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BLS-Schifffahrt: Diese Schiffe werden ausgemustert

Die BLS feilt an ihrer Schifffahrtsstrategie. Um in die schwarzen Zahlen zu kommen, will sie sechs alte Schiffe ausmustern – und zwei neue bauen.

Die MS Oberhofen wurde 2013 aus den Niederlanden an den Thunersee zurück geholt.
Die MS Oberhofen wurde 2013 aus den Niederlanden an den Thunersee zurück geholt.
Manuel Lopez
MS Niederhorn (links) und MS Stadt Bern.
MS Niederhorn (links) und MS Stadt Bern.
Markus Hubacher
MS Beatus
MS Beatus
BLS/zvg
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Die Schifffahrt auf den beiden grossen Oberländer Seen ist defizitär. Schon länger werkelt die BLS deshalb im stillen Kämmerlein an einer neuen Strategie. Am Freitag liess der Verwaltungsrat die Katze aus dem Sack. In einem ersten Schritt will das Unternehmen eine 100-prozentige Tochtergesellschaft gründen.

Sie ist nur für die Schifffahrt zuständig. Langfristig strebt die BLS die Beteiligung eines strategischen Investors an – zum Beispiel aus dem Tourismusumfeld. Die BLS werde jedoch immer an der AG beteiligt sein, versichert Mediensprecherin Helene Soltermann.

Die BLS-Führungsriege erhofft sich durch den Schritt in die Eigenständigkeit mehr Flexibilität und letztlich mehr Einnahmen. Die BLS rechne damit, dass die Schifffahrt AG auf Ende 2021 gegründet werden kann und ab Anfang 2022 tätig ist, sagt Soltermann.

Letztes Stündchen von sechs Schiffen hat geschlagen

Herzstück des neuen Geschäftsmodells ist aber die Flottenstrategie. So sollen in einem ersten Schritt vier alte Schiffe aus dem Verkehr gezogen werden, um die Fixkosten zu reduzieren. «Die Schiffe MS Oberhofen, MS Niederhorn, MS Iseltwald und die bereits stillgelegte MS Stadt Bern benötigen wir nicht mehr. Diese vier Schiffe wollen wir bis Ende 2021 ausmustern», präzisiert Soltermann.

Der Schritt ist unpopulär. Schiffe haben einen grossen emotionalen Wert. Im Fall der MS Oberhofen ist dieser besonders gross. Das Schiff war nach 14 Jahren im Exil in Holland erst 2013 in einer aufwändigen Aktion in heimatliche Gefilde zurückgeholt worden. Der Oberhofner Unternehmer Kurt Matter hatte das Schiff mit Geld aus dem eigenen Sack gekauft und der BLS geschenkt. 2014 stach die MS Oberhofen wieder in den Thunersee.

Nach der Restrukturierung verbleiben zwölf Schiffe in der BLS-Flotte, unter ihnen die beiden Dampfschiffe «Blümlisalp» und «Lötschberg». Die BLS will die Spendensuche zusammen mit dem Verein «Freunde der Dampfschifffahrt» professionalisieren, in der Hoffnung mehr Geld für den teuren Betrieb der beiden dampfenden Aushängeschilder zusammen zu tragen.

Doch damit nicht genug: In einem zweiten Schritt rangiert die BLS ab 2023 die MS Beatus und die MS Interlaken aus. «Wir möchten die beiden Schiffe durch zwei neue, multifunktionale und umweltfreundliche Schiffe mit wenig Tiefgang ersetzen», sagt Soltermann. Die BLS verfolgt damit das Ziel, die Winterschifffahrt auszubauen. In der schwachen Saison sollen künftig mehr Ausflügler auf Thuner- und Brienzersee gelockt werden.

Ohne Steuergelder geht es nicht

Die Kosten für die neuen Schiffe wird die BLS nicht alleine stemmen können. Der Kanton wird mithelfen müssen. Das Amt für öffentlichen Verkehr hat laut BLS-Sprecherin Soltermann bereits positive Rauchzeichen ausgesendet.

Im Finanzplan sind für diesen Posten 20 Millionen Franken budgetiert. 2023 soll das erste der neuen Schiffe in den Thunersee stechen. Damit wäre das Schicksal der MS Beatus besiegelt. «Auf dem Brienzersee möchten wir die MS Interlaken im Jahr 2028 ersetzt haben», sagt Soltermann weiter.

Und was hat das Ganze für Auswirkungen für die rund 120 Angestellten? Stellen werden keine abgebaut, verspricht die BLS. Vielmehr führe der Ausbau der Winterschifffahrt dazu, dass mittelfristig zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen würden. Durch die Gründung der Tochterfirma werden sich die Anstellungsbedingungen aber voraussichtlich ändern.

Das hat die Gewerkschaft des Verkehrspersonal SEV bereits aufgeschreckt. «Wir werden auf keinen Fall zulassen, dass die Anstellungs- und Arbeitsbedingungen des BLS-Schiffspersonals verschlechtert werden.» Der SEV wolle mit der BLS-Tochterfirma einen GAV aushandeln, «der zum bisherigen GAV mindestens gleichwertig ist», schreibt die Gewerkschaft.

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