kaffeekapseln begann der grosse Aufschwung der Rychiger AG. Die Firma feiert heuer ihr 100-jähriges Bestehen.

Die Firma baut neben dem Empfangsbereich (rechts) einen Erweiterungsbau (links), der im Frühling bezugsbereit sein soll.

Die Firma baut neben dem Empfangsbereich (rechts) einen Erweiterungsbau (links), der im Frühling bezugsbereit sein soll.

(Bild: Andreas Tschopp)

«Wir freuen uns auf den Tag, den wir alle gemeinsam verbringen werden», sagt Axel Förster, CEO der Rychiger AG in Steffisburg. Die an der Alten Bernstrasse beheimatete Maschinenbaufirma für Verpackungs- und Siegellösungen ist am Freitag, 24. August, geschlossen.

Sie feiert ihr 100-Jahr-Jubiläum mit einem Anlass für die Mitarbeitenden. Diesen werden tagsüber Ausflüge offeriert in die Grimselwelt, ins Emmental, nach Freiburg oder ins Wallis. Der Abendevent findet in der Halle am Töpferweg in Heimberg statt, die 2011 gekauft und kürzlich renoviert wurde.

Förster ist «froh und stolz»

Laut Förster werden die Angestellten, die nach wie vor vom 2013 eingeführten Programm zur Mitarbeiterbeteiligung profitieren können, zum Fest noch ein Goodie bekommen. «Doch es ist nicht so, dass wir zusätzlich grosse Geschenke verteilen werden», erklärt der Rychiger-Chef, der seit 2007 Mehrheitsaktionär ist und bereits seit 2001 die Firma leitet.

«Ursprünglich sollte ich nur zwei bis drei Jahre bleiben», meint Axel Förster, «doch heute bin ich sehr froh und auch sehr stolz, dass wir das 100-jährige Bestehen als erfolgreiche Firma feiern können. Es ist nicht jeder Firma gegeben, dass es so weit kommt».

Genugtuung beim Vorbesitzer

Wesentlich dazu beigetragen hat Peter Rychiger, der als Hauptaktionär und Geschäftsführer «seinen» Betrieb 2001 an eine Finanzholding verkaufte. «Ich habe meine Firma nicht verschachert», sagte Rychiger damals in einem Interview zum Verkauf, der das Ende einer 83-jährigen Familientradition bedeutete (siehe Text zur Geschichte unten).

Heute drückt der ehemalige Patron, der dieses Jahr den 80. Geburtstag feiern konnte und nach wie vor als Consultant im Betrieb tätig ist, seine Genugtuung darüber aus, 2001 den rich­tigen und wegweisenden Entscheid gefällt zu haben. «Das bedeutet mir sehr viel», sagt Peter Rychiger rückblickend.

Der Neubau der Rychiger AGwächst zügig in die Höhe. Bild: Andreas Tschopp

Um die Arbeitsplätze in Steffisburg zu sichern, habe es damals eine Nachfolgeregelung und finanzielle Absicherung des Unternehmens von ausserhalb der Familien-AG gebraucht, argumentiert Rychiger und betont: «Denn wir wollten uns nicht mit einer anderen Firma zusammenschliessen, sondern eigenständig bleiben, und suchten dafür eine Lösung.»

«Unabhängig erfolgreich»

Axel Förster wurde von den neuen Eigentümern 2001 im Alter von 36 Jahren als Chef der Rychiger AG eingesetzt, die damals noch den Vornamen Hans in der Firmenbezeichnung führte. Dieser wurde bei der 2007 erfolgten Übernahme durch das Management gestrichen. Nach mittlerweile mehr als 17 Jahren an der Spitze der Firma hält Axel Förster zu deren Jubiläum fest: «Wir sind richtig aufgestellt und gut unterwegs, haben interessante Produkte und Kunden, die diese erwerben wollen.»

Das komme nicht von allein «und ist auch nicht einfacher geworden». Aber er sei «voller Zuversicht, dass wir die richtigen Weichenstellungen getroffen haben und weiter treffen werden, um als unabhängige Firma erfolgreich zu bleiben». Einen finanzstarken Investor mit ins Boot zu holen, sei «im Moment weder nötig noch gefragt», betont der 53-Jährige.

Zukunftsmarkt Healthcare

Stillstand ist für den Rychiger-Chef «keine Option». Vielmehr möchte Förster «die Zukunft gestalten». Dazu gehört auch, für die Firma, die einst von Nespresso den Auftrag erhielt, eine Maschine zum Abfüllen von Kaffee in Kapseln zu bauen, und danach jahrelang vom Boom mit den Kaffeekapseln profitierte, andere lukrative Geschäftsfelder zu suchen. «Wir wollen und werden den Bereich Healthcare ganz klar zu unserem zweiten starken Standbein aufbauen», betont Förster zur Strategie der Rychiger AG.

«Es ist nicht jeder Firma gegeben, dass es so weit kommt.»Axel Förster

Nachdem dieses Geschäft lange «eher passiv» betrieben worden sei, «kümmern wir uns nun intensiv darum und bauen das Know-how und die Kompetenzen dafür auf», erklärt der CEO mit Verweis darauf, dass im Neubau (siehe Kasten rechts) Spezialräume für den Medizinalbereich eingerichtet werden.

Goodwill bei der Gemeinde

Mit dem Erweiterungsbau anstelle der ehemaligen Post Steffisburg Station arrondiert die Rychiger AG ihren Standort zur Unteren Zulgstrasse hin und schöpft ihr Areal fast aus. «Eine letzte Landreserve haben wir noch auf unserem Parkplatz, wo das Potenzial aber limitiert ist», sagt Axel Förster. «Wenn wir noch weiter wachsen wollen und müssen, würde uns die Gemeinde Steffisburg gewiss unterstützen», ist der Rychiger-Chef überzeugt.

Er lobt denn auch das wirtschaftliche Verständnis der kantonalen und lokalen Behörden. Steffisburg hat gemäss Förster angeboten, der Firma zum 100. Geburtstag ein Geschenk zu machen.

Peter Rychiger seinerseits betont: «Steffisburg ist immer noch mein Dorf, auch mit beinahe 16 000 Einwohnern mittlerweile.» Dazu ergänzt der ehemalige FDP-Politiker: «Man sollte die Veränderungen in der Gemeinde, zum Beispiel beim Landhaus, akzeptieren, auch wenn sie eingeborene Steffisburger schmerzen, und das Beste daraus machen.»

Thuner Tagblatt

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