Sogar ein Haar ist ein Hindernis

In unserer Serie «Angetroffen» stellen wir heute den Eismeister der Thuner Curlinghalle vor: René Friedli.

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«Eis lebt!», sagt René Friedli. Und er muss es wissen. Schliesslich beschäftigt sich der 52-Jährige jeden Tag mit gefrorenem Wasser. Und weil dieses eben nicht einfach tote Materie ist, gestaltet sich die Aufbereitung entsprechend komplex. Genau darin liegt die Faszination für den Eismeister in der Thuner Curlinghalle. Dort finden seit Samstag und noch bis am 17. Februar die Schweizer Meisterschaften im «Billard auf Eis» statt, wie es Friedli auch nennt. Das bedeutet für ihn: jede Menge Arbeit, die er mit viel Herzblut erledigt. Denn für ein optimales Curlingeis braucht es eine Menge. «Da muss alles zusammenpassen», betont René Friedli. Eistemperatur. Luftfeuchtigkeit. Wärme. In die Rechnung miteinbeziehen muss der Eismeister auch das Wetter. Oder dass der Druck der Besen bei den Profis deutlich stärker ist als etwa bei den Junioren. Oder wie gut besetzt das Grabengut-Parking unterhalb der Curlinghalle ist. Kein Witz. «Ist das Parkhaus voll, wird das Eis wärmer, und ich muss entsprechend reagieren», weiss Friedli.

Mit der Zeit habe man als Eismeister genügend Erfahrung, um mit all den Schwierigkeiten umgehen zu können. Doch zu Beginn hatte Friedli schlicht keine Ahnung. Der gelernte Carrosseriespengler war lange Jahre Badmeister im «Strämu». 1996 wurde er angefragt, ob er den Eismeister-Job übernehmen möchte – er sagte zu. Sein Vorgänger hätte ihn einführen sollen, wurde aber krank. «Ich stand mit abgesägten Hosen da», erinnert sich Friedli. Ein in der Schweiz lebender Kanadier zeigte ihm schliesslich, wie er den Eis-Aufbau hinkriegt. Dann hiess es: «Lernen, lernen, lernen!» René Friedli übte. Tüftelte. Tauschte sich mit anderen Eismeistern aus. Und wurde zum Experten in Sachen Eis in seiner ganzen Komplexität.

Denn: Um einen Curlingstein abzulenken, reiche schon ein Haar – «auch wenn es eines von mir ist!», fügt Friedli schmunzelnd an und zeigt auf seine gelichtete Haarpracht. An der Schweizer Meisterschaft wird das Eis nach jeder Runde abgehobelt und neu aufgebaut. Mit der Eismaschine – und für Temperatur, Luftfeuchtigkeit etc. via Computer. Curling fasziniert ihn – selber spielt Friedli aber nicht mehr. Dazu reiche die Zeit schlicht nicht. Und er gibt angesichts der 5 Grad kalten Halle zu: «Ich habe es eigentlich lieber warm!» Seinen Job liebt er trotzdem. Weil er spannend ist. Weil die Bedingungen dauernd ändern. Weil das Eis eben lebt.

Thuner Tagblatt

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