Wenn das Theater zum Zuhause wird

Thun

Mit einer Krimikomödie gastiert die Junge Bühne Thun zum ersten Mal in der Alten Oele. Der Wechsel der Spielstätte ist nicht die einzige Veränderung im Theaterverein, der mit viel Leidenschaft bei der Sache ist.

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«Die Junge Bühne Thun ist mein Zuhause, Theater meine Leidenschaft!», schwärmt Alex Stoll. Eine Leidenschaft, die unter die Haut geht: Zwei Masken, Symbole der Theaterkunst, zieren den Unterarm der Thunerin. Die 24-jährige gehört zu den Gründerinnen des Vereins, der vor 4 Jahren aus dem Jugendtheater der Facetten-Bühne Thun hervorgegangen ist.

Zwar steht das Adjektiv «jung» im Namen, allzu strikt darf man das aber nicht auslegen: «Auch ein 50-Jähriger hat schon mitgespielt», erklärt Elena Chian­dusso vom Vorstand. Die meisten der 23 Vereinsmitglieder seien um die 20 Jahre alt, «keines ist jünger als 15, diese wären zum Teil überfordert». Denn hinter den sieben Vorstellungen im Januar 2018 steckt viel Arbeit: Zwei Stunden Probe pro Woche ab August, ab November doppelt so viel. Dazu mehrere Intensivwochenenden mit Übernachtung.

Premiere als Regisseur

Ins kalte Wasser geworfen wird aber niemand. Neumitglieder spielen im ersten Jahr in der Regel noch nicht mit, nehmen die Rolle der Beobachtenden ein. «Sie können sich einen Einblick vor und hinter der Bühne verschaffen und die Mitglieder kennen lernen. Denn wir verbringen auch neben der Bühne viel Zeit miteinander, das schweisst zusammen», sagte Alex Stoll. Auch erfahrene Schauspieler haben keine Garantie für eine Rolle.

Nachdem Regisseur Roberto De Simone das Stück ausgewählt hatte, organisierte er ein Casting: «Es war spielerisch, nicht wie in TV-Shows. Ich achtete auf die Stimmen und wie sich die Schauspieler mit dem Körper ausdrücken.» Sein Engagement bei der Jungen Bühne Thun ist sein erstes als Regisseur. Zuvor spielte er 15 Jahre selber bei Produktionen mit. «Als Regisseur dirigiere ich das Geschehen auf der Bühne, kann mich aber nicht selber ausdrücken.» Das vermisst der 35-Jährige.

Vorliebe für trockenen Humor

Alex Stoll versteht den Regisseur, ihr würde es gleich gehen: «Theater spielen zwingt mich, die Perspektive zu wechseln, mich in ­jemand anderen zu versetzen. Dadurch steigert es meine Sozialkompetenz.» Elena Chiandusso pflichtet ihr bei: «Dank des Theaters kann ich mehr sein, als ich sonst bin.»

Bei aller Begeisterung für das Theaterspielen, gewisse Anforderungen an die Stücke, die sie aufführen, stellen die Mitglieder der Jungen Bühne Thun. «Wir sind ein Verein für Komödien. Das Publikum erwartet von uns, dass wir dieses Genre spielen», erklärt Alex Stoll. «Auf keinen Fall spielen wir aber Schenkelklopferstücke!», stellt Chiandusso klar. Die Frauen sind sich einig, dass sie am liebsten Krimikomödien spielen. Mit trockenem, englischem Humor.

Das aktuelle Stück «Mörder heis gärn mässerscharf» (vgl. Kasten) erfüllt diese Anforderungen. Am 5. Januar findet die Premiere statt, nach 10 Jahren im Klösterli Oberhofen zum ersten Mal auf der Bühne der Alten Oele in Thun. «Es ist eine grosse Ehre, dass wir in diesem renommierten Lokal spielen dürfen», freut sich Alex Stoll. Chiandusso deutet den Wechsel des Spielortes als Zeichen, dass der Verein sich positiv entwickelt: «Mehr Publikum, jetzt die Oele. Das bestätigt einem, dass man es gut macht.»

Thuner Tagblatt

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