Verurteilt wegen Schäden im Moor

Ein Mann wurde wegen Vergehen gegen den Natur- und Heimatschutz im Berner Oberland bestraft. Dagegen erhob er Einsprache. Es geht um Schäden, die in einem geschützten Moor­gebiet verursacht wurden. Nun ist der Mann verurteilt worden.

Mit dem Abtransport von 1050 Kubikmeter Holz hat ein Mann Schäden an einem geschützten Moor verursacht und wurde dafür verurteilt (Symbolbild).

Mit dem Abtransport von 1050 Kubikmeter Holz hat ein Mann Schäden an einem geschützten Moor verursacht und wurde dafür verurteilt (Symbolbild). Bild: Sibylle Meier

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Ein 37-jähriger Schweizer er­steigerte im Herbst 2015 von einer Alpgenossenschaft im Berner Oberland circa 1050 Kubikmeter Holz ab Stock. Nachdem die zu schlagenden Bäume durch den Revierförster angezeichnet worden waren, soll dieser den Mann darauf hingewiesen haben, dass das vorgesehene Bringungsverfahren mit zwei Seilkran­linien vom Holzerplatz zur Strasse über ein Hochmoor und ein Flachmoor von nationaler Bedeutung führe.

Trotzdem hat er sich für das erwähnte Verfahren entschieden, obwohl er auch als Vorstandsmitglied der Alpgenossenschaft um die Risiken hätte wissen müssen. Den Auftrag vergab der Mann an einen Forstunternehmer. Dabei soll er es unterlassen haben, diesen zu orientieren, dass die Seilkran­linien über bundesrechtlich geschützte Moorlandschaften führten, was eine besonders schonende Vorgehensweise erforderte.

Tiefe Gräben

In der Folge wurde die Holz­bringung aus ökonomischen Gründen wie vorgesehen mit einem Seilkran durchgeführt, obschon schonendere Varianten technisch möglich und wirtschaftlich vertretbar gewesen wären. Durch das Schleifen der Stämme über den Boden der geschützten Moorfläche entstanden bei der ersten Seilkranlinie Gräben von bis zu anderthalb Metern Tiefe.

Obschon der Vorstand der Alpgenossenschaft davor gewarnt habe, dass bei der zweiten Seillinie keine Schäden mehr entstehen dürften, habe der Auftraggeber das Vorgehen zur Holzbringung nicht geändert, wobei wiederum tiefe Gräben entstanden sind. Die Instandstellungskosten werden mit 25 000 bis 30 000 Franken beziffert. Deren Regelung ist Gegenstand eines verwaltungsrechtlichen Verfahrens.

Die Instand­stellungskosten werden mit 25?000 bis 30?000 Franken beziffert.

Nach einer Anzeige wurde der Mann von der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region Oberland, wegen Vergehen gegen das Bundesgesetz über Natur- und Heimatschutz (mehrfach) schuldig erklärt. Er wurde mit einer bedingten Geldstrafe von 24 Tagessätzen zu je 100 Franken bei einer Probezeit von zwei Jahren bestraft. Neben einer Verbindungsbusse von 600 Franken wurden ihm Gebühren von 500 Franken auferlegt. Weil er gegen den Strafbefehl Einsprache erhob, kam es am Donnerstag zur Hauptverhandlung vor dem Regionalgericht Oberland in Thun.

Zu wenig Klarheit

Bei der Einvernahme von fünf Zeugen respektive Auskunfts­personen durch Gerichtspräsidentin Natalie Fritz ging es vor ­allem um die Frage, ob der Beschuldigte darauf aufmerksam gemacht wurde oder ob er es hätte wissen müssen, dass die zwei Seilkranlinien über geschützte Moore führen würden. Zu diesem Punkt konnte keine eindeutige Klarheit geschafft werden.

«Verschiedene Exponenten machen allein meinen Mandanten verantwortlich», führte der private Verteidiger in seinem Plädoyer unter anderem aus. Er beantragte einen Freispruch und eine Entschädigung.

Die Einzelrichterin kam zum Schluss, dass der Beschuldigte als Vorstandsmitglied und Bannwart der Alpgenossenschaft gewusst haben müsse, dass er mit seinem Vorgehen Schaden anrichten würde. Sie verurteilte ihn zu ei­ner bedingten Geldstrafe von 16 Tagessätzen zu je 110 Franken bei einer Probezeit von zwei Jahren und zu einer Verbindungsbusse von 440 Franken. Zudem hat er die Verfahrenskosten zu tragen.

(Thuner Tagblatt)

Erstellt: 11.10.2018, 09:46 Uhr

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