Schadaugärtnerei erhält vier Zonen für vier Nutzungen

Thun

Lebendig, vielfältig, öffentlich: So sieht die Stadt dieZukunft der Schadaugärtnerei. Nun wurden erstmals konkrete Ideen für das Areal präsentiert.

Die vier Zonen: Ankunftsterminal (Ankunftsfläche, Platz für Wohnraum), Kutscherhof (öffentliche Nutzung, z.B. Gastronomie), zentrale Fleifläche (Freiräume, Gärten, temporäre Anlässe), Obstgarten (bauliche Entwicklung möglich).

Die vier Zonen: Ankunftsterminal (Ankunftsfläche, Platz für Wohnraum), Kutscherhof (öffentliche Nutzung, z.B. Gastronomie), zentrale Fleifläche (Freiräume, Gärten, temporäre Anlässe), Obstgarten (bauliche Entwicklung möglich).

Die Würfel sind gefallen – und sie zeigen die Augenzahl vier. Vier Zonen sind es nämlich, welche die Stadt Thun für die Schadaugärtnerei vorsieht. Vier Zonen, in welchen in Zukunft unterschiedliche Nutzungen ermöglicht werden sollen.

Aber der Reihe nach: Bereits zu Beginn der laufenden Legislatur im Jahr 2015 hatte der Gemeinderat sich zum Ziel gesetzt, die künftige Nutzung der Gärtnerei zu klären. In einem öffentlichen Beteiligungsprozess sammelte die Stadt dann ab dem Frühjahr 2016 Wünsche und Ideen aus der Bevölkerung.

Zwei interdisziplinär zusammengesetzte Planerteams befassten sich schliesslich in den letzten zwölf Monaten in einem Studienauftrag damit, welche der geäusserten Ideen sich konkretisieren und realisieren liessen (wir berichteten).

Während der ganzen Zeit wurde die Schadaugärtnerei auf verschiedenste Art zwischengenutzt, zum Beispiel mit dem Kultur-Garten Schadau des Vereins Ärdele oder zuletzt für die Durchführung des neuen Musikfestivals Open Air Thun. Weil die wichtigsten Resultate des Studienauftrags nun vorliegen, hat die Stadt gestern über die Pläne und das weitere Vorgehen informiert.

«Der Studienauftrag brachte kein Siegerprojekt hervor», hält die Stadt zunächst fest. Stattdessen enthalte er detaillierte Vorschläge, wie das Areal «schrittweise» entwickelt werden könne. So will die Stadt einerseits «an der aktuellen Nutzung anknüpfen», andererseits aber auch den Bestand an historischen Gebäuden und Strukturen erhalten.

Die Arealentwicklung soll deshalb «nach klaren räumlichen Regeln erfolgen». Die Stadt verspricht sich eine lebendige, vielfältige und öffentliche Nutzung, «die sich an unterschiedlichste Anspruchsgruppen richtet und sich im Zeitverlauf auch wandeln kann».

Freiflächen bleiben – Platzfür Wohnungen denkbar

Konkret geplant ist, die Schadaugärtnerei in vier Zonen zu unterteilen. Der Bereich, auf dem heute Autos parkiert werden, ist als Ort der Ankunft beim Areal vorgesehen. «Auf dieser Fläche ist zudem eine bauliche Entwicklung (Wohnraum) denkbar», schreibt die Stadt in ihrer Mitteilung. Der heutige Kutscherhof im Osten der Gärtnerei (vgl. auch Grafik) soll saniert und in erster Linie für die Öffentlichkeit bei­behalten werden. Die Stadt kann sich etwa eine gastronomische Nutzung vorstellen.

Die bestehenden Freiflächen im Bereich der Orangerie wiederum, welche derzeit unter anderem als Garten genutzt werden, sollen einerseits weiterhin als Garten und Freiraum, andererseits aber auch als Platz für temporäre Anlässe und Experimentierflächen dienen. Zu guter Letzt sieht die Stadt in der Schadaugärtnerei «bauliches Entwicklungspotenzial», und zwar im Obstgarten.

Auf Anfrage hielt Gemeinderätin Marianne Dumermuth (SP) fest, was damit genau gemeint ist: «Denkbar sind etwa Wohnungen, ein Atelier oder irgendeine an­dere nicht öffentliche Nutzung.» Der Obstgarten an und für sich bleibt jedoch öffentlich zugänglich. Auch was den vorgesehenen Wohnraum auf der heutigen Parkierfläche betrifft, nahm die Vorsteherin der Direktion Stadtentwicklung Stellung.

«Die Stadt hat nie ausgeschlossen, in der Schadaugärtnerei auch Wohnraum zu ermöglichen.»GemeinderätinMarianne Dumermuth (SP)

«Die Stadt hat nie ausgeschlossen, in der Schadaugärtnerei auch Wohnraum zu ermöglichen», so Dumermuth. Zur Erinnerung: Die Stadt hatte das ganze Areal einst gekauft, da gegen ein früheres Wohnbauprojekt eine Flut von Einsprachen einging. «Ein Wohnbauprojekt wie das damalige wird es aber sicher nicht geben», sagte Dumermuth.

Die allfällige Wohnnutzung müsste mit der öffentlichen Nutzung verträglich sein. Die ­Gemeinderätin betont weiter: «Im Beteiligungsprozess gab es un­terschiedliche Haltungen zum Thema Wohnen.» Was also diesbezüglich genau passieren werde, sei derzeit noch offen.

Bereits 2019 Gastronomie in der Kutscherei?

Wie geht es nun weiter? Grundsätzlich will der Gemeinderat die ersten geplanten Massnahmen «rasch umsetzen». 2019 soll das Areal für die Bevölkerung geöffnet, die Verbindung über die Seestrasse sichergestellt und eine gastronomische Nutzung in der ehemaligen Kutscherei initiiert werden.

Der Gemeinderat beabsichtigt überdies, innerhalb der Verwaltung eine Projektgruppe ins Leben zu rufen, die die Entwicklung steuert. Zum Einsatz kommen soll zudem ein sogenannter «Kümmerer» oder eine «Kümmerin», die als «treibende Kraft» die verschiedenen Nutzer in der Schadaugärtnerei involviert und nötigenfalls auch an den Verhandlungstisch bringt.

Damit nicht genug: Eine Begleitgruppe aus externen Fachleuten «sowie Vertreterinnen und Vertretern von Anspruchsgruppen, der Politik oder der organisierten Öffentlichkeit» soll die Stadt in Sachen Schadaugärtnerei unterstützen.

Wie es für die aktuellen Zwischennutzer des Geländes weitergeht, ist derweil noch offen. Laut Gemeinderätin Marianne Dumermuth wird es auch Teil der Aufgabe des «Kümmerers» sein, die Ideen und Ansprüche der heutigen und künftigen Nutzer zu moderieren. «So oder so wird von allen die Bereitschaft für Konsenslösungen erforderlich sein», sagte Dumermuth.

Thuner Tagblatt

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