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Sternstunde für die Archäologie

Vor gut 60 Jahren wurde in Thun ein aufsehenerregender Fund von römischen Münzen gemacht. Er lässt das Herz der Archäologin Lilian Raselli noch heute höherschlagen.

Historischer Fund: Herrmann Buchs bei der Untersuchung der Münzen an seinem Küchentisch im Jahr 1955.
Historischer Fund: Herrmann Buchs bei der Untersuchung der Münzen an seinem Küchentisch im Jahr 1955.
Keystone

Die genauen Fundumstände des Münzschatzes von Thun im Jahre 1955 sind nicht bekannt. Aufgrund des Fundberichts von Herrmann Buchs, dem damaligen Konservator des Schlossmuseums Thun, wissen wir aber, dass der hauchdünne Bronzebecher mit offensichtlich Tausenden römischen Münzen am 4. März 1955 beim Ausheben eines Kanalisationsgrabens «unmittelbar hinter dem Bauernhaus des ehemaligen Hortingutes» gefunden wurde. Der spektakuläre Fund sorgte damals in der Presse und auch sonst für grosses Aufsehen.

Herausragender Schatz

Der Thuner Hortfund mit seinen 2304 erhaltenen Münzen gehört auf helvetischem Gebiet bis heute zu den herausragenden römerzeitlichen Münzschätzen des ausgehenden 3. Jahrhunderts nach Christus.

Ob der Schatz einer Einzelperson gehörte oder in den Kontext des nahe gelegenen, wichtigen gallo-römischen Heiligtums zu stellen ist, bleibt dagegen für immer offen. Gut möglich, dass wir es hier mit der «Eintrittskasse» des Heiligtums zu tun haben.

Als Hortfund aus der Zeit des letzten Viertels des 3. Jahrhunderts steht er allgemein in einer Reihe ­ähnlicher Münzschätze dieser wechselhaften Epoche. Dieser Schatz ist in jüngster Zeit mit dem Fund im aargauischen Ueken mit über 4000 Münzen um ein prominentes Beispiel grösser geworden.

Für den damaligen Konservator des Schlossmuseums und Altphilologen Herrmann Buchs muss die Entdeckung ein unvergessliches Erlebnis gewesen sein. Seiner wissenschaftlichen Grenzen jedoch bewusst, suchte er den Kontakt mit Spezialisten der Numismatik. In der Freude über den immensen Fund gingen bei Präsentationen allerdings einige Münzen – Buchs beziffert den Verlust in einem Brief auf «zwei bis drei Dutzend» – verloren.

Wer weiss, ob dem Museum aus privaten Nachlässen in Thuner Haushalten nicht die eine oder andere Münze eines Tages wieder zurückgegeben wird?

«Ein wichtiger Fund»

Der Münzschatz gehört wegen seines grossen kulturhistorischen Werts für die Thuner Region zu den römerzeitlichen Kernobjekten.

Seine Wichtigkeit war Herrmann Buchs schon damals sofort klar. «Der Münzschatz von Thun dürfte der historisch und numismatisch wichtigste der bisher in der Schweiz gemachten Funde für das ausgehende dritte Jahrhundert darstellen.

Er bringt einen Lichtpunkt in einen noch sehr dunkeln Abschnitt unserer Geschichte», schrieb er darüber. Und er folgerte: «Eine sorgfältige Publikation des Fundes mit historischer Auswertung, wäre dringend erwünscht, da er nicht nur für die Heimatgeschichte der Stadt Thun, sondern auch für die Geschichte unseres Schweizerlandes zur Römerzeit von Bedeutung ist.»

Buchs war zudem überzeugt, dass der Fund darüber hinaus die internationale numismatische Forschung interes­sieren dürfte.

Jetzt, über 60 Jahre nach der Auffindung des Thuner Münzschatzes, ist dieser Wunsch mit der neu erschienenen Monografie zum Thema endlich erfüllt worden.

Le trésor de Thun 1955 (CH, Berne): 2304 monnaies romaines au terminus 293 de notre ère. Inventaire des trouvailles monétaires suisses 15, Berne 2018 von S. Estiot; S. Frey-Kupper; P. Zanchi. Die Monografie ist im Museumsshop erhältlich.

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