Thun

Verurteilte Brandstifterin muss in die Therapie

ThunEnde 2015, anfangs 2016 wurden in Thun mehrere Brände gelegt. Personen kamen keine zu Schaden. Die Brandstifterin wurde am Mittwoch vom Regionalgericht in Thun zu einer unbedingten Freiheitsstrafe verurteilt.

Eine Brandstifterin wurde am Mittwoch in Thun vom Gericht zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt. (Symbolbild)

Eine Brandstifterin wurde am Mittwoch in Thun vom Gericht zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt. (Symbolbild) Bild: Fotolia

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Ende 2015 zündete die heute 46-jährige Frau zuerst im Mehrfamilienhaus, in dem ihre Mutter wohnte, vor einer Wohnungstüre Zeitungen an. Die Bewohnerin konnte das Feuer löschen. Einen Monat später machte sie dies erneut. Es kam zu einem Glimmbrand, der selber erlosch.

Weiter ging es mit einem Kellerbrand im Haus, wo sie selber wohnt. Dort zündete sie einen Plastiksack in einem Kellerabteil an und in einem andern setzte sie Zeitungen in Brand. Weil sich viel Rauch entwickelte, löste die Brandmeldeanlage einen Alarm aus. Polizei und Feuerwehr kamen und bekämpften den Brand. Ende Februar, anfangs März zündete sie zuerst wieder Papier an, später setzte sie Textilien in Brand. Einmal betätigte sie den Brandmelder und löste damit einen falschen Alarm aus.

Alles gestanden

Die Frau wurde kurz nach dem letzten Brand festgenommen und hat im Verlauf der Untersuchungen alles gestanden. Die Frau war bereits 2012 wegen mehrerer Fehlalarme und Erschrecken der Bevölkerung verurteilt worden und befindet sich heute noch in der damals verfügten Massnahme. Das heisst, sie war in einer betreuten Wohnung untergebracht.

Warum machte sie das?

Das Motiv für die Taten ist bis heute unklar. Es gibt nur ein paar Hinweise. Zum Beispiel sagte sie in einem Fall, die Nachbarin habe ständig bei ihr geläutet und ein «Gestürm» angefangen. Einmal erwähnte sie, sie sei in diesem Haus nicht wohl gewesen, sei nicht ernst genommen worden. Einen Zusammenhang gibt es auch mit ihrer psychischen Gesundheit und alle Taten verübte sie unter dem Einfluss von Alkohol.

Die Frau ist laut dem psychiatrischen Gutachten geistig eingeschränkt und leidet an einer Persönlichkeitsstörung. Sobald zum Beispiel die Zeitungen brannten, ging sie weg, zurück in ihre Wohnung und kümmerte sich nicht darum, was weiter passierte. Dass sie mit ihrem Tun die andern Bewohner des Hauses gefährdete, daran dachte sie nicht.

War es immer Brandstiftung?

Für den Tatbestand der Brandstiftung braucht es eine Feuersbrunst. Daher war rasch klar, dass nur der Kellerbrand Brandstiftung war. Die Staatsanwältin sprach bei den andern Vorkommnissen von versuchter Brandstiftung. Es hätte ohne rechtzeitiges Eingreifen jeweils eine Feuersbrunst entstehen können. Deshalb prüfte die Gerichtspräsidentin in allen andern Fällen sorgfältig, war es versuchte Brandstiftung oder nicht.

Sie kam in vier Fällen zur Überzeugung, dies auch auf Grund der polizeilichen Abklärunen, dass die Frau freigesprochen werden müsse. Aus den angezündeten Zeitungen in einem Treppenhaus aus Stein hätte gar nie eine Feuersbrunst entstehen können. Die Zeitungen verglimmten und erloschen von selber.

Massnahme gefordert

In einem Punkt waren sich alle einig: Die Frau braucht Hilfe. Sie soll deshalb nicht ins Gefängnis, sondern in eine Thearapie. Bei der Höhe der Strafe gingen die Meinungen, was angemessen sei, allerdings weit auseinander. Die Staatsanwältin verlangte eine unbedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten, die Verteidigerin eine solche von 7 Monaten. Die Richterin sprach eine unbedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten aus.

Diese sei aufzuschieben zu Gunsten einer stationären Massnahme. Dort soll die Frau in einem gut strukturierten Programm lernen, mit Frust, belastenden Situationen und dem Alkoholkonsum umzugehen, so wie es das Gutachten empfiehlt. Wann die Frau von der stationären Therapie wieder in ein betreutes Wohnen wechsel kann, wird der Verlauf der Therapie zeigen. Für die Freisprüche in vier Fällen wird der Frau ein Fünftel der Verfahrenskosten erlassen. Sie bezahlt noch gut 18'000 Franken. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 06.12.2017, 19:45 Uhr

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