Zum Hauptinhalt springen

«Weh dir, Bethsaida!»

Aus Mangel an vergleichbaren Angeboten in Thun richteten Jugendliche im Pfarrhaus von Pfarrer Lauterburg einen Keller für die Jugend ein. Das scheinbar harmlose Thema löste eine mediale Polemik aus.

Colaflaschen und angeregte Diskussionen im Keller der Jugend: Ein Sündenpfuhl sieht anders aus.
Colaflaschen und angeregte Diskussionen im Keller der Jugend: Ein Sündenpfuhl sieht anders aus.
Manuel Berger / Archiv TT

Nachdem Stimmen laut wurden, in Thun werde nichts für die Jugend getan, stellte Gerhard Lauterburg, Pfarrer, den Jugendlichen im Keller des Pfarrhauses zwei Räume zur Verfügung und stiftete einen Beitrag zum Ausbau der Räume.

Nach 1½ Jahren wurde der Jugendkeller fertig ausgebaut. Alkoholausschank wurde untersagt. «Vorwiegend wird getanzt, doch hat es leider vorläufig zu wenig Mädchen», war in dieser Zeitung zu lesen. «Gestrengen Eltern kann gesagt werden, dass sie ihre Töchter ruhig an diesen Kellerpartys teilhaben lassen können. Stets geht es gesittet und anständig zu.»

Trotzdem schrieb in einem Leserbrief eine gewisse oder ein gewisser H.: «Irgendwann wird es die Kirche schwer bereuen, dass sie sich zu Vorspanndiensten aller so oft zweischneidigen Neuerungen hergibt. (...) Soll denn etwa als Verzeichnis der Speisekarten das Sexbüchlein der 1008 Fragen Hofmanns abgegeben werden?Verkleiden sich Kirchenleute als Jünglinge von 18 Jahren, um sich dort einzuschleichen und aufzutauchen als Nathan oder Jona? Ihr Erfolg wird kein ‹Buss-Erfolg› sein, eher Auszug unter Fussstaubschützen zeitigen: Weh dir, Kapernaum, weh dir, Bethsaida.»

Als Antwort auf diese Polemik folgten zwei Tage später nicht weniger als sechs Leserschreiben, die die Jungen in Schutz nahmen. Eine Mutter schrieb: «Die Zeiten ändern sich, und auch die jungen Menschen ändern sich.

Aber schlechter werden sie nicht. Wenn wir Alten so viel besser wären, wie käme es dann in unserer Gesellschaft zum Profit am Leiden anderer – sei es nun durch Waffenhandel oder ganz gewöhnliche Gedankenlosigkeit? Lassen wir die Jungen in ihrem Keller, und haben wir Vertrauen zu ihnen! Denn Misstrauen vergiftet – dann jagen wir sie anderswohin, wo sie vielleicht Bier trinken statt harmloses Pläterliwasser. Was dann unsere Schuld wäre! Recht herzliche Weihnachtsgrüsse!»

Was vor 50 Jahren sonst noch für Schlagzeilen sorgte:

3. 12. 1968 Nach kurzer, fünf­monatiger Umbauzeit wurde im ehemaligen Möbelgeschäft Gschwend, Marktgasse 5, am 30. November das Teppich-Vorhang-Center Thun eröffnet. Es handelt sich um das grösste Teppich-Center im Berner Oberland. Mit dem kürzlich in Steffisburg eröffneten Möbel-Center besitzt die Firma Möbel Gschwend nun zwei modernst eingerichtete Verkaufsgeschäfte auf dem Platz Thun.

3. 12. 1968 Der Ornitholgische Verein der Stadt Thun hatte die Ehre, die 30. Berner Oberländer Verbandsausstellung für Kaninchen, Geflügel und Tauben in der Reithalle durchzuführen. Dabei waren unter anderem Riesen­kaninchen von 70 cm Länge und einem Gewicht von über 9 kg zu bewundern. Die Frauengruppe Strättligen zeigte Gegenstände aus Kaninchenfellen: Handschuhe, Feldmützen, Schmuckkrawatten usw.

6. 12. 1968 Im Oktober meldeten sich insgesamt 16 stellenlose Personen, von denen 8 versichert waren. Total wurden 80 stellenlose Tage kontrolliert.

6. 12. 1968 Unter der Leitung von Livio Colombi, Präsident, führten die Thuner Kunstfreunde im Thunerhof ihre Hauptversammlung durch. Dr. Ganz wünschte sich eine Erhöhung des Ankaufskredits von der Gemeinde Thun. Er bedauerte, dass für kulturelle Belange im All­gemeinen und für die Kunst im Besonderen oft so wenig Verständnis und Entgegenkommen gezeigt wird. Die Schadauausstellungen werden fortan von den Thuner Kunstfreunden organisiert werden.

