Stadt Thun wagt sich wieder in die Offensive

Thun

Nach der Testplanung für das Freistatt-Areal macht die Stadt Thun nun Nägel mit Köpfen. Sie legt die Zonenplanänderung zur Mitwirkung auf und hofft, dass es dieses Mal danach weitergeht.

Das Freistatt-Areal aus der Vogelper­spektive: Die Gebäude mit den grossen Gartenanlagen sind nicht mehr zeit­gemäss.

Das Freistatt-Areal aus der Vogelper­spektive: Die Gebäude mit den grossen Gartenanlagen sind nicht mehr zeit­gemäss.

(Bild: Christoph Gerber)

Manchmal muss man einen Schritt zurück, um dann zwei nach vorne zu machen. Bereits 2014 schickte die Stadt Thun eine Zone mit Planungspflicht (ZPP) für das Freistatt-Areal in die Mitwirkung. Vorgesehen war damals eine Wohnüberbauung mit Gebäuden von maximal drei Geschossen Höhe. Die Positionen, welche im Rahmen der Mitwirkung zum Vorschein kamen, lagen aber so weit auseinander, dass die Stadt zurückkrebste. Anstatt Gefahr zu laufen, mit dem Vorhaben Schiffbruch zu erleiden, lancierte sie eine Testplanung.

Letzten März haben die drei interdisziplinären Teams, welche sich beteiligt haben, ihre Vorstellungen präsentiert (wir berichteten). Die Empfehlungen hat die Stadt nun weitgehend in die Zonenplanänderung, die sie ab heute bis zum 22. Januar zur ­Mitwirkung auflegt, einfliessen lassen.

170 moderne Wohnungen

Im Wesentlichen umfasst die Zonenplanänderung das Gebiet, das durch die Länggasse, den Jägerweg, die Mattenstrasse, den Fischerweg und den Sonnenweg umgrenzt ist. Die Neubauten sollen dereinst die alten Häuser mit den kleinen und sanierungsbedürftigen Wohnungen sowie die grossen Gärten ersetzen. «Auf dem Areal können voraussichtlich rund 170 neue, unterschiedlich grosse Wohnungen erstellt werden», schreibt die Stadt in einer Medienmitteilung, in welcher sie den Start der Mitwirkung ankündigt. Zum Vergleich: Heute sind es rund 100 (vgl. Kasten)

Mindestens ein Viertel der neuen Wohnungen sollen gemeinnützig genutzt werden können – dies entspricht laut Stadt den Zielen der Ortsplanungsrevision sowie der städtischen Wohnstrategie. Untergeordnet seien stilles Gewerbe, gemeinschaftliche und öffentliche Nutzungen möglich. Die Idee aus der Testplanung, einen kleinen Quartierplatz am Verkehrsknoten Länggasse/Mattenstrasse inklusive möglicher Erdgeschossnutzungen wie Post, Quartiercafé, Restaurant oder Quartierladen vorzusehen, wird in der vorliegenden ZPP Freistatt aufgenommen.

Bis zu sieben Geschossen

«Im Rahmen der Testplanung wurde aufgezeigt, wie sich eine dichtere Bauweise mit Bauten bis zu vier, punktuell fünf Geschossen im Teilgebiet östlich der Mattenstrasse und bis zu fünf Geschossen im Gebiet westlich der Mattenstrasse städtebaulich verträglich ins Quartier einfügen lassen», schreibt die Stadt weiter. Höhere Gebäude seien im Bereich der Kreuzung Länggasse/Mattenstrasse denkbar. Sie würden auf maximal sieben Geschosse begrenzt.

Die neue Siedlung soll nachhaltig sein. Velo- und Carsharing werde eine hohe Bedeutung haben, entsprechend würden die Parkplätze begrenzt. Aktuell geht das Planungsamt der Stadt Thun von einem Bedarf von 180 bis 270 Parkplätzen aus, die mehrheitlich in unterirdischen Einstellhallen realisiert werden sollen.

Baubeginn nicht vor 2022

Nach der öffentlichen Mitwirkung werden die Eingaben ausgewertet. Allenfalls werde die Planung danach angepasst, schreibt die Stadt. Anschliessend werde die Zonenplanänderung dem Kanton zur Vorprüfung eingereicht. Danach folgt das öffentliche Auflage- und Einspracheverfahren. Voraussichtlich im Frühling 2019 befindet der Thuner Stadtrat über die Zonenplan­änderung. Sie untersteht dem fakultativen Referendum. Danach soll ein Architekturwettbewerb durchgeführt werden. Ein Baubeginn ist laut Stadt frühestens 2022 möglich.

Die Unterlagen zur Zonenplanänderung Freistatt liegen ab sofort bis zum 22. Dezember sowie vom 8. bis zum 22. Januar an der Industriestrasse 2 in Thun auf. Sie können auch unter www.thun.ch/mitwirkung eingesehen werden.

Thuner Tagblatt

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