Wacker, der erfolgreiche Sonderfall

Die Thuner wurden Meister, obwohl sie ohne Verstärkung aus dem Ausland angetreten waren. Hat Wacker damit Einmaliges geschafft?

Das Spezielle am Thuner Triumph: Er wurde gänzlich ohne Verstärkung aus dem Ausland errungen.

Das Spezielle am Thuner Triumph: Er wurde gänzlich ohne Verstärkung aus dem Ausland errungen.

(Bild: Keystone)

Adrian Horn

Es ist die Woche ihres Lebens. Meister sind die Leute von Wacker Thun am Montag geworden, und seither ist Feiern angesagt. Erst wurden sie auf dem Rathausplatz von Hunderten von Menschen empfangen, dann verreisten jene unter ihnen, die sich dies so kurzfristig hatten einrichten können, nach Mallorca. Und heute nun erfolgt im Rahmen eines Plauschturniers die Verabschiedung jener vier Spieler, die den Club verlassen werden.

Die Oberländer bestätigten mit ihrem Titel die Vormachtstellung, welche der hiesige Kanton im Bereich Mannschaftssport innehat. In Fussball und Unihockey waren gleichfalls Berner siegreich gewesen. Den Triumph der Thuner speziell macht, dass diese ihn gänzlich ohne Verstärkung aus dem Ausland errungen haben: In Wackers Kader figurierten ausschliesslich Schweizer.

Das elektronische Archiv des Handballverbandes reicht lediglich bis ins Jahr 2001 zurück, und seither ist es keinem ohne Ausländer angetretenen Team gelungen, im Championat zu reüssieren. Einmalig in der Geschichte der Nationalliga A aber ist nicht, was die Thuner vollbracht haben, wie Jürg Jungi sagt. Der Berner gilt als einer der grössten Kenner des hiesigen Handballs, er führt seit Jahrzehnten Statistik und hält fest, dass es etwa der BSV Bern Muri in den Jahren 1961 und 1980 genauso geschafft habe, mit ausschliesslich Schweizer Spielern Meister zu werden.

Perkovac und Lee

Seit den Neunzigerjahren beschäftigen die helvetischen Clubs regelmässig Profis aus dem Ausland. Der kroatische Olympiasieger Goran Perkovac etwa bestritt über zehn Saisons in der Schweiz. Die Kadetten Schaffhausen setzten im Verlauf der letztjährigen Spielzeit neun Ausländer ein. Und selbst bei den Oberländern war es Usus, nicht bloss auf einheimisches Schaffen zu setzen, sie engagierten in der Vergangenheit etwa den südkoreanischen Spitzentorhüter Suik-Houng Lee und den griechischen Rekordnationalspieler Georgios Chalkidis. Zuletzt aber waren bei Wacker die Schweizer Akteure so stark geworden, dass die Ausländer bloss noch Nebenrollen innehatten. Die Verträge mit den Aufbauern Emil Feuchtmann Perez und Nikola Isailovic wurden im Sommer nicht verlängert.

Quintett fürs WM-Playoff

In die Karten spielt der Grundsatz, nach Möglichkeit einheimische Handballer zu verpflichten, dem Nationaltrainer. Michael Suter sagt: «Mich freut es, wenn Schweizer Spieler bei den Topclubs den Ton angeben.» Wacker Thun habe auch ohne Ausländer ein starkes Kader gehabt. Im Aufgebot für das WM-Playoff gegen Norwegen stehen denn auch gleich fünf Spieler der Meistermannschaft.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt