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Wie der Thuner Stapi die Stadt plant

In den nächsten Jahren wird sich das Bild der Stadt durch die Ortsplanungsrevision verändern. Wir haben Stadtpräsident Raphael Lanz zu seinen Ideen als oberster Stadtplaner befragt.

Die Stadt Thun aus der Vogelperspektive. Wo steuert sie in den nächsten Jahren hin?
Die Stadt Thun aus der Vogelperspektive. Wo steuert sie in den nächsten Jahren hin?
Christoph Gerber

In den letzten Jahren haben Städte wie Langenthal, Aarau, Sitten oder Köniz den Wakkerpreis für vorbildliche Leistungen in der Siedlungsentwicklung erhalten. Warum fehlt Thun in der Siegerliste?

Ich könnte mir vorstellen, dass Thun, wenn wir umsetzen, was wir jetzt an strategischen Grundlagen aufgegleist haben, in die Kränze kommen wird. Das Wesen der Stadtentwicklung ist aber nun mal so, dass es eine gewisse Zeit dauert, bis man die Auswirkungen sieht. Ich bin aber überzeugt davon, dass wir bei der Entwicklung mehrerer Areale exemplarisch unterwegs sind.

Woran denken Sie denn, wenn Sie auf ein Leuchtturmprojekt mit überregionaler Ausstrahlung angesprochen werden?

«Wir sind bei der Planung verschiedener Gebiete schon recht weit.»

Raphael Lanz, Thuner Stadtpräsident

Die Stadt Thun ist bei der Planung verschiedener Gebiete schon recht weit. In den Sinn kommen mir das Areal Freistatt, das Siegenthalergut oder das Gebiet Bostuden. Zu sogenannten Leuchtturmprojekten ist zu sagen: Das klingt immer sehr gut, aber bis so etwas realisiert ist, braucht es Geduld. Ich kann aber gerne ein Beispiel nennen: Für mich hat das Parking Schlossberg Leuchtturmcharakter. Wir haben es damit geschafft, alle Parkplätze in der Innenstadt in den Berg zu «versorgen». Grosse Würfe sind nicht von heute auf morgen umsetzbar. Und manchmal ist die Zeit einfach auch nicht reif. Es braucht Fenster, die sich zur richtigen Zeit öffnen.

Diesem Fenster kann man ein Stück weit nachhelfen. Das führt uns zur Frage: Muss ein Stadtplanungsvorsteher ein Visionär sein?

(überlegt lange) Ich sage nicht einfach ja oder nein, weil es eine zweischneidige Frage ist. Es ist wichtig, auf lange Frist Visionen zu haben. Es besteht aber die Gefahr, dass diese Visionen für eine Umsetzung zu wenig realistisch sind. Wenn man zu visionär ist, überfordert man unter Umständen die Leute und findet die Mehrheiten, die es in der Politik braucht, nicht. Man sollte eine langfristige Idee haben, es braucht Leute mit Visionen, um etwas anzustossen. Aber mir ist wichtig, dass man Projekte auch umsetzen kann. Dafür muss man akzeptieren, dass es politische Mehrheiten braucht und dass es einen gut ausgebauten Rechtsstaat mit Einsprache- und Beschwerdemöglichkeiten gibt.

Raphael Lanz, Thuner Stadtpräsident (Bild: Patric Spahni)
Raphael Lanz, Thuner Stadtpräsident (Bild: Patric Spahni)

Sie sind seit Anfang Jahr oberster Thuner Stadtplaner. Welche erste Bilanz ziehen Sie?

Erstens: Wir haben sehr gute Grundlagen, etwa mit dem Stadtentwicklungskonzept. Zweitens: Es sind zahlreiche Arealentwicklungen im Gang, die viel Potenzial haben. Da wird es wichtig sein, die Leute nicht zu überfordern. Denn es gibt auch jene Personen, die eine gewisse Skepsis der Veränderung gegenüber haben. Die grosse Herausforderung ist auch eine kommunikative.

Inwiefern?

Wir müssen den Leuten erklären, dass die ganze Innenentwicklung der Stadt langfristig Sinn macht. Dass es wichtig ist, dass wir den Boden haushälterisch nutzen und mit den Ressourcen sorgfältig umgehen. Wir haben bei diversen Arealen die grosse Chance, dass wir jetzt bestimmen können, mit welchem Knopf und welchem Knopfloch wir anfangen. Wenn der Start gelingt, wird das Hemd am Ende auch richtig zugeknöpft sein.

Sie haben die Verdichtung nach innen oder den haushälterischen Umgang mit dem Boden erwähnt. Welche weiteren Ziele verfolgt die Stadtentwicklung?

Wir haben kürzlich die Legislaturziele kommuniziert, wo verschiedene Schwerpunkte – auch für meine Direktion – enthalten sind. Ein Beispiel: Wir wollen mit der Ortsplanungsrevision gewisse Dinge vereinfachen. Ein Vorschlag ist, die Ausnützungsziffer aufzuheben. Für die Grundeigentümer böte dies Chancen. Sobald einmal klar sein wird, wie die neue baurechtliche Grundordnung aussieht, rechne ich mit einem Entwicklungsschub. Der haushälterische Umgang mit dem Boden nimmt zudem Anliegen der Klimabewegung auf.

