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Vom Krieg zum Frieden

Mit der Friedensmesse «The Armed Man» von Karl Jenkins schenkte der Cäcilienchor Thun seinem Publikum in der Stadtkirche ein ergreifendes Hörerlebnis.

Der Cäcilienchor Thun überzeugte bei seinem Auftritt in der Stadtkirche.
Der Cäcilienchor Thun überzeugte bei seinem Auftritt in der Stadtkirche.
Markus Hubacher

Militärische Trommelwirbel und ein durchdringender Gesang der Piccoloflöte nehmen schon am Anfang des Konzerts seltsam gefangen. «The Armed Man» entstand zum Millennium im Auftrag des Museums Royal Armouries und ist den Opfern des Kosovokriegs gewidmet. Es basiert auf Texten der katholischen Messliturgie und dem Soldatenlied «L’homme armé» aus dem 15. Jahrhundert.

Hoffnung auf Frieden und Kriegsgeschrei

Der vierstimmige Cäcilienchor Thun mit rund hundert Sängerinnen und Sängern unter der Leitung von Joseph Bisig intoniert dieses Lied des waffentragenden Mannes wie ein Mantra mit einlullender Wirkung. Begleitet wird der Chor vom «Jenkins-Projekt-Orchester» mit professionellen Musikern aus Thun, ergänzt durch einige versierte Amateure. Der Konzertmeister des Thuner Stadtorchesters, Harri Leber, organisierte die Ad-hoc-Formation.

Das musikalische Porträt der Kriegsbedrohung vom walisischen Komponisten Karl Jenkins ist gespickt mit besinnlichen Momenten. Fernab von Schlachtrufgeheul singt Peter Cunz als Muezzin sehr melodiös das Alluha akbar (Gott ist gross), den Aufruf zum Gebet der Muslime. Das Kyrie eleison (Herr, erbarme dich) der Mezzosopranistin Amanda Schweri dringt als getragener und besänftigender Part der Friedensmesse ins Ohr.

Die musikalische Umsetzung der Psalmen 56, 2–3 und 59, 2–3 «Save Me from Bloody Men» ist an gregorianische Gesänge angelehnt und wird von den männlichen Stimmen des Cäcilienchors übernommen. Der Paukenschlag vor dem zuletzt gesungenen «Bloody Men» lässt viele Gäste in der fast voll besetzen Stadtkirche zusammenzucken. Federleicht und jubilierend folgt das liturgische Sanctus.

Das Wechselbad von Hoffnung auf Frieden und Kriegsgeschrei nimmt mit «Hymn Before Action» (Lobgesang vor der Schlacht) von Rudyard Kipling aus «Seven Seas» seinen Lauf: «Herr, du kennst unser Leben, gib für den Tod uns Kraft.» Gänzliche Stille im Publikum kehrt beim Liedvortrag «Angry Flames» von Amanda Schweri ein.

Der Japaner Toge Sankichi schrieb den Text von «Zornige Flammen» als Augenzeuge unter dem Eindruck der Atombombe, die am 6. August 1945 auf Hiroshima fiel. Sankichi starb 1957 im Alter von 36 Jahren an Leukämie, ausgelöst durch die radioaktive Strahlung. «Unzählige Menschen, auf allen vieren, in einem Haufen glimmender Asche, die aufglüht und schwächer wird. Zerrissenes Haar, starr im Tod. Ein Fluch liegt über dem Land...»

Chorkonzert-Erlebnis mit einer Friedensbotschaft

Verstörend wirkt auch der vertonte Auszug «Torches» (Fackeln) aus dem indischen Heldenepos «Mahabharata» (zwischen 400 v. Chr. und 400 n. Chr.), wo es heisst «Die Tiere liefen in alle Richtungen, entsetzlich schreiend, viele brannten...». Das darauf folgende Agnus Dei (Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden) klang in diesem Kontext ungemein tröstlich. Mit «Better Is Peace», «Gott wird abwischen alle Tränen, und der Tod wird nicht mehr sein», endete ein aussergewöhnliches Chorkonzerterlebnis mit eindeutiger Friedensbotschaft. Nahezu alle anwesenden Gäste in der Stadtkirche hob es zum Applaus aus ihren Sitzen.

Am 10. November, 19 Uhr, wird das Konzert «The Armed Man» von Karl Jenkins mit gleicher Besetzung in der Französischen Kirche Bern wiederholt. Weitere Infos und Tickets www.caecilienchor-thun.ch

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