Stadträte zeigten ein Herz fürs Gewerbe

Thun

Genügend Gewerbezonen und möglichst keine Vermischung von Wohnen und Arbeiten: Diese Forderungen in einem Vorstoss der bürgerlichen Parteien waren am Donnerstag im Stadtrat weitgehend unbestritten.

Der Güterbahnhof in Thun: Das Areal soll nach Ansicht der bürgerlichen Parteien als Gewerbezone aufgewertet werden.

(Bild: Patric Spahni)

Im Rahmen der nun angelaufenen Revision der Ortsplanung solle der Gemeinderat den Bedürfnissen des Gewerbes und der Industrie Rechnung tragen. Dies verlangten die Fraktionen SVP/FDP und BDP in einer Motion. Konkret sollten genügend Gewerbezonen ausgeschieden werden.

Weiter sollen, wo immer möglich, bestehende und neue Erschliessungen von Gewerbezonen nicht mit Wohnnutzungen vermischt werden. «Damit könnten Probleme, wie sie heute rund um den Wirtschaftspark Schoren bestehen, vermieden werden», sagte Fraktionssprecher Lukas Lanzrein (SVP).

Anwohner der bestehenden Gewerbeflächen hatten sich dort lange gegen die Erschliessung des Areals gewehrt. Die Erschliessung des Gafner-Areals ist immer noch blockiert. Daraus müssten die Lehren für die Zukunft gezogen werden. So würden sich beispielsweise nach Ansicht der Motionäre die Areale ­Güterbahnhof und Rösslimatte gut als Gewerbezonen eignen.

Bereits ein Legislaturziel

Der Gemeinderat steht der ersten Forderung wohlwollend gegenüber. Das Schaffen zusätzlicher Arbeitsplätze sei sogar ein Legislaturziel. Um dies zu erreichen, sollen beispielsweise die Entwicklung des Wirtschaftsparks Schoren und des Entwicklungsschwerpunkts Thun-Nord vorangetrieben werden.

Der Gemeinderat habe sich schon immer für Arbeitsplätze eingesetzt, sagte Marianne Dumermuth (SP), Vorsteherin der Direktion Stadtentwicklung. So gebe es auch im Rahmen der Ortsplanung ein Teilprojekt Arbeiten. «In Thun ist heute das Verhältnis zwischen Wohnen und Arbeiten nicht optimal», gab Dumermuth zu bedenken.

Bedarf zuerst abklären

Bei der zweiten Forderung nach einer Trennung von Wohnen und Arbeiten könnten im Moment noch keine verbindlichen Angaben zur Stossrichtung gemacht werden. Deshalb wollte der Gemeinderat diesen Aspekt nur in Form eines weniger verbind­lichen Postulats akzeptieren. Die Bedürfnisse zusätzlicher Arbeitszonen sollen zuerst in Zusammenarbeit mit Wirtschaftsvertretern abgeklärt werden.

Mit dem neuen Raumplanungsgesetz hätten sich für die Stadt zudem die Rahmenbedingungen bezüglich Um- oder Einzonung neuer Arbeitszonen geändert. «Nur mit einer konsequenten und optimalen Innenentwicklung können auch in Zukunft attraktive Flächen für unternehmerische Tätigkeiten zur Verfügung gestellt werden», hält der Gemeinderat fest.

Ohne Gegenstimmen

Mit diesem Vorgehen konnten sich schliesslich alle Parteien einverstanden erklären. Der Vorstoss wurde ohne Gegenstimmen angenommen. Einen Vorbehalt brachten jedoch die Grünen an. «Eine gezielte Durchmischung von Wohnen und Gewerbe ist nötig», fand Andrea de Meuron. Sie glaubt auch nicht, dass durch die geforderte Trennung Einsprachen vermieden würden. Denn der in Gewerbezonen entstehende Verkehr liesse sich nicht vermeiden.

Andreas Kübli (GLP, Fraktion der Mitte) wies darauf hin, dass die Verkehrsplanung eh grossflächiger angeschaut werden müsste. Für Peter Aegerter (BDP) geht es beim Vermeiden von Konflikten und Einsprachen auch um die Planungssicherheit. «Das wäre ein grosser Beitrag zur Wirtschaftsförderung», so Aegerter. Mit der Revision der Ortsplanung habe man nun eine grosse Chance, die Voraussetzungen zu verbessern.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt