Teuffenthal – die Extremgemeinde

Die Bevölkerungsstatistik zeigt: Teuffenthal ist eine Gemeinde der Extreme. Das Dorf hat die zweitkleinste Bevölkerungszahl, am zweitwenigsten Ausländer – und den höchsten Frauenanteil im Oberland. Die Gemeindepräsidentin nimmt Stellung.

Rund 10 Kilometer östlich von Thun, dort, wo von der «Blueme» her das Wasser des Allmitgrabens durch eine Talmulde nordwärts Richtung Zulg fliesst, liegt Teuffenthal. Eine kleine Landgemeinde, die eine grosse Rolle spielt, wenn die Extremwerte der Bevölkerungsstatistik des Kantons unter die Lupe genommen werden.

Die Statistik besagt etwa: Mit 161 Einwohnerinnen und Einwohner liegt Teuffenthal im Verwaltungskreis Thun am Ende der Liste – im gesamten Oberland hat nur Saxeten mit knapp 100 noch weniger Einwohner. Welches sind die grössten Herausforderungen für eine so kleine Gemeinde? «Dass wir uns nebst den Städten, Agglomerationen und dem Kanton behaupten können», sagt Gemeindepräsidentin Franziska Fuss.

«Wir müssen immer wieder glaubhaft machen, dass wir unsere Aufgaben selber erfüllen können.» Dazu werde oft die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden gesucht – «wobei wir auch da immer die kleine Gemeinde sind». Hinzu komme die Lage in einem Randgebiet. «Wir spüren vom Kanton her immer wieder, dass man in eine solche Gemeinde nicht mehr investieren will.» Als Beispiele nennt Franziska Fuss die Strassen und den Winterdienst.

Präsenz markieren

Und wie kann der Gemeinderat von Teuffenthal Gegensteuer geben? «Wir versuchen, möglichst viel selber zu machen», antwortet die Gemeindepräsidentin. So sei es etwa äusserst wichtig, dass bei der Wasserversorgung Einheimische verantwortlich seien.

Weiter gelte: «Verhandeln, verhandeln, verhandeln! Und Präsenz markieren. Wir werden immer wieder direkt bei kantonalen Ämtern vorstellig, um bei konkreten Sachverhalten – etwa, wenn es um die Wasserversorgung oder den Strassenunterhalt geht – unsere Position zu erklären.»

«Wir können weder Bauland einzonen noch einfach so bestehende Ökonomiegebäude in Wohnraum umnutzen.»Franziska Fuss, Gemeindepräsidentin

Bei den letzten Erhebungen für die Bevölkerungsstatistik ist die Einwohnerzahl von Teuffenthal jeweils leicht gesunken. «Aktiv etwas dagegen unternehmen können wir nicht», sagt Fuss. «Wir können weder Bauland einzonen noch einfach so bestehende Ökonomiegebäude in Wohnraum umnutzen.» Das Ziel sei denn auch nicht ein Ausbau, sondern das Erhalten des Status quo – «dass die einheimische Bevölkerung eine Perspektive hat und Junge bleiben können, gerade auch bei Bauernbetrieben».

Und dann fügt Franziska Fuss an: «Wir haben die Post verloren, die Bank, die Gemeindeverwaltung, einen Teil der Schule, den Laden – ich frage mich schon, was ich möglichen Zuzügern auf die Frage antworten soll, warum sie hier wohnen sollen.» Nötig wären junge Familien, die den Wert des Landlebens erkennen, doch diese könnten sich ihr «Lieblingsplätzli» zum Wohnen oft gar nicht leisten.

Keine Ausländer anziehen

In einer weiteren Kategorie rangiert Teuffenthal weit hinten: Mit 1,2 Prozent hat die Gemeinde den zweittiefsten Ausländeranteil. Diese Statistik bereitet Franziska Fuss kein Kopfzerbrechen – im Gegenteil: «Ich bin offen und ehrlich: Ich schätze das. Wir werden bestimmt nichts dafür tun, Ausländer anzuziehen.»

«Wir brauchen Leute, die sich in der Gemeinde für die Allgemeinheit engagieren wollen.»Franziska Fuss, Gemeindepräsidentin

Sie habe die Erfahrung gemacht, dass man die Gegebenheiten im Ort, auf dem Land, kennen müsse, um sich hier wohl fühlen zu können. Und: «Wir brauchen Leute, die sich in der Gemeinde für die Allgemeinheit engagieren wollen.» Dass dies bei ausländischen Zuzügern der Fall wäre, bezweifelt sie.

Und schliesslich hält Teuffenthal einen weiteren Topwert: Die Gemeinde hat mit 55,3 Prozent den höchsten Frauenanteil im Oberland. Mit diesem Fakt konfrontiert, lacht Franziska Fuss. Wird dann aber sogleich ernst: Einerseits gebe es – wohl zufällig – viele Familien mit Mädchen im Ort. Andererseits könnte es aber auch eine Rolle spielen, dass es in der Gemeinde relativ viele Witfrauen gebe ...

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