Thuner Stadtrat macht Weg frei für zusätzliche Kunstrasenplätze

Thun

Der Thuner Stadtrat hat den 3,7-Millionen-Kredit für den Bau von zwei neuen Kunstrasenfeldern neben der Stockhorn-Arena genehmigt. Das letzte Wort hat im September das Volk.

Auf dieser Fläche neben der Stockhorn-Arena sollen zwei neue Kunstrasenfelder entstehen. Nach der Zustimmung durch den Stadtrat fehlt nun nur noch das Ja des Stimmvolks.

Auf dieser Fläche neben der Stockhorn-Arena sollen zwei neue Kunstrasenfelder entstehen. Nach der Zustimmung durch den Stadtrat fehlt nun nur noch das Ja des Stimmvolks.

(Bild: Michael Gurtner)

Der Donnerstag war einer der wenigen Tage, an welchen an der Fussball-WM in Russland keine Partien stattfanden. Im Fokus stand der Fussball – und mit ihm einige weitere Sportarten – dagegen an der Stadtratssitzung im Rathaus in Thun. Das Parlament hatte über einen Kredit von 3,7 Millionen Franken zu befinden.

Mit dem Geld sollen auf der Fläche zwischen Stockhorn-Arena und Allmendingenallee zwei Kunstrasenfelder für den Breitensport realisiert werden. Weil das Land nicht der Stadt, sondern der Burgergemeinde Thun gehört, würde überdies bis 2058 ein jährlicher Baurechtszins von 114 780 Franken fällig. Dies entspricht einem Quadratmeterpreis von 6 Franken (wir haben berichtet).

Hädener lobt die Vorarbeit der Sportvereine

Gemeinderat Konrad Hädener (CVP) liess es sich nicht nehmen, das Geschäft in der Fussballersprache einzuleiten: «Die Sportvereine haben gute Vorarbeit ­geleistet und den Ball im vergangenen Herbst wieder der Stadt zugespielt», sagte der Bauvorsteher. Manch einer der angesprochenen Vereinsvertreter verfolgte die Debatte persönlich im Stadtratssaal.

«Der Stadtrat und danach die Stimmbevölkerung haben nun die Gelegenheit, das Tor zu schiessen», erklärte Hädener. Ohne den Drohfinger zu sehr zu schwingen, erinnerte er den Rat daran, dass die Fläche bei einem Nein «auf Jahre hinaus wieder Ackerland sein wird».

Die Kosten seien hoch; sie lägen aber innerhalb der Norm für solche Spielplätze. «Ein Naturrasenfeld würde zwar nur ein Drittel des Betrags kosten, es könnte aber auch nur während rund eines Drittels der Zeit genutzt werden», so Hädener. Die Stadt geht in ihren Berechnungen davon aus, dass die neuen Felder jedes Jahr während je rund 2500 Stunden zur Verfügung stehen werden. Dass im Breitensport die Nachfrage dafür besteht, wird in Thun inzwischen nicht mehr infrage gestellt.

So strich denn auch Jonas Baumann (FDM), der sowohl für seine Fraktion als auch für die zuständige Sachkommission sprach, die Wichtigkeit der zwei Felder für den Breitensport heraus. «Damit werden zudem wieder Hallenplätze frei», so Baumann. Er wies darauf hin, dass die Kosten noch weitaus höher ausgefallen wären, hätte man eben Hallen und nicht eine Freianlage ins Auge gefasst.

Diverse Stadträte äusserten in der Folge ihre Unterstützung fürs Projekt: Simon Werren (BDP) etwa erwähnte die «vernünftige Dimension» und die «vertretbaren Kosten». Barbara Klossner (SVP/FDP) fand, dass die Politik ihre Glaubwürdigkeit verlöre, wenn man nun nicht Ja sagen würde, um zu resümieren: «Was lange währt, wird endlich gut.»

Sabine Kaufmann (SP) hielt derweil fest: «Der Preis dünkte uns schon etwas hoch, aber letztlich ist es ein zweckmässiges Projekt, das die Bewegung im Freien fördert.» Gewisse Bedenken seien indes bei der Verwendung des Mikroplastiks auf den Feldern angezeigt.

Umweltaspekt: Transparenz gegenüber dem Stimmvolk

Das Granulat, das in Kunstrasen vorkommt, sorgte dafür, dass das Geschäft eine kurze Extraschlaufe nehmen musste. «Es hätte nachhaltigere Lösungen gegeben als Kunstrasen», kritisierte Reto Kestenholz (Grüne). Die winzigen Plastikteilchen, welche in die Umwelt gelangen könnten, würden grosses Gefahrenpotenzial bergen.

Die getroffenen Massnahmen reichen laut Kestenholz nicht aus, um dies zu verhindern. «Da müssen wir stärker an künftige Generationen denken.» Parteikollege Thomas Hiltpold widersprach dem nicht, störte sich aber vor allem am fehlenden Hinweis in der Abstimmungsbotschaft. «Kunstrasen sind nicht unbedenklich. Diese Information dürfen wir dem Stimmvolk nicht vorenthalten.»

Die Grünen stellten deshalb einen Änderungsantrag. Gemeinderat Hädener entgegnete, dass die Umweltbelastung bei Naturrasen zwar am Anfang tiefer, beim Unterhalt dann aber ebenfalls möglich sei. Als Beispiel nannte Hädener das Düngen, wo die dort eingesetzten Stoffe in Gewässern landen können.

Bei der Abstimmung über den Antrag der Grünen kam es mit 18 zu 18 Stimmen zum Patt. Stadtratspräsident Andreas Kübli (GLP) votierte sodann für die Ergänzung der Abstimmungsbotschaft. Danach war der Weg frei – und der Stadtrat bewilligte den Kredit mit drei Gegenstimmen der Grünen und die Botschaft einstimmig.

Das letzte Wort zu den zwei neuen Kunstrasenfeldern neben der Arena hat aber so oder so das Stimmvolk am 23. September an der Urne.

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