Sprayen am Propart ist für sie eine Herzensangelegenheit

Thun

Die Graffiti der Zürcher Brüder Pase und Dr. Drax sind international bekannt und zieren Hausfassaden in Paris, Berlin und Zürich. Jedes Jahr im Mai sind die beiden auch am Propart in Thun dabei.

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Ihre bürgerlichen Namen wollen sie nicht in der Zeitung lesen, weil sie für ihre Kunst nicht von Bedeutung seien. Und wenn man sie als Stars der Street-Art-Szene bezeichnet, winken sie fast schon beschämt ab: Die Brüder Pase und Dr. Drax aus Zürich sind sehr viel bescheidener, als man das von Künstlern ihres Kalibers erwarten würde.

Ihre Graffiti- Kunstwerke zieren Fassaden in Zürich, Berlin oder Paris, sie tanzen auf internationalem Parkett. Trotzdem sind sie jedes Jahr im Mai in Thun, um an der Propart Urban Art Session in der Konzepthalle 6 ein Bild zu gestalten.

«Wir kommen sehr gerne nach Thun, weil das Propart-Team so gut zu den Künstlern schaut», erklärt Dr. Drax. Seit der ersten Ausgabe 2010 waren sie bis auf eine Ausnahme immer dabei. «Das ist für uns eine Herzensangelegenheit», sagt Pase.

Aufträge von Google und UBS

Die beiden Künstler besprayen Fassaden und Wände nicht etwa illegal, sondern im Auftrag von Kunden wie der Stadt Zürich, der UBS, Samsung oder Google. 2012 waren sie an den Olympischen Spielen in London dabei, um im Kunst-Battle gegen britische Künstler ein Bild zu sprayen.

«Manchmal sind wir selber überrascht davon, dass es so weit gekommen ist», sagt Pase. Das Erstaunen steht ihm ins Gesicht geschrieben. Dr. Drax und er, Söhne einer tibetischen Mutter und eines Schweizer Vaters, den sie früh verloren, kamen fast schon zufällig zum Sprayen.

«Die Graffiti auf den Strassen haben mich fasziniert. Ich wollte das selber ausprobieren und habe 1998 zum ersten Mal gesprayt», erinnert sich Pase. Kurzerhand nahm er seinen jüngeren Bruder auf seine Streifzüge mit. Der fand ebenfalls schnell Gefallen an der Kunst.

Nachdem beide die Lehre abgeschlossen hatten – Dr. Drax als Bühnenbildner, Pase als Koch – investierten sie immer mehr Zeit in ihr aufwendiges Hobby, richteten sich in einem Keller ein erstes Atelier ein.

2003 gründeten sie das Künstlerkollektiv One Truth, eine Gruppe von gut zehn Sprayern, die gemeinsame Projekte verfolgten. Es kamen mehr und mehr Aufträge. «Die anderen haben irgendwann aufgehört.

Man wird älter, muss Geld verdienen. Nur wir haben immer weitergemacht und nebenbei gejobbt. Jetzt sind wir Mitte dreissig und können seit gut sechs Jahren von der Kunst leben», fasst Pase zusammen.

Tattoos und Kinderworkshops

Dabei ist ihnen besonders wichtig, ihren eigenen Stil weiterzuentwickeln. Der soll Wiedererkennungswert haben. «Ich will kein Kopierer sein und Porträts oder Logos abzeichnen, sondern etwas Persönliches kreieren», sagt Dr. Drax.

Neben Leinwänden und Hausfassaden gestalten sie auch mal Autos, Wohnmobile oder gar ein Motorboot. Gesprayt wird gemeinsam, Blicke und Gesten reichen ihnen zur Verständigung. Es ist offensichtlich, dass die beiden Brüder ein eingespieltes Team sind.

«Wir waren als Kinder immer zusammen und sind es auch jetzt noch», sagt ­Pase. «Und wir arbeiten seit Jahren zusammen. Wenn Pase beim Sprayen einen Fehler macht, weiss ich schon, wie ich den korrigieren muss», sagt Dr. Drax und zwinkert.

Die beiden Zürcher verfolgen auch andere Projekte: Dr. Drax arbeitet nebenbei als Tätowierer, gemeinsam führen sie Graffitiworkshops für Kinder und Teambildungsanlässe oder Live-Paintings durch.

«Wir möchten unsere Leidenschaft noch so lange wie möglich leben und viele Leute mit unserer Kunst erreichen können», sagt Pase. Und welche Ziele haben die Brüder fürs Propart am 20. und 21. Mai in Thun? «Gewinnen ist nicht alles, wir freuen uns auf einen schönen Tag mit tollen Leuten an der Aare», sagt Dr. Drax.

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