Täglich verlassen 800 Paar Schuhe die Thuner Fabrik

Thun

Seit 1952 werden in der Kyburgstadt Schuhe produziert. Gegen 800 Paare verlassen täglich die Schuhfabrik Vadret & Schneiter AG. Mit Astrid Schneiter Baumann hat jetzt die dritte Generation das Steuer des Familienunternehmens übernommen.

Astrid Schneiter Baumann führt in dritter Generation als Chefin die Thuner Schuhfirma Vadret & Schneiter AG.

Astrid Schneiter Baumann führt in dritter Generation als Chefin die Thuner Schuhfirma Vadret & Schneiter AG.

(Bild: Stefan Kammermann)

Astrid Schneiter Baumann steht in der Fabrikationshalle der el­terlichen Schuhfabrik an der Frutigenstrasse in Thun. Mitarbeiter sind gerade mit finalen Arbeiten beschäftigt. Stück für Stück wird kontrolliert, gereinigt und schliesslich verpackt. «Bis zu 800 Paar Schuhe verlassen täglich unsere Fabrik», sagt sie mit geschultem Blick.

Die Geschäftsführerin hat seit kurzem das Steuer des Thuner Familienunternehmens, das eigentlich besser unter dem Namen Lienhard Schuhfabrik bekannt ist, von ihrem Vater Hans Schneiter in der dritten Generation übernommen. Letzterer führte die Firma über fünfzig Jahre.

Bis zu 800 Paar Schuhe verlassen täglich die Thuner Schuhfirma an der ­Frutigenstrasse. Bild: Stefan Kammermann

«Ich freue mich sehr darauf, die Familientradition mit einem motivierten Team weiterführen zu können», betont die Geschäftsführerin. Und Vater Hans Schneiter doppelt nach: «Ich bin glücklich und auch stolz, die Nachfolge in der Familie regeln zu können.» Zumal die Thuner Schuhfabrik mit heute 32 Mitarbeitenden auf eine lange Geschichte zurückblicken kann (vgl. Kasten).

Mit hundert Handgriffen

An der Frutigenstrasse 34 werden heute Komfort- und Naturformschuhe sowie Golfschuhe made in Switzerland produziert. «Unsere Schuhe entstehen in über hundert Handgriffen mit mo­dernen Maschinen», erläutert die ­Geschäftsführerin. Dabei setzt die Firma auch auf eine stete Weiterentwicklung. «Insbesondere bei der Modellvielfalt, aber ohne die langjährige Philosophie über Bord zu werfen», betont Astrid Schneiter.

Das bedeutet die Produktion von fussgerechten Komfortschuhen. «Da Menschen den ganzen Tag auf den Füssen stehen, ist es wichtig, Schuhe zu tragen, die sich dem Fuss anpassen und nicht umgekehrt», erläutert Schneiter. Dazu wird die Qualität des Leders von eigenen Fachleuten direkt in den Gerbereien geprüft und entsprechend eingekauft. Die Schuhoberteile werden indes im Ausland produziert, weil dies sehr arbeitsintensiv ist.

Die Treue zur langjährigen ­Firmenphilosophie sei jedenfalls mit ein Grund für den Erfolg der Thuner Firma im hart umkämpften Konkurrenzmarkt der Schuhproduktion. Weiter seien auch schlanke Firmenstrukturen und die grosse Flexibilität Erfolgsfaktoren in einem schwierigen Wirtschaftsumfeld.

Franken macht zu schaffen

Dennoch macht der Thuner Firma der starke Franken zu schaffen. Zumal die Firma rund 80 Prozent ihrer Produkte über ­Versandhandelsfirmen in sieben europäische Länder und nach Südkorea exportiert. «Wir mussten geplante Investitionen hinausschieben, werden diese aber bald nachholen», sagt die Firmenchefin. Allerdings konnte die Firma von der Eurokrise auch profitieren.

«Wir wollen unsere Produktion in  Thun weiter modernisieren.»Astrid Schneiter Baumann, Geschäftsführerin

«Weil wir im Eurogebiet nicht nur verkaufen, sondern auch einkaufen, haben wir weniger Wechselkursverluste», so Astrid Schneiter Baumann weiter. In der Schweiz vertreibt die Thuner Firma ihre Schuhe über den Fachhandel. Zu finden sind die Produkte auch im eigenen Verkaufsgeschäft an der Schwäbisgasse 6 in Thun.

Auf nach Amerika

Die Geschäftsfrau blickt positiv in die Zukunft. «Wir wollen un­sere Produktion in Thun weiter modernisieren und in den Maschinenpark investieren», sagt sie. Zudem wird die Firma in diesem Jahr eine neue Kollektion kreieren, um ab 2018 in den USA Fuss zu fassen. «Wir sind zuversichtlich, dass dies gelingen wird, auch unter der neuen US-Regierung», sagt Schneiter. Dann sollen in Thun bis zu zwei neue Arbeitsplätze dazukommen.

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