Von einer Opernwelt in die nächste

Sigriswil

Hoch begabte Sängerinnen und Sänger luden im Rahmen der 26. Internationalen Opernwerkstatt «Festival der jungen Stimmen» zu einer Galavorstellung.

Opernpower in der Kirche Sigriswil: Das Ensemble startete mit der «Walküre» von Richard Wagner.<p class='credit'>(Bild: Patric Spahni)</p>

Opernpower in der Kirche Sigriswil: Das Ensemble startete mit der «Walküre» von Richard Wagner.

(Bild: Patric Spahni)

Wenn Walküren zum Auftakt klimpernd in Tassen rühren oder bedrohlich kickboxen, ist das ein Versprechen für einen fulminanten Abend. Für die Gäste in der Kirche Sigriswil hätte die Mischung nicht bunter sein können. Nach dem «Walkürenritt» von Richard Wagner beeindruckte Lukasz Hajduczenia aus Polen mit dem «Kaddish» (Gebet für die Verstorbenen) von Maurice Ravel und einem Bariton voll samtener Intensität.

Federleicht intonierte die russische Sopranistin Elena Epi­khina «Ich fühl’s» aus Mozarts «Zauberflöte». Dagegen war das zeitgenössische Werk «Ich wandte mich und sah an alles Unrecht . . .» von Bernd Alois Zimmermann mit Bariton Yves Brühwiler aus der Schweiz eine schwere Kost angesichts der atonalen Komposition. Beruhigend lullte daraufhin der Spanier Gerard Farreras Gonzales mit vollem Bass «In diesen heil’gen Hallen» aus der «Zauberflöte» ein.

Arien aus drei Jahrhunderten

Mit insgesamt 24 Arien aus drei Jahrhunderten unter der musikalischen Leitung von Yannis Pouspourikas gelang der Opernwerkstatt eine Mischung, die sowohl gefällige und bekannte Opernhits als auch einige Kompositionen der neuen Musik zu Gehör brachte. Wie etwa die Szene «Marie/Tambourmajor» aus «Wozzeck» von Alban Berg mit der belgischen Sopranistin Anne-Sophie Sevens und dem Tenor July Zuma aus Südafrika.

Das wohl aussergewöhnlichste Stück sang die Mezzosopranistin Shira Agmon aus Israel, die bewies, was eine Stimme zu modellieren vermag. Ihre «Aria» von John Cage verlangte von Grunzen über Quieken und Röchelnd-die-Luft-Einsaugen bis hin zum Indianergeheul und zum hemmungslosen Stöhnen der Interpretin einiges ab. Beeindruckte Rufe aus dem Publikum blieben nicht aus.

Pietro Masca­gnis «Cavalleria Rusticana» mit dem Duett «Ad essi non perdono» lenkte das Operngeschehen wieder in gewohnte Bahnen. Auch das berühmte «Bella figlia dell’amore» aus Verdis «Rigoletto» mit Krem Çetinkaya (Türkei), Elnara Mammadova (Aserbeidschan), Andrei Danilov (Russland) und Dilan Saka (Türkei) versetzte das Publikum in gewohnte Opernlaune.

Regisseur Anthony Pilavachi inszenierte die unterschiedlichsten Opernszenen mit feinem Gespür fürs Wesentliche. Die Choreografie machte es leicht, von einer Opernwelt in die nächste zu finden.

Heller Sopran, voller Bass

Unter all den grossartigen Stimmen strahlte der Sopran der US-Amerikanerin Laura Meenen besonders hell. Ihr «Se pietà die me non senti» aus Georg Friedrich Händels «Giulio Cesare» war an Brillanz und Dramatik nicht zu überbieten. Im Duett mit Bariton Gamid Abdulov (Aserbeidschan) in «De cidi il mio destin» aus Ruggero Leoncavallos «Pagliacci» berührte besonders die hervorragende Harmonie der Stimmen.

Eine weitere Überraschung bescherte Giorgy Ekimov aus Russland, denn bei dem jugendlichen Aussehen des Sängers hatte wohl niemand mit einem solch ausgeprägten, vollen Bass gerechnet, den er wohltönend bei Gioacchino Rossinis «Deh! Ti ferma ti placa» aus «Semiramide» einsetzte.

Hinreissend lieferte Dilan Saka die bekannte Arie «Seguedille» aus Georges Bizets «Carmen» ab. Mit den zwei Opernhits «Largo al factotum» aus Rossinis «Il Barbiere di Siviglia» mit Gamid Abdulov und «Kleinzack» aus Offenbachs «Hoffmanns Erzählungen» mit Andrei Danilov endete ein fulminanter Opernabend, der vom Publikum mit stehenden Ovationen gefeiert wurde.

Weitere Aufführungen«Festival der jungen Stimmen – Internationale Opernwerkstatt 2018» am 13. Oktober, 19.30 Uhr, Elisabethen-Kirche Basel; 14. Oktober, 19.30 Uhr, Theater Rigiblick, Zürich.www.opernwerkstatt.com

Thuner Tagblatt

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