Showtime in der Dittligmühle

Forst-Längenbühl

Die Dittligmühle in Forst-Längenbühl wird zur Schaumühle. Ab Sonntag können die Besucher verfolgen, wie aus dem Getreide das beliebte Mehl entsteht, das in vielen Läden im ganzen Kanton Bern verkauft wird.

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Ein eindrucksvolles Wasserrad steht vor der Dittligmühle in Längenbühl. Es ist zwar voll funktionstüchtig, wird aber nicht zur Produktion von Mehl benutzt. Das wäre gesetzlich gar nicht erlaubt. Aber selbst wenn – die Besitzer und Betreiber der Mühle sind weder Nostalgiker, noch verspüren sie Lust, Getreide nach alter Väter Sitte zwischen riesigen Mahlsteinen zu Vollkornmehl zu verarbeiten.

Georges Wenger, als ausgebildeter Müller, Müllereitechniker und Mühlenbauer der Kopf des Betriebs, arbeitet auf dem neusten Stand der Technik. Doch wie diese Technik aussieht, ist den wenigsten Leuten bewusst, wenn sie ihr täglich Brot verzehren.

Hochkomplexer Prozess

«Die Verarbeitung von Getreide zu Mehl ist ein hochkomplexer Prozess», betont Wengers Tochter Carmen Bezençon, offiziell Besitzerin der Dittligmühle. «Ein Getreidekorn besteht aus mehreren Schichten. Bevor wir es mahlen, müssen wir es mittels Walzen aufbrechen. Es zerfällt in den äusseren Teil sowie in verschiedene Mehlschichten und den inneren, weissen Mehlkörper.» Durch das Aufbrechen und Auseinanderfallen entstehen vier Produkte: Schrot, Gries, Dunst und Mehl. «Vereinfacht kann man sagen, dass zuerst die inneren, hellen Teile der Korns abgestreift werden, daraus entsteht das helle Mehl», erklärt Carmen Bezençon. «Die dunklen Mehle fallen erst ganz am Schluss an. Je mehr Schalenteile enthalten sind, desto dunkler und ballaststoffreicher ist das Mehl.»

Wegen der Komplexität dieses Vorgangs werden die Besucher der Schaumühle nicht einfach ohne Vorbereitung auf den Rundgang geschickt. Vorher nehmen sie im hauseigenen Kino Platz und werden mit einem Film in die Finessen der Müllerei eingeweiht. Zudem sehen sie, wo das Getreide wächst, das in der Dittligmühle verarbeitet wird, wie es geerntet und gedrescht wird.

Dann ist die Theoriestunde zu Ende, und die Besucher wenden sich der Praxis zu. Im Silo, von Georges Wenger 1990 erstellt und mit den verschiedensten Maschinen und Rohrleitung ausgestattet, können sie auf mehreren Etagen die einzelnen Produktionsschritte nachvollziehen. «Wir mahlen nicht jeden Tag», sagt Bezençon. «Aber unsere Mühle zu besuchen, wenn die Maschinen still stehen, kann auch ein Vorteil sein, da der Mahlprozess sehr laut ist.» Hinzu kommt, dass die Maschinen ohnehin geschlossen sind, weil sonst das Mehl durch die ganze Gegend fliegen würde. Ob die Maschinen laufen oder nicht, ist also für das Verständnis des Mahlvorgangs nicht matchentscheidend.

Einzigartig in der Schweiz

Um die Dittligmühle als Schaumühle zu positionieren und zu einem Ausflugsziel zu machen, arbeiten Bezençon und ihr Team mit den hiesigen Tourismusorganisationen sowie mit dem Naturpark Gantrisch zusammen. Sie sind sicher, ein einzigartiges Angebot auf den Markt zu bringen. «Es gibt zwar bereits Schaumühlen», sagt Carmen Bezençon. «Aber sie vermitteln den Besuchern, wie das Mehl in alten Zeiten zwischen Steinen gemahlen wurde.» Eine moderne Schaumühle gebe es ihres Wissens aber weder in der Schweiz noch irgendwo sonst in Europa.

Thuner Tagblatt

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