Seit je Apotheke und Drogerie

Thun

Die Bälliz Apotheke + Drogerie in Thun feiert ihr 125-jähriges Bestehen. Seit je Vorbild für die Verbindung beider Geschäftszweige, besass das Unternehmen lange überregionale Bedeutung.

Ein Blick in vergangene Zeiten: So sah die Bälliz Apotheke + Drogerie in den Anfängen der 125-jährigen Geschichte aus.

Ein Blick in vergangene Zeiten: So sah die Bälliz Apotheke + Drogerie in den Anfängen der 125-jährigen Geschichte aus.

(Bild: PD)

Was hat die Entdeckung der Röntgenstrahlen mit der Entwicklung des Aspirins und der Gründung des FC Thun zu tun? Wer in diesen Tagen an der Bälliz Apotheke + Drogerie vorüberschlendert und sich Zeit nimmt, die Schaufenster näher zu betrachten, erfährt, dass diese Ereignisse im kurzen Zeitraum von 1896 bis 1898 stattgefunden haben. Noch länger zurück liegt die Gründung der Bälliz Apotheke + Drogerie, die am Samstag mit einem Tag der offenen Tür ihr 125-jähriges Bestehen feiert (siehe Kasten).

1894 erwarb Apotheker Franz Dannegger die Liegenschaft Bälliz 48 und legte den Grundstein für das Unternehmen. Wie muss man sich ein Arzneimittelgeschäft vorstellen zu einer Zeit, als es noch kein Aspirin gab? «In den Regalen stand eine Vielzahl von Einzelsubstanzen, die dann zusammengemischt wurden», sagt Regula Stähli, die heute zusammen mit Barbara Lanker Klossner und Frank Lüscher das Geschäft leitet.

Der Tag der offenen Tür gewährt Einblicke hinter die Kulissen. Regula Stähli zeigt, wie man ein Zäpfchen herstellt. Foto: Manuel Berger

Bilder aus dem eigenen Archiv, die wahrscheinlich aus jener Zeit stammen, zeigen gläserne Standgefässe und Blechdosen, die in Reih und Glied in den Gestellen standen. Ein Ungetüm von einer Kasse wacht über der Theke. Nicht von ungefähr sei im Volksmund scherzhaft von Giftmischern die Rede gewesen, sagt Stähli.

Zulieferer fürs Oberland

Tatsächlich wurden der Kundschaft auch Substanzen verabreicht, wie beispielsweise Borax, von denen man heute weiss, dass sie gesundheitsschädigend sind. Wiederum führten die als Schmerzmittel zu jener Zeit verabreichten Opiate auch zu Rauschzuständen. Das Wort Drogerie, wie Regula Stähli erklärt, hat jedoch nur insofern etwas mit Drogen zu tun, als letzterer Begriff vom holländischen Wort für «trocken» abstammt und früher auch im deutschen Sprachraum ein Sammelbegriff für getrocknete Pflanzen war.

Speziell an der Bälliz Apotheke + Drogerie ist, dass sie schon vor 125 Jahren Apotheke und Drogerie war, also zu einer Zeit, in der es gesetzlich vorgeschrieben war, dass Apotheken und Drogerien räumlich getrennt sein mussten, weswegen es damals auch zwei Eingänge ins Geschäft gab. Dieses Miteinander, wie es bei uns seit je üblich sei, sagt Stähli, werde von den Berufsverbänden immer wieder als beispielhaftes Vorbild genannt. Bis in die 1960er-Jahre war das Unternehmen mit seiner Engrosabteilung für Chemikalien und Farbwaren auch von überregionaler Bedeutung. Händler vertrieben die arzneiliche Ware im ganzen Berner Oberland, und an der Mittleren Strasse in Thun befand sich ein eigenes Aussenlager. Nach einem Totalumbau zügelte das Geschäft 1972 ins Bälliz 42. Im Jahr 2002 folgte der letzte Grossumbau, bei dem die Ladenfläche vergrössert wurde.

Aber nicht nur räumlich hat sich viel verändert, auch das Geschäftsmodell hat sich gewandelt. «Seit ungefähr zehn Jahren nutzen die Leute vermehrt Dienstleistungsangebote», sagt Stähli und meint damit vor allem die medizinische Soforthilfe ohne Voranmeldung, auch bekannt als Netcare. Der Beruf der Apothekerin oder des Drogisten sei dadurch anspruchsvoller, aber auch interessanter geworden, sagt Stähli. Das Unternehmen, das bis heute unabhängig geblieben ist, beschäftigt aktuell 43 Angestellte und bietet rund 12000 verschiedene Artikel an.

Thuner Tagblatt

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