Zum Hauptinhalt springen

Up in the Ski

In der Nordic Arena in Kandersteg fand letztes Wochenende die Helvetia Nordic Trophy statt. Die sechs Mädchen des Skiclubs Kandersteg gaben dem Pfeffer-Team einen Einblick in die Kunst des Skispringens.

Carina beim Absprung von der kleinsten Schanze.
Carina beim Absprung von der kleinsten Schanze.
Meret Schmid
1 / 1

Zeitreise in Kandersteg: 1978 startete man mit dem Bau der Mattenschanzen, und innerhalb eines Jahres entstand das Nationale Nordische Skizentrum. 1979 wurden die Schanzen mit einem internationalen Skispringen eröffnet. Seitdem finden hier Trainings und Wettkämpfe statt.

Seit dem letzten grossen Umbau heisst die Anlage nun Nordic Arena – und ist unter anderem Heimat des regionalen Skisprungnachwuchs. Die Helvetia Nordic Trophy Kandersteg ist einer von neun schweizweiten Skisprungwettkämpfen für Kindernachwuchstalente. Es gibt die Kategorien U-10, U-13 und U-16, jeweils für Mädchen und Jungen. Springen darf man theoretisch ab null, solange man auf Ski stehen kann.

Mutige Mädchen

Am Wettkampfmorgen können die Sportlerinnen noch auf allen Schanzen trainieren, der Wettkampf findet dann am Nachmittag statt. Die sechsjährigen Mädchen Saskia und Carina sind zuerst am Start, danach starten die elfjährige Giulia, die dreizehnjährigen Mädchen Ilaria und Ida, und am Schluss springt die fünfzehnjährige Lea. Sie trainieren alle seit einem bis dreieinhalb Jahren und haben Distanzrekorde zwischen 6 und 70 Metern.

Die sechsjährige Saskia hat mir erzählt, dass sie Ski springt, weil sie bereits gut Ski fahren konnte und ja dann eigentlich nur noch das Springen fehlen würde. Da sie noch jung ist, trainiert sie einmal pro Woche und wird dafür vom Trainer zusammen mit anderen Skispringern in Thun abgeholt und nach Kandersteg mitgenommen. Ihr erster Sprung war in Marbach. «Ich wollte zuerst nicht den ganzen Auslauf runterfahren und wurde vom Trainer immer ein Stückchen weiter nach oben in die Anlaufspur gesetzt, bis ich am Schluss von zuoberst gesprungen bin», erzählte sie mir schüchtern. Später einmal möchte sie Lehrerin werden.

Der gleichaltrigen Carina gefällt am Skispringen, dass man einen Schanzentisch hat, wodurch man besser abspringen kann. Ausserdem ist man in der Wintersaison im Schnee, «und man kann Schneeballschlachten und Schneemänner machen». – «Meine Vorbilder sind meine Schwestern, Ilaria und Giulia», sagte sie stolz. Schwierig findet sie, dass es manchmal bei den Schanzen kleine Hügel gibt und man dadurch leichter umfallen kann. Carina möchte Reiterin werden, wenn sie gross ist.

«Dumm gestürzt»

Giulia ist die Leaderin der U-13 und hat bessere Resultate als viele Jungen in ihrer Kategorie. «Ich bin einmal beim Landen dumm gestürzt und hatte danach einen Oberschenkelspiralbruch, aber sonst ist mir nie etwas passiert», erklärte sie mir. Sie mag den Sport, weil es etwas anderes ist und man in der Natur sein kann. Giulia trainiert zweimal pro Woche und will später einmal Skispringerin werden oder zumindest etwas mit Sport machen.

Die zwei Jahre ältere Ilaria startete aufgrund eines Probetages mit Skispringen, und ihre Schwestern folgten ihr darauf in die Sportart. An ihren ersten Sprung kann sie sich noch gut erinnern. Es sei ganz schnell gegangen, sie habe keine Minute auf dem Balken gesessen und habe sich komisch gefühlt, weil sie so schnell losgefahren sei, aber sie sei gut gelandet und nicht umgefallen.

«Mein peinlichster Moment war wahrscheinlich, als ich im Auslauf in eine Abschrankung gefahren bin. Die sollte eigentlich gar nicht da sein. Ich habe mir jedenfalls den Fuss verstaucht und bin zur Kontrolle im Spital gelandet. Die anderen nennen mich noch immer Rasenmäher», erzählte sie schmunzelnd. Ilaria will später einmal Juristin und Spitzensportlerin werden.

Es braucht Überwindung

Idas Vorbilder sind Lea und Carina Vogt, eine deutsche Skispringerin. «Bei meinem ersten Sprung bin ich ewig lange auf dem Balken gesessen. Alle haben runtergezählt, und ich blieb einfach sitzen. Der Trainer meinte, ich könne jetzt losfahren, aber ich ging nur immer wieder vom Balken runter und wieder rauf, bis ich mich schliesslich überwinden konnte. Dann bin ich umgefallen», beschreibt mir Ida ihren ersten Flug.

Schwierig findet sie, sich beim Absprung voll wegzudrücken, damit man fliegen kann. Die tiefe Hocke bei der Anfahrt koste viel Kraft, und das hohe Tempo – bis zu 80km/h auf Idas Schanze – im Radius des Anlaufes drückt einen zusätzlich runter. Später möchte Ida Floristin werden und nebenbei weiterhin Ski springen.

Hauptsache abheben

Leas Ski sind 2,38 Meter lang und damit die längsten der Mädchentruppe. Sie startete mit Skispringen, weil ihr Stiefvater, Marc Liniger, Skispringer war und er ihr nach dem Umbau die wiedereröffnete Anlage in Kandersteg zeigen wollte. Skispringen mag sie, weil man in der Luft fliegen kann. Sie fliegt auch gerne im Flugzeug. Hauptsache abheben. Eine Schwierigkeit des Skispringens sieht Lea in der Einnahme der richtigen Position in der Luft.

Stimmt sie in der Luft nicht, fliegt man nicht weit, und stimmt sie beim Absprung nicht, wird es sowieso nichts mehr. Es muss alles zusammenstimmen. Auf die Frage, was sie einmal werden möchte, antwortete sie: «Ich will einmal ein Hotel eröffnen. Wenn das mit der Skisprungkarriere nicht klappt, dann sobald wie möglich, und sollte ich Karriere machen, dann halt erst mit vierzig, wenn die erfolgreichen Jahre wieder etwas abflauen.» Simon Ammans Zielsstrebigkeit hat sie jedenfalls bereits.

Interessierte Kinder und Jugendliche sind eingeladen, an den beiden Kinderskispringen vom 4./5. Januar 2020 in der Nordic Arena teilzunehmen. Sprungmaterial steht zur Verfügung, vorgängige Schnuppertrainings unter Anleitung ebenfalls: Kinderskispringen.ch

Meret Schmid (21) studiert an der Uni Bern Medizin. Ihre Hobbys sind Schwimmen und Lesen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch