Thuner Nächte werden mediterran

Thun

Während der Sommerferien wird die Sperrstunde in Thun an Wochenenden versuchsweise hinausgeschoben. Die Beizer können ihre Gäste nun bis 1.30 Uhr bewirten, und Konzertedürfen bis 23 Uhr dauern.

Auch am Mühleplatz dürfen die Beizen ihre Gartenterrassen bis 1.30 Uhr offen haben. (Archivbild)

Auch am Mühleplatz dürfen die Beizen ihre Gartenterrassen bis 1.30 Uhr offen haben. (Archivbild)

«Am Ende war es ein gutschweizerischer Kompromiss», sagt Peter Siegenthaler. Der Thuner Sicherheitsvorsteher (SP) macht keinen Hehl daraus, dass zu Beginn der Verhandlungen die Positionen des Vereins Pro Nacht­leben Thun und des Thuner ­Innenstadtleistes als Vertreter der Anwohner einigermassen weit auseinander gelegen haben. Schliesslich hätten sich die Parteien aber gefunden.

«Ich bin zuversichtlich, dass die Einigung eine Lösung für die Zukunft ist», sagt Siegenthaler. Nicht zuletzt deshalb, weil alle Parteien dahinterstehen würden. In den letzten Jahren sei oft ungleich stark an der Tischdecke gezogen worden, was eine nachhaltige Regelung verhindert habe, sagt Siegen­thaler.

Bleibt es beim Versuch?

Und so sieht die Lösung, welcher auch der Thuner Regierungsstatthalter zugestimmt hat, konkret aus: Im Rahmen eines Versuchs werden zwischen dem 1. Juli und dem 6. August die Öffnungszeiten für Gartenrestaurants in der Thuner Innenstadt in den sogenannten mediterranen Nächten um eine Stunde verlängert. Die Beizer dürfen freitags und samstags bis maximal 1.30 Uhr wirten.

Auch das Festival «Am Schluss» des Cafés Mokka (20. bis 31. Juli) profitiert: Die geplanten Konzerte auf dem Mühleplatz dürfen am Wochenende jeweils bis maximal 23 Uhr dauern. Erste positive Erfahrungen wurden mit der Regelung bereits beim 1.-Mai-Fest und beim Pre-Ride-Happening gemacht. Bei beiden Veranstaltungen kam es trotz Verlängerung der Konzertdauer zu keinerlei Lärmklagen.

«Auf die Definition einer Minimaltemperatur für diese mediterranen Nächte hat man verzichtet», steht in einer Medienmitteilung, welche die Stadt Thun im Namen der Akteure am Freitag publiziert hat. «Es wird jedoch erwartet, dass die Wirtenden diese Verlängerung nur bei sommerlich-mediterranen Verhältnissen beanspruchen.»

Pro Nachtleben Thun hat sich bereit erklärt, während des Versuchs einen zusätzlichen Ordnungsdienst zu organisieren, der in diesen Nächten für Ruhe und Ordnung sorgt. «Sollte es zu Lärmklagen kommen, kann ich den Versuch frühzeitig abbrechen», sagt Siegenthaler. Nach Abschluss des Versuches werden die Erfahrungen analysiert und das weitere Vorgehen bestimmt. «Im besten Fall können sich die Parteien auf einen definitiven Vorschlag einigen, den ich dann dem Gemeinderat unterbreiten kann», so Siegenthaler.

Hoffen auf Vernunft

«Die neue Lösung ist kein Freipass», stellt René E. Gygax, Co-Präsident des Thuner Innen­stadtleistes und langjähriger Chefredaktor von «Thuner Tagblatt» und «Berner Oberländer», klar. Er zähle auf die Vernunft der Gäste. «Die Anwohner wollen die Augen vor dem neuen Ausgehverhalten nicht verschliessen», sagt Gygax. Deshalb sei man auch bereit gewesen, an einen Tisch zu sitzen und zu diskutieren. Mit dem Kompromiss könne er gut leben. Jetzt sei er gespannt, ob die Nachtschwärmer auch damit umzugehen wüssten.

Am Ursprung der neuen Regelung steht Stadträtin Alice Kropf (SP). Mit Ratskollege Alain Kleiner (SVP) hatte sie einen Vorstoss eingereicht, in welchem sie unter anderem verlängerte Öffnungszeiten verlangte. «Die Verhandlungen waren zäh, aber mit der Lösung bin ich zufrieden.»

Ein Wermutstropfen sei jedoch, dass Pro Nachtleben Thun das Zugeständnis machen musste, einen privaten Ordnungsdienst zu organisieren. Dabei stünden nicht in erster Linie die Kosten im Vordergrund. «Die Erfahrungen mit privaten Ordnungsdiensten sind nicht immer nur gut.»

Berner Zeitung

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