So ging das Sackmesser um die Welt

Thun

Ziemlich genau eine Woche nachdem der Lizenzstreit mit der Armee Schlagzeilen gemacht hatte, sprach Carl Elsener, CEO der Victorinox AG, bei der Boss Holzbau AG.

Carl Elsener bei seinem Referat.

Carl Elsener bei seinem Referat.

(Bild: Stefan Kammermann)

Das kleine Auto im Rot der bekannten Schweizer Sackmesserfabrikantin findet auf dem Gelände der Boss Holzbau AG an der Allmendstrasse in Thun rasch einen Parkplatz. Der Fahrer, Carl Elsener, bringt in einer Papiertragtasche Geschenke mit.

Während sich die rund 180 Gäste am Herbstanlass der Boss Holzbau AG auf ihre Sitzplätze begeben, werden die vom CEO der Victorinox AG aus Ibach im Kanton Schwyz mitgebrachten Geschenke rasch auf einem frisch gehobelten Holzbalken installiert. «Wir freuen uns sehr auf unseren Gast», sagt Geschäftsführer Hans Boss.

Ziemlich genau eine Woche nachdem der Streit mit der Armee um die Parfümmarke «Swiss Military» mit einem Vergleich endete, berichtet der CEO der Victorinox AG davon, wie es gelang, das Schweizer Soldatenmesser zur Weltmarke zu führen.

Dank US-Stores

Carl Elsener begann mit der Geschichte – wie sein Vorfahre Karl Elsener 1884 in Ibach im Kanton Schwyz eine Messerschmiede gründete und 1891 erstmals Soldatenmesser an die Schweizer Armee lieferte. «Er legte damit den Grundstein für unser heutiges Unternehmen», betonte der Redner.

Und er erklärte, wie es dazu kam, dass das Sackmesser der Schweizer Armee zur weltweiten Beachtung kam. Dies sei auf die US-Truppen zurückzuführen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland stationiert waren. Sie richteten dort Läden ein, wo auch das Sackmesser aus der Schweiz angeboten wurde.

«Uns ist es wichtig, eine nachhaltige Firmenstruktur zu führen.» Carl Elsener, CEO von Victorinox

«Diese Läden haben uns die Türen zur Welt geöffnet», so Carl Elsener. Und er erzählte eine Geschichte, wie offenbar auch ein Astronaut der Nasa auf das Schweizer Sackmesser zurückgriff, um eine Türe beim Andocken an eine Weltraumstation zu öffnen.

Mehr als nur Messer

Der Victorinox-Chef ging weiter darauf ein, wie sich die Firma nicht zuletzt auch dank dem Erfolg mit dem Sackmesser weiter entwickelte. 1985 kamen Uhren dazu, die in der Schweiz produziert werden, und 1999 folgte der Markteintritt in Sachen Reisegepäck als Lizenznehmerin eines Herstellers in den USA. Im Jahr 2005 folgte mit der Übernahme des Messer- und Uhrenherstellers Wenger in Delsberg auch das Parfüm.

Stiftung hält Aktien

«Uns ist es wichtig, eine nachhaltige Firmenstruktur zu führen», hielt Carl Elsener fest. So hat er mit seinen zehn Geschwistern, die im Familienunternehmen Aktionäre sind, im Jahr 2000 die Victorinox-Stiftung ins Leben gerufen. Sie halte 90 Prozent des Aktienkapitals – mit dem Ziel, eine nachhaltige Entwicklung zu sichern.

Denn auch in Zukunft werde es immer wirtschaftliche Tiefpunkte geben, wie ihn die Firma nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 in den USA erlebte, nach denen das Sackmesser nicht mehr in den Flughafenshops verkauft werden durfte.

Victorinox beschäftigt derzeit weltweit rund 2100 Mitarbeitende, 1200 davon in der Schweiz. Dies bei einem Jahresumsatz von 475 Millionen Franken. «Wir haben die Vision, die Firma weiterzubringen. Dafür lassen wir uns immer inspirieren», hielt Carl Elsener fest.

Wie etwa mit dem «Swiss Military»-Parfüm. «Wir sind sehr erleichtert über den Vergleich mit der Armee», sagte der CEO nach dem Vortrag – und ergänzte, dass nach dem Rechtsstreit kein Geld geflossen sei. Victorinox darf das Label «Swiss Military» für Parfüm gegen eine Gebühr nutzen.

Zu Wort kam am Herbstanlass der Holzbaufirma auch Ueli Moor, Jodler, Jutzer, Dirigent und Komponist aus St. Stephan. Er findet seine Inspirationen vorab auf der Alp.

Thuner Tagblatt

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt