Ungeniessbare Brunnenwässer

Salpetrige Säure und Ammoniak im Trinkwasser: Eine Analyse der vier öffentlichen Sodbrunnen in Thun förderte vor 150 Jahren erschreckende Resultate zutage.

Wenn Brunnenmeister schwarz sehen: Vor der schlechten Trinkwasserqualität beim Berntorbrunnen wurde gewarnt.

Wenn Brunnenmeister schwarz sehen: Vor der schlechten Trinkwasserqualität beim Berntorbrunnen wurde gewarnt.

(Bild: Archiv)

Im Sommer 1869 ordnete der Thuner Gemeinderat an, die vier öffentlichen Sodbrunnen auf ihre Wasserqualität hin zu überprüfen. Das Ergebnis war ernüchternd. Die Untersuchung des Wassers der Sodbrunnen Bärensödli, Berntorsod, Sod im oberen und Sod im unteren Bälliz ergab, dass diese Wässer ziemliche Mengen von festen Bestandteilen, aber auch salpetrige Säure und Ammoniak enthielten und die Bezeichnung eines anständigen Trinkwassers nicht mehr verdienten.

Verunreinigt waren Grundwasserbrunnen oft durch nahe gelegene Sickergruben. Besonders verunreinigt war deshalb auch der Berntorbrunnen (der auch den Namen Hühnersod trug), der in der Nähe des Viehmarkts stand.

Anlässlich der schlechten Resultate der Trinkwasseranalyse schrieb das Thuner Blatt: «Mag das ein Ansporn sein, die Sache der Wasserversorgung mit allem Ernst und Eifer voranzutreiben.» Als erste Massnahme liess der Gemeinderat Ende August beim Berntorbrunnen eine Tafel aufstellen, auf der vor schlechtem Trinkwasser gewarnt wurde.

Was vor 150 Jahren sonst noch für Schlagzeilen sorgte:

4.8.1869: Lebensmittelpreise in Thun. Anken in Ballen à 1 Pfd. –.98 Fr. bis 1.03. Kartoffeln per Zentner 3.00 bis 3.50. 12 bis 14 Eier für 60 Cts.

4.8.1869: Aus dem Niedersimmental brachten letzten Montag zwei Landjäger eine Bande von Falschmünzern. Es waren zwei noch ziemlich junge Männer und der Vater des einen.

7.8.1869: Auswanderer. Mache hiermit darauf aufmerksam, dass ich jeden Samstag bei Herrn Karl Gerber zum Rössli in Thun zu sprechen bin. J. Rahm, Auswanderungs-Agent, Bern.

11.8.1869:Der Plan für die Erneuerung des Oberbaues der Allmendbrücke in Eisen mit einem Voranschlag von 33000 Franken wird vom Kanton genehmigt und die Baudirektion ermächtigt, die Anhandnahme des Baues anzuordnen. Nach Vertrag von 1759 hat der Staat die Hälfte der obigen Kostensumme zu tragen.

14.8.1869: Musikalische Abendunterhaltung zum Besten der Wassergeschädigten von Lenk und Meiringen, gegeben von der hiesigen Schützenmusik, dem Männer- und Gemischten Chor. Sonntag, den 15. August, nachmittags 3 Uhr in der Weidenau.

14.8.1869: Die Feuerwehrmusterung vom letzten Donnerstag hat wohl allgemein den besten Eindruck gemacht und bewiesen, dass die gesamte Organisation im besten Fortschritt begriffen ist.

18.8.1869: In der ausserordentlichen Einwohnergemeindeversammlung vom letzten Montag wurden die Verträge der Einwohnergemeinde Thun mit der Eidgenossenschaft einerseits und mit den Unternehmern Hrn. Studer und Aeschlimann in Thun anderseits über Erstellung einer Wasserleitung genehmigt. In Folge dieser Verträge soll die Zuleitung der vielbesprochenen Hombergquellen nach Thun und zu den eidgenössischen Militär-Anstalten in der Nähe der Stadt bis zum 30. Juni 1870 vollendet sein.

18.8.1869: Die Feldschützengesellschaft von Thun hat beschlossen, Sonntag, den 26. September, oder, im Falle ungünstiger Witterung den 3. Oktober nächsthin, auf der eidg. Allmend ein kantonales Feldschiessen abzuhalten.

21.8.1869: Sonntag, den 22. August, wird die Blechmusik des eidg. Laboratoriums in Thun sich bei der Wirtschaft auf dem Strättlighügel produzieren.

21.8.1869: Die Polizeikommission hat Gottlieb Wüthrich von Trub, Taglöhner beim Berntor dahier, für die Gemeinde Thun als Wasenmeister für die Beseitigung abgestandener Tiere bestellt.

21.8.1869: Durch die in letzter Zeit gemachten Erfahrungen veranlasst, verbietet die Polizeikommission des Gemeinderates alles Fahren über öffentliche Treppen mit Wagen jeder Art und dgl. bei einer Busse bis Fr. 75 nebst Schadenersatz.

21.8.1869: Alte Oele in Thun. Die Unterzeichnete zeigt dem verehrten Publikum an, dass sie ihr Oele-Etablissement wieder hat herstellen lassen und dass dasselbe sich nunmehr in gutem, brauchbaren Zustand befindet. Witwe Schneider, Oelerin.

21.8.1869: Die Unterzeichnete macht die ergebene Anzeige, dass sie sich auf der Oele in Thun als Modistin etabliert hat, und empfiehlt sich unter Zusicherung prompter und billiger Bedienung. Luise Schneider.

21.8.1869: Die Direktion der Thuner Dampfschiffahrtsgesellschaft beschloss den Bau eines neuen Dampfschiffes für den Thunersee.

25.8.1869: Französische Steinkohlen von St. Etienne sind wieder regelmässig zu haben bei Ad. Hemmann, Speditor, und Sl. Fritz, Schlosser.

25.8.1869: Wenn jemand durch Joh. Ulr. Heiniger, Zögling der Blindenanstalt Bern, Klavier stimmen lassen wünscht, melde er sich gefälligst bei Bäcker Scheidegger im Rosengarten.

28.8.1869: Da der Unterzeichnete als Gesangslehrer am Progymnasium und der Mädchensekundarschule diese Stelle angetreten, empfiehlt er sich auch für Privatunterricht in Klavier, besonders für Vorgerückte, und Violin für Anfänger. A. Scherrer, Musiklehrer im Hause der Herren Gerber beim Bahnhof, 2. Etage.

28.8.1869: Neue Einrichtung von Dampf-Schweissbädern zur schnellen Heilung der Rheumatismen bei Rud. Immer-Gerber, Lampiste in Thun und Hofstetten.

Quelle: Stadtarchiv Thun

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