Sie holt einen Weltstar in die Stadtkirche

Thun

Am Pfingstmontag bietet der Countertenor Andreas Scholl mit Organistin Babette Mondry und dem Gambisten Tore Eketorp in der Stadtkirche Werke aus mehreren Epochen dar.

Babette Mondry, Organistin in der Stadtkirche, hat für das Pfingstmontagskonzert ein vielfältiges Programm auf die Beine gestellt.

Babette Mondry, Organistin in der Stadtkirche, hat für das Pfingstmontagskonzert ein vielfältiges Programm auf die Beine gestellt.

(Bild: Christina Burghagen)

«Konzerte sind Rituale, um die menschliche Kreativität und den Komponisten zu feiern», erklärt Andreas Scholl, der sich mit seiner aussergewöhnlichen Stimme in die Dienste der Musik stellt.

Ein Glücksfall, dass die Organistin der Stadtkirche Thun, Babette Mondry, mit dem im Hessischen geborenen Scholl an der Musikakademie Basel studierte und musizierte. So darf sich Thun über ein Pfingstkonzert auf allerhöchstem Niveau freuen.

Schon 2014 in der Peterskirche Basel und 2015 in der Heiliggeistkirche Bern gaben sie mit dem schwedischen Gambisten Tore Eketorp frenetisch gefeiert das erlesene Konzert mit Werken von Scheidt, Brevi, Händel, Bach, Messiaen, Pärt, Buxtehude und einer Komposition von Eketorp selbst.

Konzerte finden Anklang

Sie sei sehr dankbar, dass die Kirchgemeinde sie für diesen konzertanten Höhepunkt des Jahres unterstützt habe, freut sich Mondry, die sich nach einem Jahr in der neuen Position als ­Organistin der Stadtkirche sehr wohl fühlt: «Die Zusammenarbeit mit der Kirchgemeinde ist so schön normal, ideenreich und einander zuhörend. Pfarrerin Margrit Schwander nimmt meine Musikideen, die nicht immer gefällig und bekannt sind, sehr in­teressiert auf.»

Die Stilrichtungen, die Mondry einschlägt, stünden mit ihrer musikalischen Aussagekraft auf Augenhöhe mit dem gepredigten Wort. Schon die drei vergangenen Konzerte fanden bei den Kirchenbesuchenden und der Gemeinde grossen Anklang.

Sie sei immer noch dabei, Erfahrungen zu sammeln, aber das höre ja nie auf, verrät die Musikerin und lächelt. In jedem Fall strebe sie an, in jedem Jahr einen absoluten musikalischen Höhepunkt zu bieten.

Unaufgeregt, wach, präsent

«In unserer Studienzeit begann Andreas Scholl schon seine Weltkarriere», erinnert sie sich. Er ­gehe sehr differenziert auf die Botschaft der Texte ein und interpretiere sie auf höchstem Niveau. Seine Stimme berühre raumfüllend, dabei strahle der Countertenor eine innere Ruhe aus.

Er sei unaufgeregt, wach und habe eine unglaubliche Präsenz. Doch nicht nur Babette Mondry ist von der Musikalität ihres ehemaligen Studienkollegen begeistert: «Andreas Scholl hat die kultivierteste Countertenorstimme der Welt, bei der man kaum zu atmen wagt», lobte die «Times» nach seinem Auftritt bei «Last Night of the Proms» in der Royal Albert Hall.

Es ist dieses Lächeln beim Zuhörenden, das sich durch die Magie der Stimme Scholls auf die Gesichter zaubert. Den Knabensopran vor dem Stimmbruch erhielt sich Scholl mithilfe einer durch Brustresonanz verstärkten Kopfstimme, was der Sänger am Konzert unter anderem eindrucksvoll bei «Vater unser» von Arvo Pärt zeigen wird.

Als Sinnbild der Geburtsstunde der Kirche, die an Pfingsten gefeiert wird, spielt Babette Mondry das Orgelsolo «Les oiseaux et les sources» (Die Vögel und die Quellen) von Olivier Messiaen. «Das Tropfen der Quelle und der Gesang der Vögel in der Notation schenken eine meditative Stimmung, die in kindliches Staunen münden kann», verspricht die Organistin.

Orgelkonzerte: Am 2. September geht die Konzertreihe in der Stadtkirche weiter mit Viviane Loriaut und Guy Bovet vierhändig an der Orgel. Gespielt werden Igor Strawinskys «Der Feuervogel» und Mussorgskis «Bilder einer Ausstellung». Am 25. November konzertiert der Organist des Berner Münsters, Daniel Gaus, in der Stadtkirche.

Thuner Tagblatt

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