Welturaufführung mit feuchter Aussprache

Adelboden

Mit einem fulminanten Preisträgerkonzert ging das Swiss Chamber Music Festival in Adelboden zu Ende.

Da spielten sie noch draussen (v.l.): Die vier Katalanen Pere Méndez Marsal, Victor Serra Noguera, Robert Seara Mora und Daniel Miguel Guerrero, die den ersten Preis holten.

Da spielten sie noch draussen (v.l.): Die vier Katalanen Pere Méndez Marsal, Victor Serra Noguera, Robert Seara Mora und Daniel Miguel Guerrero, die den ersten Preis holten.

(Bild: PD)

Es ist schon fast Routine. Bereits letztes Jahr haben die vier Katalanen Pere Méndez Marsal, Victor Serra Noguera, Robert Seara Mora und Daniel Miguel Guerrero, genau in dieser Reihenfolge mit Sopran-, Alt-, Tenor- und Baritonsaxofon bestückt, den Orpheus Chamber Music Competition gewonnen. Und auch dieses Jahr war ihnen ihr überzeugendes Können hold.

Wie aus derselben Lunge

Die nach eigener Angabe kammermusikverrückten Iberer setzten am Sonntag den grössten Brocken ihres Programms gleich an den Anfang und verblüfften mit einer sonoren, äusserst differenzierten Interpretation von Franz Schuberts Streichquartett in Es-Dur. Fast schien es, als würden die jungen Herren aus ein und derselben Lunge atmen, so sehr hoben und senkten sich ihre musikalischen Phrasen in bewegendem Einklang und verflochten sich ihre Intentionen zu einem filigranen Ganzen.

Vom zarten Schmunzeln bis hin zum breiten Grinsen konnte im Publikum alles beobachtet werden, als Jean Françaix’ (1912–1997) «Petit quatuor saxophones» an die Reihe kam. Kein Wunder, denn schon die Satzbezeichnungen (Gaguenardise oder Sérénade Comique) amüsierten, und der Spielwitz der vier Jungs tat das Seinige hinzu. Dass das Kebyart Ensemble vor gar nichts zurückschreckt, auch nicht vor Orchesterwerken, zeigte sich in einer polternden Fassung des «Tanz des Müllers» aus dem Ballett «Der Dreispitz» von Manuel de Falla.

Charmeur mit Uraufführung

Eingebettet zwischen Schubert und Françaix liess noch ein weiterer junger Mann aufhorchen: der serbische Komponist Nemanja Radivojevic (*1981). Von Magdalena Schatzmann auf den Zahn gefühlt, erläuterte der an der Berner Hochschule der Künste tätige Charmeur sehr bildhaft die bevorstehende Welturaufführung seines Œuvres, das übersetzt den leicht irritierenden Titel «Mein Mund ist ein schmutziges Heiligtum» trägt.

Kurzfassung: Die Musik wird oft als schier unnahbares Heiligtum zelebriert. Doch entsteht sie in Wirklichkeit sehr körpernah, mal im Schweisse des Angesichts, in diesem Fall im Mundstück und Rohr von vier Saxofonen, die nach der prustenden, gurgelnden Darbietung sehr gründlich gereinigt werden mussten. Trotz allem blieb einem auch nach dieser gekonnten Performance – mit Verlaub – die Spucke weg.

Speck durch den Mund

Freudestrahlend nahmen die vier Ausnahmekönner ihren ersten Preis von einem Vertreter der Johanna-Dürmüller-Bol-Stiftung entgegen. Eine ebenso glückliche Intendantin Christine Lüthi zog mit einem spitzbübischen Ausblick auf die nächstjährige zehnte Festivalausgabe den Speck durch den Mund, und ein zufriedener Festivalpräsident rundete mit Dank und erheiternden Zukunftsvisionen einen grossartigen Abend ab.

Mehr Infos: www.swisschambermusicfestival.ch;www.orpheus-competition.ch

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