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«Unsere Kulturausgaben sind moderat»

Kürzlich ist das überarbeitete Kulturleitbild der Stadt Thun in Kraft getreten. Marianne Flubacher, die Leiterin der Kulturabteilung, sagt, weshalb es dieses braucht.

Barbara Schluchter-Donski
«Ich will sehen, was wir unterstützen, und nicht nur am Schreibtisch entscheiden»: Die Leiterin der städtischen Kulturabteilung,Marianne Flubacher, erklärt im Gespräch mit dieser Zeitung, wie sie ihre Aufgabe versteht. Foto: Patric Spahni
«Ich will sehen, was wir unterstützen, und nicht nur am Schreibtisch entscheiden»: Die Leiterin der städtischen Kulturabteilung,Marianne Flubacher, erklärt im Gespräch mit dieser Zeitung, wie sie ihre Aufgabe versteht. Foto: Patric Spahni

Marianne Flubacher, welches ist die letzte kulturelle Veranstaltung, die Sie besucht haben?

Das war das zweite Sinfonie­konzert des Thuner Stadtorchesters am letzten Wochenende im KKThun.

Und wann haben Sie sich für den Besuch entschieden?

In den Weihnachtsferien.

Dann planen Sie solche ­Besuche langfristig?

Ja, ich will schon von Berufes wegen möglichst viele Veranstaltungen besuchen – und das muss ich rechtzeitig planen. Denn ich will sehen, was wir unterstützen, und nicht nur am Schreibtisch entscheiden.

Dann sind Sie keine durchschnittliche Kulturnutzerin. Immer mehr Menschen entscheiden sich kurzfristig und spontan für einen Konzert- oder einen Theaterbesuch…

Ja, das höre ich sehr oft von Veranstaltern. Für sie erschwert es die Planung, wenn sie weniger Abonnenten und ein paar Tage vorher oft noch viele Plätze frei haben und nicht wissen, woran es liegt.

Sie haben diesem Umstand deshalb auch einen Abschnitt im neu überarbeiteten Kulturleitbild gewidmet…

Ja, es ist eine gesellschaftliche Entwicklung, die übrigens überall, also auch in anderen Städten, feststellbar ist, die wir ernst nehmen. Deren Erwähnung gehört deshalb auch in ein Papier wie ein Leitbild, weil sie unser Handeln und das der Veranstalter beeinflusst.

Inwiefern können Sie denn als Stadt Hilfestellung geben?

Indem wir beispielsweise mit Posts auf sozialen Medien zusätzlich auf die Anlässe aufmerksam machen. Das kann helfen.

Es gibt aber auch andereneue Trends, die Sie im Leitbild aufnehmen.

Ja, vor allem auch vieles, was die Finanzierung anbelangt. Alles muss heute wirtschaftlich betrieben werden. Die Anforderungen an Kulturanbieter sind insgesamt gestiegen. Ein Trend sind aber auch die demografischen Veränderungen.

Inwiefern?

Mit der steigenden Lebenserwartung wird auch das Publikum älter. Die Veranstalter sind insofern gefordert, als sie dieses treue Publikum behalten und gleichzeitig ein jüngeres Publikum hinzugewinnen wollen und müssen. Immer mehr bieten auch deshalb Workshops und Vorstellungen für Familien und Kinder an.

Kommen wir nochmals auf die Finanzen zurück. Sie schreiben im Leitbild, dass die Kultur­ausgaben der Stadt im gesamtschweizerischen Vergleich moderat seien. Was genau heisst das?

Die Taschenstatistik der Kultur der Schweiz mit Zahlen aus dem Jahr 2015 zeigt auf, dass die durchschnittlichen Kulturausgaben der Städte und Gemeinden pro Kopf und Jahr in der Schweiz 169 Franken betragen. In Thun liegen diese bei 127 Franken.

Weshalb ist das so?

Das wurde im städtischen Budget so definiert. Unsere Kulturausgaben sind also vergleichsweise moderat, zumal in den 127 Franken auch das Kunstmuseum und die Stadtbibliothek mit den dazugehörenden Personalkosten enthalten sind. In anderen Städten laufen die Bibliotheken zum Teil über eine andere Rechnung, was die Thuner Zahlen nochmals in einem anderen Licht dastehen lässt.

Das macht Ihre Arbeit nicht einfach…

Es ist meine Aufgabe, mit den vorhandenen Mitteln haushälterisch und sinnvoll umzugehen. Als Bindeglied zwischen den Kulturschaffenden, der Politik und der Öffentlichkeit versuche ich zu vermitteln, aber auch zu argumentieren, weshalb nun ein Veranstalter mehr Geld braucht, damit er weitermachen und sich weiterentwickeln kann. Das ist immer auch ein Abwägen und Neubeurteilen, denn es gibt ja viele Veranstalter.

Dann sind Sie in einer Sandwichposition?

Ja, aber ich mag diese Rolle, weil sie sehr spannend ist. Ich versuche, so gut wie möglich zu unterstützen und auch ausserhalb der finanziellen Fragen neue Wege aufzuzeigen, indem ich die Veranstalter zum Beispiel untereinander vernetze.

Und das klappt?

Ja, Thun hat dafür eine perfekte Grösse. Die Veranstalter kennen sich und arbeiten auch gut und gerne zusammen. Bestes Beispiel dafür ist die Thuner Kulturnacht.

Und was zeichnet die Thuner Kultur sonst noch aus?

Ich erlebe die Thuner Kultur als sehr spannend und lebendig. Zum Teil haben neue Leute mit neuen Ideen die Verantwortung übernommen. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg.

Und inwiefern hilft das Kulturleitbild dabei?

Es zeigt, wo unsere Schwerpunkte liegen, welche Dienstleistungen wir anbieten und wofür wir uns einsetzen. Es gibt immer wieder Kulturschaffende, die erstmals einen Anlass oder ein Projekt in Thun durchführen. Das Leitbild dient ihnen da als Orientierungsrahmen. Und uns selbst hilft es, unsere Arbeit immer wieder kritisch zu hinterfragen. Die Massnahmen und Leitsätze sind die Leitplanken, in welchen wir uns bewegen und die uns trotzdem viel Spielraum lassen.

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