Thun

Seefeldschule gibt weiter zu reden

ThunDer Zustand des Thuner Seefeldschulhauses und der damit verbundene Elternabend geben weiter zu reden. Auch bei der Stadt.

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«Wir warten immer noch auf die schriftliche Beantwortung unserer Fragen, welche uns die Stadt versprochen hat», sagt ein Vater. «Ich verstehe nicht, weshalb das so lange dauert. Schliesslich hat uns Roman Gimmel gesagt, die Antworten lägen bereits schriftlich vor.»

Der Vater, der nicht namentlich genannt werden will, spricht den Elternabend vor über 14 Tagen an, zu welchem die Stadt in Sachen Seefeldschulhaus geladen hatte. Die Schule, die in einer über 40-jährigen Baracke an der Äusseren Ringstrasse untergebracht ist, ist seit Jahren in einem desolaten Zustand. Die Kündigung einer beliebten Lehrerin, welche ihren Abgang unter anderem damit begründet hatte, liess das Fass schliesslich überlaufen.

«Die Vehemenz, mit welcher wir vonseiten der Eltern angegangen wurden, war enorm verletzend. So etwas habe ich noch nie erlebt.»Roman Gimmel, Gemeinderat

Am Abend selber mussten Gemeinderat Roman Gimmel und die anwesenden Chefbeamten harsche Kritik für ihre Untätigkeit einstecken. Sie sicherten den Eltern schliesslich die Beantwortung ihrer Fragen, aber auch weitere Abklärungen zu.

Vier Pendenzen bei der Stadt

«Das stimmt», sagt Gemeinderat Roman Gimmel (SVP) auf Anfrage. «Wir haben vom Elternabend vier Pendenzen heimgenommen.» Neben der Beantwortung der erwähnten Fragen seien es die Zusammenstellung der in den Sommerferien vorgesehenen Unterhaltsarbeiten am Schulhaus, die Durchführung eines Schadstoffgutachtens bei den Schulbaracken an der Äusseren Ringstrasse und an der Schubertstrasse und schliesslich die Abklärung beim Kanton, ob die zwei Schulklassen allenfalls in Gebäuden auf dem Areal des Gymnasiums untergebracht werden könnten.

«Mittlerweile liegt das Geschäft nicht mehr bei den Direktionen Bildung, Sport, Kultur sowie Bau und Liegenschaften, sondern beim Gesamtgemeinderat», sagt Roman Gimmel. Dies sei auch der Grund, weshalb sich die Erledigung der Aufträge «leicht verzögere». Spätestens Ende Juni hätten die ­Eltern aber das versprochene Schreiben in ihren Briefkästen.

«Situation unterschätzt»

Im Nachgang zum hoch emotionalen Elternabend vom 31. Mai gibt Roman Gimmel auch zu, dass er die Situation persönlich komplett unterschätzt habe: «Seit Jahren galt im Seefeldquartier so etwas wie eine stillschweigende Vereinbarung, wonach sich die Eltern mit der veralteten Infrastruktur arrangieren und dafür eine eigene Volksschule vor Ort haben», sagt der Bildungsverantwortliche der Stadt.

Doch die aktuelle Elterngeneration gebe sich damit offensichtlich nicht mehr zufrieden. «Im Gegenteil: Die Vehemenz, mit welcher wir vonseiten der Eltern angegangen wurden, war enorm verletzend. So etwas habe ich noch nie erlebt», sagt Roman Gimmel, der zwar Verständnis für das Anliegen der Eltern aufbringt, aber die Art und Weise des Vorgehens nicht goutiert. «Der Schalter wurde von 0 auf 100 umgelegt», sagt er, «ohne dass wir uns darauf vorbereiten konnten.»

«Es ist nicht verwunderlich, hat sich die Stimmung gegen die Stadt­vertreter gewandt.»Ein Vater

Er und Mitarbeiter zweier Direktionen hätten versucht, die Fragen der Eltern in einer Art thematischer Zusammenfassung zu beantworten. Doch im Verlauf des Abends habe er festgestellt, dass die Eltern sofortige Antworten und Lösungen erwarteten. Dass einige Eltern es bevorzugt hätten, Frage für Frage durchzugehen, habe er so nicht antizipiert.

Andere Erwartungen

Etwas anders sieht dies der betroffene Vater: «Genau weil wir konkrete Antworten erwarteten, haben wir die Fragen vorgängig schriftlich eingereicht», sagt ­dieser. «Stadtpräsident Raphael Lanz hat uns sogar schriftlich zugesichert, dass Roman Gimmel die Fragen am Elternabend direkt beantworten wird.» Es sei deshalb nicht verwunderlich, dass sich die Stimmung gegen die Stadtvertreter gewandt habe. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 19.06.2017, 06:45 Uhr

Hilferuf im vergangenen November

Schulleitung hat Stadt informiert

Die Schulleitung der Primarschulen und Kindergärten Pestalozzi, Göttibach und Seefeld hatte sich, wie erst jetzt bekannt wurde, bereits Ende vergangenen November beim Amt für Bildung und Sport gemeldet und auf den desolaten Zustand der Schule aufmerksam gemacht: «Mit grosser Besorgnis nehmen wir zur Kenntnis, dass die Arbeitsbedingungen unserer Lehrpersonen vor Ort derart an die Substanz gehen, dass unterdessen mehrfach Gedanken in Richtung Stellenwechsel geäussert wurden», so die Schulleiter Regine Gfeller und Mark Grundler in dem Schreiben, welches sie dieser Zeitung zustellten. Darin erwähnen sie den unangenehmen Geruch in der Schule, die engen Platzverhältnisse und den allgemein schlechten Zustand des Gebäudes. Gleichzeitig riefen sie die Stadt auf, «der Schulraumplanung Seefeld mit der nötigen Priorität zu begegnen». Gemäss Regine Gfeller fanden im Nachgang zu diesem Schreiben eine Sitzung mit der Stadt im vergangenen Januar und eine Begehung im März statt. Auf die Frage, ob sich die Stadt in der Angelegenheit nicht zu viel Zeit gelassen habe, meint Gemeinderat Gimmel: «Erst die kommenden Abklärungen werden zeigen, ob dem so war.»

Nach aufsichtsrechtlicher Anzeige

Weiterer Elternabend

Heute Montagabend findet ein weiterer Elternabend zum Thema Seefeldschule statt: Und zwar lädt die Schulleitung zusammen mit der Schulkommission in die Aula der Eiger-Turnhalle, um die Eltern über die Abklärungen zu informieren, welche im Rahmen der aufsichtsrechtlichen An­zeige gegen die Schulleitung durchgeführt wurden. Dabei geht es vor allem um pädagogisch-didaktische Vorwürfe, welche seitens Eltern- und Lehrerschaft erhoben wurden.

Das Vorgehen kommt nicht bei allen Eltern gut an: «Es ist doch nicht richtig, dass die Schulleitung, die im Fokus der Abklärungen steht, selber zum Anlass einlädt», sagt eine Mutter. Das sieht der Thuner Schulkommissionspräsident Mark van Wijk, der die Untersuchung leitet und auch durch den heutigen Abend führt, etwas anders: «Wir werden alle Fragen der Eltern aus Sicht der Lehrpersonen und aus Sicht der Schulleitung beantworten», verspricht er. «Und ich werde im Nachgang einen Bericht verfassen, welcher allenfalls Optimierungsmassnahmen enthält.» Er stehe grundsätzlich zu allen seinen Schulleitungen, umschreibt van Wijk seine Rolle: «Als Aufsichtsbehörde bin ich aber auch dazu verpflichtet, notwendige Korrekturen einzuleiten.»

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