Unterwegs – mit Kurs aufs Glück

Thun

Durch Meditation sei sie zufriedener geworden, sagt Rebecca Jenny. Mit ihrem Buch «Die unfreiwillige Heilige» möchte sie Zuversicht und Gelassenheit vermitteln.

Rebecca Jenny?kam die Idee fürs Buch in einem Schweigeseminar – «nicht eben dort, wo man über Geschichten nachdenken sollte», sagt sie.

Rebecca Jenny?kam die Idee fürs Buch in einem Schweigeseminar – «nicht eben dort, wo man über Geschichten nachdenken sollte», sagt sie.

(Bild: Patric Spahni)

Irgendetwas hat sie, diese Rebecca Jenny, das einen nicht loslässt. Da ist ihre tiefe, ruhige Stimme, mit der sie überlegt, fast schon andächtig spricht. Da sind ihre durchdringenden Augen, mit denen sie, so scheint es, ihrem Gegenüber direkt in die Seele blicken kann. Und da ist ihre Lebensgeschichte, die stets von Impulsen und Bauchentscheiden geprägt war. Einige Aspekte aus ihrem Leben hat sie in ihr erstes Buch «Die unfreiwillige Heilige» einfliessen lassen, das sie am Dienstag anlässlich einer Vernissage vorstellt (siehe Kasten).

Geerdete «Eso-Tante»

Heute ist Rebecca Jenny als Meditationslehrerin und energetische Therapeutin tätig. Sie sei eine «Eso-Tante», sagt sie selber, «aber ‹feiechli› eine geerdete». Diese ­Erdung erfahre sie, die sich auch intensiv mit Übersinnlichem ­beschäftigt, unter anderem durch ihre Tätigkeit in der Café-Bar Mokka. Hier steht sie ein paar Mal pro Monat hinter dem Tresen.

Genau das Mokka, wo sie vor rund zwei Jahrzehnten nach einer KV-Lehre arbeitete, war für die gebürtige Kiesenerin Ausgangsort einer langen Reise – im übertragenen und im tatsächlichen Sinn. Weil sie an einem Tinnitus zu leiden begann, entschied sie sich – aus dem Bauch heraus – für eine Auszeit. Eine langsame Reise sollte es sein. Also tingelte sie in Spanien von Hafen zu Hafen, um irgendeinen Frachter zu finden, der sie mitnehmen würde, egal wohin. «Bald wurde mir aber klar, dass ich als Frau keine Chance hatte», blickt sie zurück. Also versuchte sie es bei Segelschiffen – und hatte Glück.

Auf hoher See

Zwei Italiener nahmen sie auf ihrem Zweimaster mit. Ganze drei Monate war Rebecca Jenny daraufhin auf hoher See. «Mitten in der Nacht irgendwo im Atlantik allein auf Deck zu stehen, gehört noch heute zu den schönsten Momenten meines Lebens», schwärmt sie. «Ich empfand so eine tiefe Freude, so weit weg zu sein von allem.»

Es folgten weitere lange Reisen: mit dem Motorrad nach Indien, später nach Südkorea, mehrmals nach Mittel- und Südamerika, wohin auch immer ihr Gefühl sie trieb. Zurück in der Heimat, verschlug es sie für mehrere Jahre nach Zürich, wo sie sich in der Clubszene betätigte. Es sei eine intensive Zeit gewesen, sagt sie, und der Lebensstil alles andere als gesund.

Zugleich begann die heute 41-Jährige eine Ausbildung zur energetischen Therapeutin, die auch die Ausbildung zur Meditationslehrerin beinhaltete. «Von Meditation hielt ich bis dahin nicht viel», erinnert sie sich. «Doch genau dadurch begann ich mich wieder besser zu spüren.» Das geistige Training stand aber in immer grösserem Widerspruch zu ihrem damaligen Lebensstil. Irgendwann folgte der Zusammenbruch.

Meditation half bei Heilung

Eben durch die Meditation habe sie allmählich wieder zu Kräften gefunden, erzählt Rebecca Jenny, die heute in Sigriswil lebt. «Das ist sicher mit ein Grund, weshalb ich jetzt so viel Leidenschaft dafür habe», sagt sie, «weil ich an mir selber erfahren habe, welche Auswirkungen das reine Trainieren des Geistes auf das Glücksempfinden und auf die Gesundheit hat.»

Nach weiteren Reisen und Aufenthalten in Meditationszentren auf der ganzen Welt begann Rebecca Jenny schliesslich, ihre Leidenschaft weiterzugeben, und führte erste Kurse durch.

«Wir sollten glücklich sein»

Meditation, sagt Rebecca Jenny, bringe Frieden und Freiheit: «Sie hilft, Sachen anzunehmen, wie sie sind, und ermöglicht, das Leben im Moment besser geniessen zu können.» Das bewusste Hervorheben konstruktiver Gedanken führe zu einem glücklicheren Leben, ist sie überzeugt. Dazu gehöre auch, Dinge zu akzeptieren und aufs Bauchgefühl zu hören.

Genau das tat sie auch, als sie das Buch – in dem Meditation, insbesondere mit Kindern, eine zentrale Rolle spielt – zu schreiben begann. Geplant war das, wie vieles in ihrem Leben, nämlich nicht.

Die Vernissagefindet am Dienstag um 20 Uhr in der Buchhandlung Thalia im Bälliz statt.www.rebeccajenny.ch

Thuner Tagblatt

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