Thun

Stadt will Pensionskassenrenten sichern

ThunUm die Deckung der städtischen Pensionskassenrenten zu sichern, unterbreitet der Gemeinderat dem Stadtrat an der nächsten Sitzung eine Teilrevision des Reglementes. Stadt, Kasse und Arbeitnehmende sollen die Lücken gemeinsam tragen.

Der Thunerhof in der Herbstsonne: Je nachdem, wie der Stadtrat am 26. Oktober entscheidet, müssen beziehungsweise können die städtischen  Angestellten bis 65 arbeiten, um die volle Pensionskassenrente zu erhalten.

Der Thunerhof in der Herbstsonne: Je nachdem, wie der Stadtrat am 26. Oktober entscheidet, müssen beziehungsweise können die städtischen Angestellten bis 65 arbeiten, um die volle Pensionskassenrente zu erhalten. Bild: Franziska Streun

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Lücken beim Rentendeckungs­kapital bezahlen, den technischen Zinssatz und den Um­wandlungssatz senken, das ordentliche Rücktrittsalter für Männer und Frauen von 64 auf 65 Jahre erhöhen, eine Rentenkürzung in Kauf nehmen, einen einmaligen Ausgleichsbetrag sprechen: Der Stadtrat debattiert an seiner nächsten Sitzung vom 26. Oktober über ein komplexes Geschäft.

Dies, weil der Gemeinderat das Personalvorsorgereglement revidieren möchte. Die Stadt will mit der Städtischen Pensionskasse trotz höherer Lebenserwartung und tieferen Kapitalrenditen gegenüber ihren Angestellten auch künftig ihre Verpflichtung erfüllen können.

Der Gemeinderat präsentiert dem Rat deshalb mehrere Massnahmen, mit denen schliesslich die Renten auf dem heutigen Niveau gesichert werden sollen.

Es gemeinsam tragen

«Da heute die Menschen erfreulicherweise älter werden, dagegen die Renditen leider tief sind, können wir die Renten bald nicht mehr so finanzieren, wir wir das mit der Städtischen Pensions­kasse versprochen haben», ergänzt Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP) die am Mittwoch ver­schickte Medienmitteilung der Stadt auf Anfrage.

«Wie bei allen Sozialversicherungen finanzieren die Sozialpartner auch die Pensionskassenrenten gemeinsam, weshalb wir eine Lösung vorschlagen, bei der alle Be­teiligen mithelfen», erläutert er die Ausgangslage für die bevorstehende Sitzung im Stadtrat.

Das heisst: Die Stadt hilft mit, indem sie das Rentendeckungskapital erhöht, die Arbeitnehmenden, indem sie ein Jahr länger arbeiten, und die Kasse, indem sie aus dem Sonderfonds Geld beisteuert. «So lässt sich die Unterfinanzierung ungefähr paritätisch auffangen», sagt Lanz.

Rentenalter nicht dasselbe

Die vorgeschlagene Erhöhung des Rentenalters von 64 auf 65 stehe jedoch in keinem Zusammenhang mit der soeben an der Urne abgelehnten Reform der Altersvorsorge 2020. «Die Rentenalter der Pensionskasse und der AHV müssen nicht zwingend miteinander verknüpft werden», erklärt Raphael Lanz.

«Auch mit der vorgeschlagenen Revision haben die städtischen Mitarbeitenden unver­ändert die Möglichkeit, sich mit entsprechender Rentenanpassung mit 64 Jahren pensionieren zu lassen», erläutert Lanz. Bei den tiefen Lohnklassen seien die Einbussen gering bis null.

Per 1. Januar 2019 in Kraft

Die Männer haben heute gemäss Medienmitteilung eine durchschnittliche Lebenserwartung von 84 und die Frauen von 87 Jahren. Noch stehe die Städtische Pensionskasse Thun mit einem Deckungsgrad von 102,9 Prozent recht gut da (Stand per Ende 2016).

Doch der Gemeinderat und die Pensionskassenkommission wollen die Risiken recht­zeitig minimieren. Mit den vor­geschlagenen Massnahmen, die per 1. Januar 2019 in Kraft treten würden, soll das langfristige Gleichgewicht bei der Pensionskasse sichergestellt werden.

Im Einzelnen sind folgende Massnahmen vorgesehen:

  • Senkung des technischen Zinssatzes von 3,0 auf 1,75 Prozent (dies ist der Zinssatz, mit welchem die für die Renten reservierten Kapitalien rechnerisch verzinst werden): Damit müssten die Stadt und die angeschlossenen Arbeitgebenden für die dadurch entstehende Lücke beim Rentendeckungskapital einen einmaligen Betrag von 16,8 Millionen Franken (Anteil Stadt: 12,2 Millionen) bezahlen. Die Senkung bringt der Stadt und den bei der Pensionskasse angeschlossenen Betrieben eine jährlich wiederkehrende Entlastung von 0,74 Millionen Franken (Anteil Stadt: 0,51 Millionen Franken) bei der Verzinsung des Fehlbetrags.
  • Senkung des Umwandlungssatzes von 5,6 auf 5,0 Prozent und gleichzeitige Erhöhung des ordentlichen Rücktrittsalters für Männer und Frauen von 64 auf 65 Jahre: Die Rente im Alter 65 soll der bisherigen Rente im Alter 64 entsprechen. Wenn Mitarbeitende trotz Erhöhung des Rentenalters mit 64 Jahren in den Ruhestand treten, nehmen sie je nach Lohnklasse eine Rentenkürzung zwischen 0 und 3,7 Prozent in Kauf.
  • Erhöhung der Sparbeiträge um 1,5 Prozentpunkte: Die Anpassung erfolgt durch Umverteilung von Risikobeiträgen in Sparbeiträge im Umfang von 0,4 Prozentpunkten. Im Weiteren sollen Beiträge (im Umfang von 1,1 Punkten), die bisher in den «Sonderfonds Teuerungszulage Renten» bezahlt wurden, in Sparbeiträge umgewandelt werden. Diese Erhöhung ist für Arbeitnehmende und -gebende kostenneutral.
  • Die laufenden Pensionskassenrenten werden nicht gekürzt. Dies wäre aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen auch nicht möglich. Einen indirekten «Beitrag» leisten die Rentnerinnen und Rentner trotzdem. Einerseits wird der Anfang 2019 be­stehende Saldo des «Sonderfonds Teuerungszulage Renten» von rund 3 Millionen Franken an die Finanzierung des fehlenden Rentendeckungskapitals angerechnet. Andererseits sollen in Zukunft weniger Mittel in diesen Sonderfonds fliessen. Zudem soll die Pensionskassenkommission die Möglichkeit haben, in Jahren mit hohen Teuerungsraten und bei fehlenden Mitteln im Sonderfonds einen Teuerungsausgleich auf den Renten zulasten der Pensionskasse zu gewähren. Eine ­solche Teuerung kann jedoch nur beschlossen werden, wenn ein Mindestdeckungsgrad von 100 Prozent besteht und die Wertschwankungsreserve zu mindestens einem Drittel gebildet ist.
  • Die Pensionskasse finanziert einen Ausgleichsbetrag von rund 12.6 Millionen Franken. Netto (unter Berücksichtigung der in der Pensionskassenbilanz be­stehenden Rückstellungen von 10 Millionen Franken) sind dies noch 2,6 Millionen Franken. Trotz Erhöhung des Rücktrittsalters und der Sparbeiträge ist diese Summe erforderlich dafür, das Renten­versprechen auch im Alter 65 einhalten zu können.

«Wir sind überzeugt, dem Stadtrat eine ausgewogene und für alle Beteiligten – Arbeitgebende, Arbeitnehmende, Rentnerinnen und Rentner, Pensionskasse – tragbare Vorlage zu unterbreiten», schreibt der Gemeinderat in der Mitteilung. Die höheren Beiträge und die Erhöhung des ordentlichen Rücktrittsalters von 64 auf 65 Jahre findet er für die Versicherten vertretbar.

«Mit der Teilrevision leiten wir einen wichtigen Schritt zur künftigen Sicherstellung der Finanzierung ein», sagt Raphael Lanz und betont: «Wir sind uns zugleich bewusst, dass wir weiterhin Ver­änderungen bei der Lebenserwartung oder der langfristigen Kapitalrendite im Auge behalten müssen.» (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 11.10.2017, 19:14 Uhr

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