«Stiller Tod» erntet lauten Beifall

Zu seiner siebten Produktion lud der Verein «Theater am Tatort» am Dienstag in den Rittersaal ein. Das Premierenpublikum von «Stiller Tod» gruselte sich angemessen – Auge in Auge mit dem Ort des brutalen Geschehens.

Das spätere Mordopfer Marianne Hitz (Alexandra Stoll) im Gespräch mit ihrem Mann Raymond (Markus Wey). Im Hintergrund Soldat Cyrill Durand (Lionel Romero Lanz).

Das spätere Mordopfer Marianne Hitz (Alexandra Stoll) im Gespräch mit ihrem Mann Raymond (Markus Wey). Im Hintergrund Soldat Cyrill Durand (Lionel Romero Lanz). Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nur zwei sich abwechselnde Klaviertöne dominieren die Musik zur Einstimmung auf eine diffus beleuchtete Story, bei der un­liebsame Bilder im Kopf ent­stehen. Eine junge Frau wurde ­lebendig eingemauert, und die impertinenten Klaviertöne er­innern an ihren Pulsschlag.

Jung und gesund, wie sie war, muss es Tage gedauert haben, bis das Herz stehen blieb. Durst soll schlimmer als Schmerzen sein, und wenn die Nieren nach drei, vier Tagen endlich versagen, vergiftet sich der Körper selbst. Der Täter entsorgte die zusammen­geschlagene Marianne hinter Thuns Schlossmauern.

Fahndung nach dem Mörder

Architektin Angélique Strahm (Babs Schweizer) und Archäologin Rebekka Müller (Melanie Arnold) machen im Jahr 2013 bei Sanierungsarbeiten im Schlossgefängnis diesen grausigen Fund: Im Lichtkegel der Taschenlampe zeigt sich zwischen zwei Mauern geklemmt ein Skelett.

Der Fund wird in der Schweizer Presse breitgetreten: «Nicht nur im ‹Thuner Tagblatt›», freut sich Rebekka. Die Polizisten Mirjam Klossner (Tina Straubhaar) und Silvio Fioretti (Christoph Graf) fahnden nun mit chronischem Ehrgeiz nach dem Täter. Doch der Mord liegt fünfzig Jahre zurück, wie Pathologe Dr. Klaus Fleischmann am Telefon be­stätigt.

In mehreren Rückblenden leidet das Publikum mit, wenn Marianne Hitz (Alexandra Stoll) im stilechten Pepitakleid der 60er-Jahre an ihrem Leben fast verzweifelt, denn sie weiss noch nicht, dass ihr der Tod noch grausamer mitspielt. Der einzige Lichtblick ist der junge Rekrut Cyrill Durand (Lionel Romero Lanz), der ihr geduldig zuhört und sie auch ohne Worte zu nehmen weiss.

Ihr Mann Raymond Hitz (Markus Wey) kümmert sich derweil um seine Karriere beim Militär und schleift all seine Untergebenen. Wieder in der Gegenwart angekommen, nimmt das Polizistenduo den nun alten Hitz (Peter Wey) in die Mangel. Der verbitterte Mann ist wenig kooperativ: «Ich bin ein alter Mann und müde!»

Ein Selbstmord löst den Fall

Wer Marianne verprügelt und ­lebendig eingemauert hat, wird hier natürlich nicht verraten. Doch für Kommissar Fioretti, einen Erbsenzähler, der gern seinen Schal zusammenfaltet, und seine nasengepiercte, Kaugummi kauende Kollegin Klossner löst sich der Fall durch einen Selbstmord quasi von selbst.

Der beklemmende Psychokrimi, bei dem der Täter ziemlich schnell auf der Hand liegt, wirkt durch die Bühnenpräsenz aller Agierenden zum Den-Atem-Anhalten. Die beiden Darsteller Markus und Peter Wey (im wirklichen Leben Neffe und Onkel) als Raymond Hitz jung und alt packen ihr Publikum durch intensives Spiel von der ersten Sekunde ihre Erscheinens an.

Um Markus Wey muss man sich fast Sorgen machen, denn er spielt den macht­besessenen Karrieristen der­massen authentisch, dass er alle Verachtung verdient und hoffentlich ausserhalb der Aufführungen unbehelligt durch Thun spazieren kann.

Mehrfarbige Beleuchtung, eine höhenversetzte Bühne mit mehreren Schau­plätzen und projizierte Fotos im Hintergrund des von Daniela Schneiter Bichsel inszenierten Stücks versetzen das Publikum in ein schaurig-schönes Ambiente. Die wirkliche Überraschung hält der Autor Ueli Bichsel allerdings bis zum Schluss zurück, denn die Architektin... (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 11.10.2017, 19:28 Uhr

Artikel zum Thema

Ein Tausendsassa mit Frauenpower

Thun Er schreibt Theaterstücke und Drehbücher, führt Regie, ist Projektleiter und Produzent: Ueli Bichsel ist ein Tausendsassa im Theaterbereich – im Duo mit ­seiner Frau, Daniela Schneiter Bichsel. Mehr...

Die Filmerin? Genau die

Schauspielchef Cihan Inan hat die Regisseurin Sabine Boss («Dr Goalie bin ig») nach Bern geholt. Sie bringt den «Verdingbub» auf die Theaterbühne. Eine Begegnung. Mehr...

Witziges Theater um ein Theater

Trubschachen Was Mani Matter einst in zwei Minuten besungen hat, bringt der Thuner Regisseur Ueli Bichsel in Trubschachen in zwei Stunden auf die Theater­bühne. «Si hei dr Wilhälm Täll ufgfüert» kommt als und unterhaltsame Komödie daher. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitag um 16 Uhr Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Casino historisch Als im Casino der Nationalrat tagte

Echt jetzt? Kompletter Irrsinn!

Abo

Immer die Region zuerst. Im Digital-Light Abo.

Das Thuner Tagblatt digital im Web oder auf dem Smartphone nutzen. Für nur CHF 17.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Der Boden ist Lava: Eine Frau schaut Kindern zu wie sie auf beleuchteten Kreisen in einem Shoppincenter in Peking spielen. (22. Oktober 2017)
(Bild: AP Photo/Andy Wong) Mehr...