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Wie der Chueschärmeweg zu seinem Namen kam

Am nächsten Samstag wird der Weg an der Nordseite des Thuner Schlosses wiedereröffnet. Es könnte im 17. Jahrhundert wirklich Kühe auf dem Schlossberg gegeben haben.

Ist ab kommendem Samstag wieder öffentlich zugänglich: Der Chueschärmeweg, welcher an der Nordseite des Schlosses vorbeiführt (im Vordergrund) und in den letzten Jahren geschlossen war.
Ist ab kommendem Samstag wieder öffentlich zugänglich: Der Chueschärmeweg, welcher an der Nordseite des Schlosses vorbeiführt (im Vordergrund) und in den letzten Jahren geschlossen war.
zvg/Peter Jost

Er ist rund hundert Meter lang und führt der Nordseite des Schlosses entlang. Die Rede ist vom Chueschärmeweg, welchen die Stadt in den letzten Wochen wieder instand stellte. Nach acht Jahren, in welchen der Weg nicht zugänglich war, soll er nun am kommenden Samstag im Rahmen eines kleinen Festakts mit anschliessendem Familienprogramm wieder eröffnet werden.

Vieles liegt im Dunkeln

Was den Namen des Weges angeht, liegt vieles im Dunkeln: So hat der Thuner Lokalhistoriker Peter Küffer in alten Chroniken den Namen «Chüeuschärm» gefunden, der offenbar ein Unterstand an der Nordseite des Schlosses war, welcher für Mensch und Tier Abkühlung bot. Erst im Verlaufe der Zeit sei aus dem Begriff «kühl» das heutige «Kuh» und damit die Bezeichnung «Chueschärmeweg» geworden.

Auch die Leiterin des Schlossmuseums hat sich in letzter Zeit mit dem Namen des Weges befasst: «Ich bin derzeit daran, die Schlossgeschichte aufzuarbeiten», sagt Yvonne Wirth. «Dabei interessiere ich mich intensiv für Personen, welche im Schloss gewirkt und gewohnt haben.» Im Rahmen dieser Recherche sei sie auch auf die Tagebuchaufzeichnungen des Berner Patriziers Karl Manuel gestossen, welcher von 1686 bis 1692 Schultheiss in Thun war. In seinen Aufzeichnungen beschreibt dieser die vielfältigen Aufgaben als Stadtoberhaupt, Verwalter und Richter, die er als Vertreter des Alten Berns innehatte.

Unter anderem erzählt Karl Manuel darin von seinem Amtsantritt: So ritt er am frühen Morgen des 23. August 1686 von Bern nach Thun, um mit seinem Vorgänger Friedrich von Graffenried den Amtskauf abzuschliessen. Das heisst, er kaufte dem zurücktretenden Schultheiss alle notwendigen Hausgerätschaften ab. «Karl Manuel besichtigte nach einem gemeinsamen Mittagessen die Schlossgüter, das Futter und den ‹Kühbauw›», erzählt Yvonne Wirth. Der «Kühbauw» sei ein altes schweizerdeutsches Wort für Kuhdung. Karl Manuel sei daraufhin ins Schloss zurückgekehrt und habe dort den Kauf, in welchem auch vier Pferde inbegriffen waren, abgeschlossen.

«Der Kuhdung deutet darauf hin, dass die Schultheissen auf Schloss Thun auch Kühe besassen», sagt Yvonne Wirth dazu. «Folglich könnte der Namen des Weges auch direkt von den Kühen, die offenbar auf dem Schlossberg weideten und lebten, stammen.»

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Feierliche Eröffnung des Chueschärmewegs: Samstag, 27. April, 10 Uhr. Im Anschluss an den Festakt können die Besucher den Weg begehen. Zudem wird zwischen 10.30 und 12 Uhr ein Familienprogramm mit Schatzsuche geboten. Im Schlosshof werden Grilladen serviert. Und die Mittelalter-Spiellüt Olten bieten musikalische Unterhaltung.

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