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Thuner wollten Polizeistunde behalten

Thuns Stimmbürger hätten die in Kriegszeiten beschlossene Polizeistunde an der Urne aufheben können. Eine Mehrheit sprach sich vor 100 Jahren jedoch dagegen aus.

«Letzte Runde»: Die Thuner wollten vor 100 Jahren an der Polizeistunde festhalten.
«Letzte Runde»: Die Thuner wollten vor 100 Jahren an der Polizeistunde festhalten.
pd

Im April 1919 konnten die stimmberechtigten Bürger in Thun darüber abstimmen, ob sie die zu Kriegszeiten vom Bundesrat verhängte 11-Uhr-Polizeistunde beibehalten wollten oder nicht.

Zwei Tage vor der Abstimmung druckte das «Oberländer Tagblatt» unter der Rubrik «Eingesandt» zwei Standpunkte ab. In einem hiess es: «Wenn heute noch die 11-Uhr-Polizeistunde gerecht sein mag, so ist sie es für die Zukunft nicht. Zürich, Basel, Chur, Schaffhausen und Luzern haben die Polizeistunde auf 12 Uhr angesetzt, samstags auf 1 Uhr. Thun darf sich nicht zu einer Krähwinkelstadt herabwürdigen lassen. Wir stimmen deshalb mit Nein.»

Im anderen Votum wurde ebenfalls für ein Nein geworben. Es wurde argumentiert, dass der Durchschnittsbürger seine Abende zu Hause zubringe und wenn er ausnahmsweise in gesellschaftlichen Freundeskreis komme, er sich nicht gerne stören lasse, überdies ihm nach der Arbeit ein gemütlicher Hock zu gönnen sei.

Die Mehrheit der Thuner Bürger sah es jedoch anders. Mit 747 zu 485 Stimmen sprach sie sich für eine Fortsetzung der 11-Uhr-Polizeistunde aus. Die Zeitung kommentierte lapidar: «Also gehen wir inskünftig um 11 Uhr heim!»

Was vor 100 Jahren sonst noch für Schlagzeilen sorgte:

4.4.1919 Die Gemeindesteuer von Thun beläuft sich für Einkommen 1. Klasse auf 5,25%, für solche 2. Klasse auf 8,75%. Grundeigentum und grundpfändliche versicherte Kapitalien sind mit 3,5 Promille zu versteuern.

5.4.1919 In den Militärwerkstätten des Bundes in Thun wird im Mai die 48-Stunden-Woche eingeführt.

7.4.1919 Bei der Brauerei wurde die Leiche eines 57-jährigen Knechtes gefunden, welcher sich nach Grippeanfall und Herzwassersucht-Diagnose in die Aare gestürzt hatte.

9.4.1919 Das Regenwetter schwellte Bäche an und liess sie über die Ufer treten. Der Göttibach bedrohte die Tramlinie und überschwemmte die Hofstettenstrasse mit Steinen, Schlamm und Geschiebe.

9.4.1919 Unter zahlreicher Beteiligung der Interessenten wurde im Café de la Gare die Wohnungsbau-Genossenschaft Thun, unter Genehmigung der Statuten, gegründet.

15.4.1919 An der Versammlung der Freisinnig-Demokratischen Partei wurde die Auflösung der Partei einstimmig beschlossen, um die Fortschrittspartei der Stadt Thun zu gründen.

16.4.1919 Besitzer, Pächter und Direktoren der Hotels und Pensionen der Region 8 der Oberländischen Hotelgenossenschaft versammelten sich im Hotel Kreuz zur Gründung einer Sektion des schweizerischen Hoteliervereins.

22.4.1919 Der Gemeinderat beantragt der kantonalen Eisenbahndirektion, die Erstellung eines Ausweichgeleises der Rechtsufrigen Thunerseebahn beim Lauitor zu bewilligen.

24.4.1919 Der elektrische Betrieb auf der Strecke Thun–Bern kann wegen fehlender Materialien auf den 1. Mai nicht aufgenommen werden.

Quelle: Stadtarchiv Thun

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