Steffisburgs Anschluss an die Telegrafie

Vor 150 Jahren: Der Siegeszug der elektrischen Telegrafie war auch in der Region spürbar. 1869 erhielten die Gebrüder Schrämli die Bewilligung, eine Telegrafenleitung von Thun nach dem Glockenthal zu erstellen.

Die Telegrafenwerkstätte in Bern aus der Postkartensammlung Adolf Feller, 1879–1931.

Die Telegrafenwerkstätte in Bern aus der Postkartensammlung Adolf Feller, 1879–1931.

(Bild: E-Pics ETH Zürich)

Der Ausbau des schweizerischen Telegrafennetzes schritt vor 150 Jahren schnell voran. Thema war die Telegrafie folglich auch in der hiesigen Zeitung. Am 6. März 1969 war im «Thuner Blatt» zu lesen, die Gebrüder Schrämli hätten die «Bewilligung zur Erstellung einer Telegraphenleitung von Thun nach dem Glockenthal» erhalten, wo sie Ziegeleien errichten würden. Und am 13. März erschien folgende Annonce des Thuner Telegrafenbüros: «Das hiesige Telegraphenbüro ist ermächtigt worden, eine bestimmte Anzahl provisorischer Telegraphengehülfen weiblichen Geschlechts heranzubilden. Von den Bewerberinnen selbst geschriebene Anmeldungen sind einzureichen an den Chef des Telegraphenbüros, Probst.»

Erst 1851 hatte das Bundesparlament dem neuen Telegrafengesetz zugestimmt. Am 15. Juli 1852 ging die erste Linie Zürich–St. Gallen in Betrieb. 1853 verband das Netz bereits 70 Ortschaften, und zwischen 1865 und 1875 stieg die Zahl der jährlich aufgegebenen Telegramme von 600'000 auf 3 Millionen.

Was vor 150 Jahren sonst noch für Schlagzeilen sorgte:Quelle: Stadtarchiv Thun; Historisches Lexikon der Schweiz.

