«Schiff ahoi» für Käpt’n Kübli

Thun

Er erwartet im Wahljahr 2018 keine spiegelglatte See, sondern einen Ritt auf den Wellen: Andreas Kübli wurde gestern als erster Grünliberaler zum obersten Thuner gewählt.

Andreas Kübli nach seiner Wahl zum Stadtrats­präsidenten.<p class='credit'>(Bild: Patric Spahni)</p>

Andreas Kübli nach seiner Wahl zum Stadtrats­präsidenten.

(Bild: Patric Spahni)

Als Kapitän des Thuner Politschiffs liess er sich für diese Zeitung ablichten. Kein Wunder, meinte seine Vorgängerin Sandra Rupp (SP): «Ich sage nur noch – Schiff ahoi!»

Da war die einstimmige Wahl von Andreas Kübli zum Stadtratspräsidenten bereits erfolgt – und damit Historisches geschehen: Das 52-jährige Mitglied der Fraktion der Mitte ist der erste Grünliberale im Amt des höchsten Thuners.

Dieses «höchster Thuner» töne «ein bisschen furchteinflössend», sagte Kübli. Und gestand, dass die innere Aufregung der letzten Tage mittlerweile der Nervosität ge­wichen sei. Davon war allerdings nichts zu spüren, als Andreas Kübli mit ruhiger Stimme seine Antrittsrede hielt. Er dankte für die Wahl und das Vertrauen, «das Schiff Stadt Thun sicher durch die politischen Gewässer zu führen».

Brücke zur Bevölkerung

Im Thuner Parlament herrsche grösstenteils eine gute Ratskultur, erklärte Kübli. «Ich wünsche mir, dass auch im Wahljahr 2018 immer die Sache im Mittelpunkt steht.» Dazu gehöre ein fairer Umgang zwischen den politischen Gewalten. Denn: «Der Gemeinderat kann nicht ohne den Stadtrat – aber auch der Stadtrat kann ohne ausführende Gewalt nichts bewirken.»

Er erwarte im Wahljahr keine spiegelglatte Thuner Politsee: «Es wird wohl ein Ritt auf den Wellen sein.» Dabei will Andreas Kübli Brücken bauen: zwischen den politischen Lagern, den politischen Gremien, aber auch zwischen Bevölkerung und Politik. «Es ist unsere Auf­gabe, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen.» Möglich sei dies mit einer sachlichen Politik, die eine Lösung zum Ziel habe, die letztlich allen zugutekomme.

Um weiterzukommen müsse man einen Schritt aufeinander zugehen. Schliesslich zitierte der frisch gewählte Stadtratspräsident den deutschen Philosophen Andreas Tenzer mit den Worten: «Die stärksten Brücken werden aus Steinen gefallener Mauern gebaut.» In diesem Sinne forderte er das Parlament auf: «Lasst uns die Mauern einreissen und neue Brücken zur Bevölkerung bauen!»

Nach dem Apéro galt es ernst

Kübli lobte seine Vorgängerin Sandra Rupp für ihre überlegte Art: «Du hast stets Ruhe bewahrt und klare Leitlinien gegeben.» Da sie künftig wohl etwas weniger an Apéros sein werde, überreichte er ihr ein Apérostarterset. Und lud nach seiner Rede alle Anwesenden zu – genau! – einem Apéro. Erst danach war Andreas Kübli ein erstes Mal als Kapitän gefragt. Zwar herrschte beim ersten Sachgeschäft keine Einigkeit im Rat – doch noch blieb die Thuner Politsee ohne allzu hohen Wellengang.

Thuner Tagblatt

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