Wer war der Chef der beiden Dealer?

Zwei Beschuldigten aus Interlaken wird vorgeworfen, vor drei Jahren intensiv mit Kokain gehandelt zu haben.

Am Regionalgericht Oberland in Thun wurde der Prozess gegen zwei Beschuldigte aus Interlaken wieder aufgenommen.

Am Regionalgericht Oberland in Thun wurde der Prozess gegen zwei Beschuldigte aus Interlaken wieder aufgenommen.

(Bild: Keystone)

Am ersten Tag der Hauptverhandlung vor dem Regionalgericht Oberland in Thun war einer der Männer nicht erschienen. Nach der Befragung des damals Anwesenden wurde der Prozess deshalb unterbrochen und am Montagmorgen wieder aufgenommen. Die beiden Männer haben, so steht es in der Anklageschrift, von Dezember 2015 bis März 2016 gemeinsam Drogen abgepackt und verkauft.

Der 33-jährige Algerier brachte die Drogen jeweils in die Wohnung des 41-jährigen Schweizers. Dort wurden sie in Säckchen zu je 0,6 Gramm Kokain umgepackt und dann an die Süchtigen verkauft. Der Algerier liess die Ware durch sogenannte Läufer verkaufen, während der Schweizer bestellte Ware auslieferte. Beide waren zu dieser Zeit selber stark süchtig. Vom Kokain, das der Algerier lieferte, konsumierten sie bis zur Hälfte selber. Sie finanzierten mit dem Handel ihren eigenen Konsum und teilweise auch den Lebensunterhalt.

Wer hatte welche Rolle inne?

Für die Beurteilung des Falles kommt es darauf an, wer innerhalb des Kokainhandels welche Rolle gespielt hat. Der Algerier, der offenbar problemlos Kokain von verschiedenen Lieferanten beschaffen konnte, wird als Zwischenhändler bezeichnet, der Läufer einsetzte. Er ist weiter oben in der Hierarchie anzusiedeln als der Schweizer, der ein Mitläufer war, der vor allem seine Wohnung fürs Abpacken zur Verfügung stellte und nur wenig Kokain direkt verkaufte.

Dass es sich so verhielt, wird durch Aussagen mehrerer abhängiger Frauen gestützt, die in dieser Zeit bei den beiden Kokain kauften. Diese Unterscheidung wurde auch in den Plädoyers gemacht, in denen der Staatsanwalt und die beiden Verteidiger jeweils ihre Strafanträge stellten.

Wie viel Kokain?

Der Staatsanwalt stützte sich in seinem Plädoyer stark auf die Aussagen einer Frau, die freiwillig zur Polizei ging, um dort Aussagen zur Drogenszene in Interlaken zu machen. Er kommt auf eine sehr grosse Menge Kokain, mit welcher gehandelt wurde, was vom Algerier und dessen Anwalt bestritten wird. Auch der Schweizer glaubt nicht, dass es so viel Kokain war.

Für den Handel mit mindestens 650 Gramm reinem Kokain und drei weitere Delikte soll der Algerier nach dem Willen des Staatsanwaltes für drei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Der Schweizer soll mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten (Probezeit drei Jahre) bestraft werden.

Umfassendes Geständnis

Der Verteidiger des Algeriers verlangt für seinen Klienten eine bedingte Freiheitsstrafe von 19 Monaten. Es seien niemals so viele Drogen verkauft worden, wie die Staatsanwaltschaft behaupte. Auch habe der Mann ein umfassendes Geständnis abgelegt, das auch zur Verhaftung von anderen Personen aus der Szene geführt habe.

Der Verteidiger des Schweizers fand, eine bedingte Strafe von 12 Monaten sei angemessen. Für den Konsum von Drogen werden beide eine Busse bezahlen müssen. Das Kollegialgericht in Dreierbesetzung wird das Urteil am Donnerstag bekannt geben.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt