Sport und Freizeit statt Abfallentsorgung?

Thun

Mit einer Umzonung in eine Zone für Sport- und Freizeitanlagen wollen die Gegner des geplanten Abfallsammelhofs im Lerchenfeld dessen Realisierung verhindern.

Die Villa Waldeck, die zu den Sportanlagen Waldeck (r.) gehört, liegt in der Zone für Sport- und Freizeitanlagen. Nun soll auch die angrenzende Grünfläche (l.), wo der neue regionale Abfallsammelhof der Avag geplant ist, in diese Zone integriert werden.

Die Villa Waldeck, die zu den Sportanlagen Waldeck (r.) gehört, liegt in der Zone für Sport- und Freizeitanlagen. Nun soll auch die angrenzende Grünfläche (l.), wo der neue regionale Abfallsammelhof der Avag geplant ist, in diese Zone integriert werden.

(Bild: Christoph Gerber)

Der Kampf um den geplanten Abfallsammelhof der AG für Abfallverwertung (Avag) und der Stadt Thun im Gebiet Zollhaus im Lerchenfeld ist um ein Kapitel reicher. Nach einer von 727 Personen unterzeichneten Petition im vergangenen Oktober und sechs Einsprachen gegen das unlängst eingereichte Baugesuch der Avag gehen die Gegner der Anlage nun nochmals in die Offensive: Wie aus dem «Thuner Amtsanzeiger» hervorgeht, hat ein elfköpfiges Komitee eine neue Gemeindeinitiative lanciert. Sie trägt den Titel «Thuner Zonenplaninitiative: Für die Erweiterung von Sport und Freizeit. Kein regionaler Abfallsammelhof mit Recyclingcenter neben dem Stadion Lerchenfeld».

Einsprachen ohne Wirkung?

Ziel des Komitees ist laut Initiativtext, dass die heutige Grünfläche, auf welcher der Sammelhof dereinst zu stehen kommen soll, «der Zone für Sport- und Freizeitanlagen zugeteilt wird». Aktuell befindet sich diese Grünfläche in der sogenannten Zone für Arbeiten A. Mit der geforderten Umzonung wird darauf abgezielt, die unbebaute Fläche in jene benachbarte Zone zu integrieren, in der sich heute unter anderem bereits die Sportplätze der Genossenschaft Sportanlagen Waldeck und das Flugplatz-Beizli befinden.

Hinter dem Begehren stehen elf direkt oder indirekt betroffene Anwohnerinnen und Anwohner aus dem Lerchenfeld. Vertreten werden sie durch Daniela Weber. Die SVP-Stadträtin gehört dem Vorstand des Lerchenfeld-Leists an und engagierte sich auch bei der erwähnten Petition an vorderster Front.

«Wir hatten je länger desto mehr das Gefühl, dass man mit Einsprachen gar nicht viel ausrichten kann.»Daniela Weber, Initiativkomitee

Was gab letztlich den Ausschlag, jetzt noch eine Gemeindeinitiative zu lancieren? «Wir hatten je länger desto mehr das Gefühl, dass man mit Einsprachen gar nicht viel ausrichten kann», gibt Weber unumwunden zu. Sie denke dabei etwa an die vielen Baugesuche für neue Mobilfunkantennen, die trotz Einsprachen und grosser Gegenwehr letztlich gebaut werden könnten.

Die Gegner hätten bereits seit Februar mit dem Gedanken gespielt, eine Initiative zu starten, und seien nun zum Schluss gekommen, diesen letzten Strohhalm zu ergreifen. «Der Weg bis zu einer möglichen Abstimmung ist sicher nicht einfach. Aber wir bleiben weiterhin optimistisch und hoffen darauf, sonst hätten wir die Unterschriftensammlung gar nicht starten müssen», sagt Weber.

Sammlung bis Ende Oktober

Das Komitee der Gemeindeinitiative hat nun 12 Monate Zeit, die nötigen 1600 Unterschriften bei Thuner Stimmberechtigten zu sammeln. Laut Daniela Weber sollen die Unterschriften aber bereits Ende Oktober beisammen und die Initiative dann eingereicht werden. Der Hintergrund ist klar: Das Baubewilligungsverfahren für den Abfallsammelhof ist schon im Gang; entsprechend eilt das Anliegen.

In der im Amtsanzeiger publizierten Verfügung verweist der Thuner Stadtschreiber Bruno Huwyler Müller denn auch darauf, dass die Unterschriftensammlung und die Initiative «keine Auswirkungen auf das laufende Baubewilligungsverfahren» und «insbesondere keine Vor- oder Sperrwirkung» haben. Das Initiativkomitee sei darauf hingewiesen worden. Auf Anfrage hält Huwyler fest, dass «noch nie eine Initiative eingereicht wurde, die während eines laufenden Baubewilligungsverfahrens auf die Änderung der baurechtlichen Grundordnung abzielt».

Der Gemeinderat wird bei einem Zustandekommen der Initiative diese auf ihre inhaltliche Gültigkeit hin überprüfen, was laut der Stadtverfassung innert neun Monaten geschehen muss. Als Nächstes würde das Begehren dem Stadtrat vorgelegt. Lehnt dieser die Initiative ab, könnte es in der Folge zur Volksabstimmung kommen.

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