In welchen Stadtgebieten gehts los mit den geplanten Veränderungen? Was hat Priorität?

Zu den Arealen, die aus unserer Sicht grosses Potenzial aufweisen, gehört etwa die Freistatt. Dort sind wir nach der öffentlichen Auflage schon relativ weit, und das wird bald sehr konkret. Ein weiteres wichtiges Gebiet ist das Siegenthalergut, das als kantonaler Schwerpunkt Wohnen eingestuft ist. Es ist deshalb besonders wichtig, weil wir an und für sich gar keine Gebiete mehr neu einzonen können, solange wir nicht eine bestimmte Bebauungsdichte und den Bedarf nachweisen. Dies ist eine Auflage des Kantons. Weiter zu erwähnen sind die Bostudenzelg und die Hoffmatte. Und: Priorität haben auch die Wohnbaugenossenschaften. Sie machen heute circa zehn Prozent des Thuner Wohnungsbestandes aus.

Sprechen wir noch über drei Einfallsachsen in die Stadt. Zuerst jene vom rechten Seeufer her. Da hört man oft: Die Verkehrsmassnahmen in der Innenstadt seien nur Kosmetik – richtig helfen würden sowieso nur Grossprojekte. Stichwort Hübelitunnel, Stichwort Aarequerung Süd.

Die ganze Verkehrssituation ist ja nicht ein Produkt der letzten zwei, drei Jahre. Es war klar, dass wir nach dem Bau des Bypasses Thun-Nord mit den Begleitprojekten wie dem Einbahnregime in der Innenstadt evaluieren, ob es die Aarequerung Süd braucht. Die Schwierigkeit ist: Wir hatten noch nie den Normalbetrieb. Diesen brauchen wir, damit wir wirklich sagen können, was die Massnahmen bringen. Der zweite Punkt: Hübelitunnel und Aarequerung Süd wären zwingend kantonale Projekte, bei denen es auch um Bundesgelder geht. Ich verwende gerne das Bild von den Knöpfen und dem Hemd. Wenn wir mit einem unausgereiften Vorschlag, der nicht mit seriösem Zahlenmaterial unterlegt ist, zu Kanton und Bund gehen – dann werden wir zu wenig Aussicht auf Erfolg haben. Wenn wir weitere Vorstösse unternehmen, möchte ich sicher sein, dass wir den ersten Knopf ins richtige Knopfloch stecken. Damit uns niemand sagen kann: Macht ihr erst einmal eure Hausaufgaben.

Was passiert mit der Gwattstrasse?

Wir möchten diesen Bereich in die Mitwirkung zur Ortsplanungsrevision integrieren. Es ist ein Gebiet mit hohem Potenzial.

Also weniger Garagen, mehr Wohnen?

Es ist eine sehr gute Lage. Aber das heisst nicht, dass Gewerbe dort nicht möglich ist. Ich stelle einfach fest, dass sich das Garagengewerbe stark gewandelt hat. Das sind heute fast klinisch saubere, moderne Dienstleistungsbetriebe. Mit einer geschickten Entwicklung kann das gut nebeneinander Platz haben.

Der Bogen zur Weststrasse ist rasch geschlagen: Es war einst die Idee, dass die Garagen in dieses Gebiet ziehen. Was passiert dort?

Die Weststrasse Süd sollte in eine Arbeitszone umgezont werden. Dafür brauchen wir einen Ankernutzer. Wir müssen das Bedürfnis nachweisen, dass es die Einzonung braucht. Das wäre ein Standort, der für die STI infrage käme, die im Schwäbis ja in Platznot ist. So hätten wir den Nachweis einer sinnvollen Nutzung, die ergänzt werden könnte – mit Wohn-, aber auch mit Arbeitsnutzungen. Denn das Gebiet ist an der Autobahnausfahrt ideal gelegen.

Stadtentwicklung hat auch mit Entflechtung zu tun. Der Sportcluster in Thun-Süd wäre eine gute Möglichkeit, Sportstätten am Stadtrand zu konzentrieren. Nun wird die Kunsteisbahn Grabengut aber saniert. Ist dies nicht eine verpasste Chance?

Der Sportcluster ist ein Thema, mit dem sich der Gemeinderat intensiv befasst. Der Sportcluster ist eine längerfristige Vision. Er entsteht nicht von einem Tag auf den anderen. So steht der Bau einer neuen Halle zur Debatte. Das könnte ein weiteres Puzzleteil nach der Stockhorn-Arena und den beiden Fussballplätzen sein. Im Fall der Kunsteisbahn Grabengut wäre ein Neubau, vielleicht gar noch verknüpft mit der Realisierung eines Hallenbades, so komplex, dass die Umsetzung unwahrscheinlich wird. Es gibt zum aktuellen Zeitpunkt derart viele Abhängigkeiten, dass ein absehbarer Umsetzungszeitpunkt praktisch unmöglich ist. Ich bin deshalb zum Schluss gekommen, dass die Sanierung der Kunsteisbahn Grabengut die beste Variante ist. Ich würde aber nicht ausschliessen, dass eine neue Kunsteisbahn irgendwann doch mal in Thun-Süd gebaut wird.

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