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Tiere während Abwesenheit sich selbst überlassen

Ein Mann liess Tiere während sechs Tagen allein. Gegen einen Strafbefehl wehrte er sich erfolglos.

Ein Mann aus dem Berner Oberland hat während sechs Tagen seine Hühner und andere Tiere sich selbst überlassen. (Symbolbild)
Ein Mann aus dem Berner Oberland hat während sechs Tagen seine Hühner und andere Tiere sich selbst überlassen. (Symbolbild)
Nicole Philipp

Aufgrund eines früheren Hinweises einer Privatperson nahmen im Herbst des vergangenen Jahres eine Polizistin und ein Polizist auf einem Anwesen im Berner Oberland eine Kontrolle vor. Sie stellten verschiedene Ungereimtheiten in der Tierhaltung fest und erstatteten Anzeige. Dem Besitzer der Tiere, einem 55-jährigen Schweizer, flatterte daraufhin ein Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region Oberland, ins Haus.

Die Vorwürfe lauteten auf mehrfaches Vergehen und Übertretung gegen die Tierschutzgesetzgebung sowie Übertretung gegen die Tierseuchengesetzgebung. Er wurde zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 70 Franken, bei einer Probezeit von zwei Jahren, verurteilt. Zudem wurden ihm Bussen und Gebühren von insgesamt 1'400 Franken auferlegt. Weil er dagegen Einsprache erhob, kam es am Donnerstag zur Hauptverhandlung vor dem Regionalgericht Oberland in Thun.

Hund angekettet oder nicht?

Der Mann hatte während sechs Tagen Tiere sich selbst überlassen, sodass die Fütterung und die Unterkunft der Hühner und Schweine nicht deren hygienischen Bedürfnissen entsprachen. Überdies soll er seinen Herdenschutzhund im Schweinestall angekettet haben, was allerdings nicht erwiesen ist. Klar ist, dass sich das Tier täglich mindestens fünf Stunden nicht frei bewegen konnte.

Im Weiteren hat es der Beschuldigte unterlassen, die Klauen eines Schafbocks den Umständen entsprechend regelmässig zu schneiden, sodass dessen hintere Klauen massiv zu lang waren. Schlussendlich hat es der Mann auch versäumt, sechs Schafe mit entsprechenden Ohrmarken zu kennzeichnen.

Keinen Betreuer gefunden

Die sechstägige Abwesenheit begründeten der Beschuldigte und dessen Ehefrau mit einem dringenden Besuch im Ausland. «Weshalb haben Sie denn nicht eine Betreuung der Tiere während Ihrer Abwesenheit organisiert?», wollte der Gerichtspräsident wissen. Sie hätten es versucht, jedoch niemanden gefunden, gab die als Zeugin vorgeladene Ehefrau des Beschuldigten zu Protokoll.

Beide machten geltend, die nötigen Vorkehrungen zum Wohl der Tiere getroffen zu haben. So hätten sie genügend Futter und Streue bereitgestellt und Wasserautomaten seien vorhanden gewesen. Nicht bestritten hat der Mann die unterlassene Kennzeichnung der Schafe mit Ohrmarken. Da sei er wohl einem Irrtum zum Opfer gefallen.

«Tiere haben nicht gelitten»

Von einem Rückzug der Einsprache wollten weder der Beschuldigte noch dessen Verteidiger etwas wissen. «Die Tiere haben nicht gelitten und keinen Schaden genommen», argumentierte Letzterer. Zudem bewiesen Fotos, dass keine desolaten Zustände in den Ställen geherrscht hätten. Dies räumten auch die als Zeugen vorgeladene Polizistin und der Polizist ein. Der Verteidiger beantragte lediglich eine Busse in Bezug auf die unterlassene Ohrmarkierung. In den übrigen Anklagepunkten forderte er Freisprüche.

Der Einzelrichter räumte auch ein, dass keine eigentliche Vernachlässigung der Tiere stattgefunden habe. Trotzdem kam er, auch im Vergleich mit Urteilen des Bundesgerichts, zu Schuldsprüchen. Statt Vergehen sah er aber nur die Tatbestände von Übertretungen als erfüllt. Er verurteilte den Mann zu einer Übertretungsbusse von 1'000 Franken und zu Verfahrenskosten von 1'900 Franken.

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