  • 3.3.1869 Die Versammlung zur Einführung einer Schwanen-Colonie bestimmte einen Ausschuss. Dieser soll Beiträge zum Ankauf der Tiere sammeln und dann sofort die nötigen Anordnungen treffen.
  • 3.3.1869 Malzkeimen, Holz- und Torfasche als ausgezeichnetes Düngemittel auf Futterland und zum Setzen von Kartoffeln sind zu billigen Preisen in der Bierbrauerei Feller zu haben.
  • 3.3.1869 Die Polizeikommission sieht sich durch die jüngst gemachten Erfahrungen veranlasst, das unanständige Geläufe von Zuschauern und Kindern bei Begräbnissen mit Hinweisung auf Titel XII Art. 3 des Polizei-Reglementes von Polizei wegen zu verbieten.
  • 3.3.1869 Dampfschiffahrtsgesellschaft. Den Inhabern von Aktien auf unsere Gesellschaft wird hiermit angezeigt, dass nach dem neuen Gemeindesteuergesetz die Gemeindesteuer von diesen Aktien von den Aktionären an ihrem Wohnort zu entrichten ist und die Gesellschaft demnach dieselben nicht mehr versteuert.
  • 6.3.1869 P.P. Widmer, Graveur und Grabsteinfabrikant, zeigt an, dass er seine Wohnung in das Haus des Hrn. Hirsig, Negotiant, obenher der Buchhandlung J.J. Christen, verlegt hat.
  • 6.3.1869 Grosse segeltuchene Nachtsäcke, eigene Arbeit, auf Verlangen mit dem Namen des Käufers bezeichnet, eigens angefertigt für Auswanderer. J. Scherrer, Sattler.
  • 10.3.1869 Bekanntmachung. Chr. und Joh. Gerber beim Bahnhof in Thun sind fortwährend im Fall, Wechsel von beliebigen Beträgen auf Nordamerika, zahlbar in Gold, auszustellen.
  • 10.3.1869 Letzter Tage sind mehrere hundert Personen, meist jüngere Leute, aus dem Oberland und aus dem Simmental als Auswanderer nach Amerika hier eingetroffen. Auch hat sich unter Leitung achtbarer Männer des Kantons ein Komite zur Gründung einer bernischen Kolonie in Amerika gegründet, welcher alles Gedeihen verspricht, da diese Männer weit von Schwindel und Eigennutz entfernt sind.
  • 10.3.1869 Lebensmittelpreise in Thun. Anken in Ballen à 1 Pfd. Fr. –.95 bis 1.00. Kartoffeln per Zentner 2.50 bis 3.00. 10 bis 11 Eier für 60 Cts.
  • 10.3.1869 Gänzlicher Ausverkauf. Indem wir auf ersten Mai in Bern ein anderes Geschäft übernehmen, verkaufen wir unsere Stoffe und Kleider in Thun um halbes Geld. R.W. Guggenheim.
  • 13.3.1869 Julie Gattiker, Modiste, von ihren direkten Frühjahrs-Einkäufen in Paris zurück­gekehrt, ist am Samstag, den 20. März nächsthin, im Gasthof Freienhof anzutreffen.
  • 13.3.1869 Concert des Männer- und gemischten Chors unter gefälliger Mitwirkung einiger ­Musikfreunde, Sonntag, den 14. März, im unteren Falkensaale.
  • 13.3.1869 Das Büreau des Fürsprechers Karl Teuscher befindet sich von heute an im Hause der Jungfer Kurz an der Kreuzgasse.
  • 17.3.1869 Dem sicheren Anzeiger jenes Buben, der Montag, nachts nach 11 Uhr, die Fenster in meinem Wohnzimmer eingeworfen, biete ich Fr. 5 Belohnung. E. Trog, Apotheker.
  • 17.3.1869 Die schwach besuchte Einwohnergemeinde wählte Hrn. v. Stürler zum Vize-Präsidenten des Gemeinderates. Die Besoldung des Gemeinderats-Präsidenten wurde auf Fr. 800 und diejenige des Gemeindeschreibers auf Fr. 1700 erhöht. Der Poststall neben der alten Kaserne im Bälliz wurde um Fr. 4000 an Oberstlt. Schäfer verkauft und die Hundesteuer von Fr. 5 auf Fr. 10 erhöht.
  • 20.3.1869 Morgen um 9 Uhr katholischer Gottesdienst in Scherzligen.
  • 24.3.1869 Die Feldschützengesellschaft wünscht intelligente Zeiger anzustellen, welche ehrenfähig und eigenen Rechtes sein müssen. Die Besoldung ist folgende: 1) Für Schiesstage im Stand mit Dienst von 11 Uhr hinweg Fr. 2.50. 2) Für Ausmärsche mit ganzem Tag Dienst Fr. 4. 3) Für Ausmärsche mit halbem Tag Dienst Fr. 2.50.
  • 24.3.1869 Die Gebäudeversicherungsbeiträge sind vom Regierungsrat auf drei vom Tausend festgesetzt worden.
  • 24.3.1869 Als Marktplatz für den Fleischverkauf an Markttagen werden vom 1. Mai 1869 hinweg die Plätze zwischen den Linden über der überdeckten Coulisse unten im Bälliz vom Hause des Hrn. Beutler aufwärts angewiesen. Zwischen je zwei Bäumen darf bloss ein Stand von höchstens 8 Fuss Länge und 4 Fuss Breite aufgestellt werden.
  • 24.3.1869 Honolulu. Donnerstag, abends 8 Uhr, Café Rüfenacht. Verhandlungsgegenstände: Schnecken, Stockfische, Fröschenbeine.
  • 24.3.1869 Vom Regierungsrat wird J. N. Karlen gestattet, an der Aare zu Hofstetten bei Thun eine Badanstalt zu errichten. Der Bau eines Schiffscherms wird dagegen nicht bewilligt.
  • 27.3.1869 C. Lindt, Hut- und Kappenmacher, verkauft seine Ware in seinem Laden neben der Trog’schen Apotheke sowie alle Samstage auf seinem Stand beim Gasthof Ochsen.
  • 31.3.1869 Sonntag, den 4. April, 2 Uhr im Falken: Vortrag von Fürsprecher und Grossrat Hofer über «Das Referendum und seine Bedeutung für die Entwicklung unseres Staatswesens».
  • 31.3.1869 Über die Verpachtung der hiesigen Flussbad-Anstalt für 2 Jahre wird hiermit Konkurrenz eröffnet. Namens des Comite’s: Der Präsident, Bächler, Notar.

Thuner Tagblatt

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