Tierliebende Spender übers Ohr gehauen

Ein Mann hat für eine Tierambulanz Geld gesammelt, es dann aber in die eigene Tasche gesteckt. Nun steht er vor Gericht.

«365 Tage im Jahr für die Tiere im Einsatz»: Mit diesem Slogan warb der Mann für seine Tierambulanz (Symbolbild).

«365 Tage im Jahr für die Tiere im Einsatz»: Mit diesem Slogan warb der Mann für seine Tierambulanz (Symbolbild).

(Bild: iStock)

Die Liste der Straftatbestände, die dem 51-jährigen Schweizer aus dem Oberland vorgeworfen werden, ist lang. Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft enthält nicht weniger als 14 Straftatbestände.

Allerdings sind einige davon ganz oder teilweise verjährt, was die Einstellung von deren Verfolgung zur Folge hat. Am Freitag hatte sich der Mann vor dem in Dreierbesetzung tagenden Regionalgericht Oberland in Thun zu verantworten.

Missbrauchte Wohltätigkeit

Am schwersten wiegt das Delikt des gewerbsmässigen Betrugs. Der Beschuldigte lancierte 2012 mit Hunderttausenden von Flugblättern und Einzahlungsscheinen eine Spendenaktion für den Kauf eines Rettungswagens für einen Tierrettungsdienst. Er gab sich auf seiner Website als Leiter eines Tierrettungswerks mit mehreren Stützpunkten in verschiedenen Regionen der Schweiz und mit mehreren Mitarbeitern aus.

Um glaubwürdiger zu wirken, verfasste er fiktive Berichte über Rettungseinsätze und publizierte sie. Die Spendengelder flossen unerwartet reichlich. Der Beschuldigte verwendete sie zur Bezahlung von Druckaufträgen. Mit dem grössten Teil des Geldes finanzierte er sich seinen Lebensunterhalt.

Lediglich 14'503 Franken sollen für den Kauf von drei alten Ambulanzfahrzeugen aufgewendet worden sein. Mindestens 118'757 Franken soll der Mann dagegen abgezweigt haben. Das Projekt Tierambulanz wurde auch nie in die Tat umgesetzt, worüber seinerzeit einige Zeitungen berichtet haben. Der Beschuldigte bestritt bei der Einvernahme am Freitag, in betrügerischer Absicht gehandelt zu haben.

Hund fiel Jogger an

Neben dem Hauptvorwurf figurieren in der Anklageschrift weitere Straftatbestände wie Pfändungsbetrug, Verfügung über mit Beschlag belegte Vermögenswerte, Führen eines Motorfahrzeuges trotz entzogenem Führerausweis, missbräuchliches Verwenden von Kontrollschildern und fahrlässige einfache Körperverletzung hinzu. Der Hund des Mannes, den er nicht an der Leine geführt hatte, fiel einen Jogger an und verletzte ihn am rechten Unterarm. Der Jogger trat als Privatkläger auf.

«365 Tage im Jahr für die Tiere im Einsatz». Mit diesem Spot warb der Beschuldigte für das Projekt Tierambulanz. «Wer wird dabei nicht spendenfreudig?», fragte die Staatsanwältin zu Beginn ihres Plädoyers. Damit seien die Spender getäuscht worden. Sie erachtete die Tatbestände des gewerbsmässigen Betrugs und weiterer Delikte als erfüllt und beantragte eine unbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten.

Der Verteidiger bezeichnete seinen Mandanten als Tiernarr, der nicht in betrügerischer Absicht gehandelt habe. Er beantragte eine bedingte Geldstrafe von 200 Tagessätzen zu je 30 Franken. Das Urteil wird am Mittwoch eröffnet. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung.

Thuner Tagblatt

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