Thun

Thun will «stimmiges Gesamtbild» – Kritik lässt nicht auf sich warten

ThunPädu Anliker kritisiert Pläne der Thuner Stadtbehörden. Diese wollen im Rahmen eines Unterhaltsprojekts die Vorgärten an der Allmendstrasse 8 bis 16 umgestalten und orientieren sich dabei an der Situation in den 50er-Jahren.

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Pädu Anliker ist empört. Erst liess der Mokka-Chef im Programmheft des Clubs Dampf ab, dann auch in seiner Kolumne im «Thuner Tagblatt». Der Grund ist der Vorgarten des Mokka zur Allmendstrasse hin. Genauer: die Pläne der Stadt Thun, dort Anpassungen vorzunehmen. «Dazu soll das ganze Grün, alle Hecken und Bäume und vor allem der grosse Baum vor dem Mokka, liquidiert werden», entrüstet sich Anliker.

Die Situation heute (rechts) zeigt: Vor den Gebäuden an der Allmendstrasse 12, 10 und 8 stehen Bäume.

Die Hauseinfahrten würden neu geregelt und die Vorgärten dann mit Beton-Sockelmauern und Zäunen ausgerüstet und locker «mit irgendwelchen Blumensträuchern» bepflanzt. «Clean» solle es sein, nachdem sich jahrzehntelang niemand darum gekümmert habe, «was hier genau geht».

«Das ganze Grün, alle Hecken und Bäume und der grosse Baum vor dem Mokka sollen liquidiert werden.»Pädu Anliker, Café/Bar Mokka

Im Parlament nahm SP-Stadträtin Alice Kropf den von Pädu Anliker gespielten Ball auf und passte ihn via Fragestunde an den Gemeinderat weiter. Unter anderem wollte Kropf ­wissen: Weshalb wird die Umgestaltung der Vorgärten an der ­Allmendstrasse überhaupt vorgenommen?

«Hoher Unterhaltsbedarf»

Der Hintergrund: Die sogenannte Allmendgruppe umfasst die fünf städtischen Liegenschaften an der Allmendstrasse 8 bis 16. Die Gebäude wurden zwischen 1866 und 1896 gebaut und gelten heute als schützenswert. «Die städtebaulich wichtige Häuserzeile soll aufgewertet werden», schreibt der Gemeinderat in der Antwort auf Alice Kropfs Frage. Die erste Massnahme betrifft die Vorplatzbereiche, «die heute rein zweckmässig gestaltet sind und hohen Unterhaltsbedarf aufweisen».

Auch die Gebäude an der Allmendstrasse 14 (heute Café/Bar Mokka) und 16 sind grösstenteils von Bäumen verdeckt.

Nun soll es für die Vorgärten ein Gesamtkonzept geben. Bauvorsteher Konrad Hädener (CVP) verweist auf eine 2014/2015 erarbeitete Machbarkeitsstudie. Dort ist unter anderem die Situation in den 50er-Jahren beschrieben: Damals war die Allmendstrasse bereits auf die heutigen Masse verbreitert – die Vorgärten, in denen einzelne Bäume standen, wurden von Staketenzäunen abgeschlossen, die teilweise auf einem Betonsockel standen. «Heute ist die Situation sehr unterschiedlich», sagt der zuständige Gemeinderat.

Die Vorplätze des ehemaligen Restaurants Alpenrösli und des Mokka seien offen gegen die Strasse hin. Beim Mokka sei die Fassade zugewachsen und der Betonsockel des einstigen Zauns zwar noch vorhanden, aber am Zerbröseln. Auch bei den Gebäuden Nummer 8 und 10 bestehen keine Abgrenzungen zur Strasse hin. Hädener: «Dort besteht vom Unterhalt her ebenfalls Handlungsbedarf.»

Fassade soll sichtbar sein

Bei dieser Gelegenheit sollen nun wieder ein stimmiges Gesamtbild geschaffen und die Abgrenzungen zur Strasse hin vereinheitlicht werden. Konrad Hädener spricht von einem «relativ sanften Eingriff». Die Ausnahme sei das Mokka mit seinem dichten Bewuchs vor dem Haus. Dort sei geplant, den Betonsockel zu sanieren oder neu zu erstellen und wieder mit einem Zaun zu versehen.

«Nutzungs­einschränkungen ergeben sich keine.»Gemeinderat Konrad Hädener

Zudem sollen einzelne Bäume entfernt werden, «um Licht reinzubringen und die Fassade wieder sichtbar zu machen». Auch vor den anderen Liegenschaften sind Zäune vorgesehen, die bei den Hauszufahrten unterbrochen werden. «Nutzungs­einschränkungen ergeben sich keine», hält Hädener fest.

Grundsätzlich sei es das Ziel, gemäss bestehender Überbauungsordnung «Areal Scheibenstrasse» bestehende Parkplätze vor den Häusern aufzuheben. Die Parkplätze vor der Nummer 8 seien für das dort ansässige Wasserlabor jedoch zentral und würden von den Kunden jeweils nur kurz benutzt – «deshalb ist die Umgestaltung dort zwar Teil der Baubewilligung, sie wird aber vorerst noch nicht umgesetzt».

Umsetzung im Frühling 2017?

Laut Konrad Hädener handelt es sich um ein Unterhaltsprojekt in der Finanzkompetenz des Bauvorstehers. Der Kostenvoranschlag beträgt 350'000 Franken. Vorgesehen ist, dass Mitte November das Baugesuch eingereicht wird. Und: «Im Idealfall werden wir das Projekt von März bis Mai 2017 ausführen.»

«Wir haben mit allen Nutzern gesprochen, auch mit Herrn Anliker.»Gemeinderat Konrad Hädener

Hädener betont, dass die Nutzer der Liegenschaften bereits 2014 involviert worden seien: «Wir haben mit allen Nutzern ­gesprochen, auch mit Herrn Anliker.» Im Juli habe eine weitere­ ­Information mit sämtlichen ­Beteiligten stattgefunden. In der Beantwortung der Fragen im Stadtrat heisst es zudem: «Die Ausgestaltung und Dekoration des Vorgartens ist weiterhin Sache der Nutzer.» (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 04.10.2016, 21:10 Uhr

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