9. 12. 1968 Der Wirteverein führte im Hotel Freienhof seine Hauptversammlung durch. Hans-Ueli Balmer, Rössli, Berntor, wurde für eine weitere Amtsdauer als Präsident bestätigt. Der Wirteverein beschloss unter anderem, ab dem 1. April 1969 das Trinkgeld im Preis einzuschliessen.

12. 12. 1968 Um den Hungernden in Biafra zu helfen, verzichteten die Schüler(innen) der Kaufmännischen Berufsschule auf ihre Schulreise. Zurzeit der Kartoffelernte suchten sie bei den Bauern in Thun und Umgebung Arbeitsplätze für einen Tag. Auf diese Weise konnten dem Roten Kreuz 500 überwiesen werden.

14. 12. 1968 In Anwesenheit von 170 Gästen wurde am 13. Dezember der neue Bären-Saal im Dürrenast eingeweiht. Der Saal bietet Platz für 420 Personen, die Bauzeit betrug knapp ein Jahr. Er kostete 1,3 Millionen Franken. Der neue Saal ist ein Gemeinschaftswerk der Stadt Thun und der Brauerei Zum Gurten und entstand an Stelle des Bären, Dürrenast. Die Bierstube im Restaurant wurde Bärenhöhle getauft.

19. 12. 1968 Der «Kalte Märit» verzeichnete eine Auffuhr von 179 Stück Grossvieh, 231 Schweinen, 6 Schafen und 10 Ziegen. Gute Kühe galten 2250 bis 2650 Fr.; Kleine Ferkel per Paar 110 bis 130 Fr.; grosse Ferkel 140 bis 170 Fr.; kleinere Fasel 220 bis 250 Fr.

19. 12. 1968 Der junge Verein «Astrild» erreichte an der grössten schweizerischen Vogelausstellung in Bremgarten, Aargau, den Schweizer-Meister-Titel bei den Stubenvögeln und gewann die höchste Vereinsauszeichnung, den Weissenburger-Pokal. H. Weismüller gelang es, mit vier Amara-Sittichen eine Goldmedaille und den Meistertitel zu erreichen. F. Torche gewann mit acht Vögeln exotischer Körnerfresser den Merkur-Wanderpreis.

20. 12. 1968 Der Tennisklub Kyburg führte unter der Leitung von Roland Schmid, Präsident, seine Hauptversammlung im Hotel Falken durch. Der Klub verzeichnete 22 Neueintritte und zählt nun 90 Mitglieder. Ein Problem bilden die zwei im Mietrecht unterhaltenen Tennisplätze, da sanitäre Anlagen und ein eigenes Klubhaus fehlen. Der Bau von drei bis vier neuen Tennisplätzen soll auf genossenschaftlicher Basis mit Anteilscheinzeichnungen durch die Mitglieder erfolgen.

27. 12. 1968 Im September besuchten insgesamt 2013 Gäste aus dem Ausland und 1654 Besucher aus der Schweiz die Stadt Thun und verzeichneten total 9292 Logiernächte. In 16 geöffneten Betrieben standen 575 Betten zur Verfügung und die Bettenbelegung erreichte 52 Prozent. Am meisten vertreten waren Besucher aus Deutschland, gefolgt von den Franzosen, Engländern/Irländern, Italienern, Österreichern und den Kanadiern.

27. 12. 1968 Die Feldmusik Strättligen führte unter der Leitung von Fritz von Gunten ihre Hauptversammlung im Restaurant Lamm durch. Statutengemäss musste ein neuer Vorstand gewählt werden, der sich folgendermassen zusammensetzt: Rudolf Mast, Präsident; Samuel Karlen, Vizepräsident; Werner Peter, 1. Sekretär; Gottlieb Knörri, 1. Kassier. Der Höhepunkt das vergangenen Jahres bildete die Teilnahme am kant. Musikfest in Interlaken, wo ein schöner Erfolg erzielt wurde.

28. 12. 1968 Die Weihnachtsausstellung im Thunerhof wurde eröffnet. Es sind Werke der Künstler E. Clare, Ernst Ramseier, Walter Arnotti, Willy Waber, P. Gmünder, Jürg Maurer, Fritz Bütikofer, Werner Fehlmann, Paul Freiburghaus und anderen zu sehen. Weiter sind die Künstlerinnen H. Pflugshaupt, Maria Uebersax, E. Leuenberger und Margret Künzi-Schär vertreten. Hans Ittig, Ernst Schneider und Fritz Gottardi zeigen Plastiken.

31. 12. 1968 Im Oktober besuchten 1625 Gäste aus der Schweiz und 770 Besucher aus dem Ausland die Stadt Thun und verzeichneten zusammen 5039 Logiernächte. Die Bettenbelegung in den 499 verfügbaren Betten erreichte 31 Prozent.

31. 12. 1968 L. Züllig, Schuhhaus Bälliz, teilt mit, dass er sein während 30 Jahren im Bälliz geführtes Schuhgeschäft ab dem 3. Januar 1969 an A. Bieri übergibt.

Quelle: Stadtarchiv Thun

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch