Wie Tannenbäume Fischbestände retten

Der Fischereiverein Highland Fishing versenkte zusammen mit anderen Fischern und Tauchern dreihundert ausgediente Weihnachtsbäume im Thunersee. Diese dienen zur Arterhaltung als Laichplatz für Fische, in erster Linie für das Egli.

Dieser Anblick ist ungewöhnlich, aber legal.

Dieser Anblick ist ungewöhnlich, aber legal.

(Bild: Daniel Schöni)

Der Thunersee bietet ein Zuhause für unzählige Fische und Kleinstlebewesen. Jedoch fehlt es manchen Fischarten durch die starke Nutzung der Uferzonen an ge­eignetem Lebensraum. Der Fischereiverein Highland Fishing reagiert zusammen mit Fischereiverein.ch und Tauch-Boot-Thunersee deshalb auf die schwindenden Rückzugsorte.

Die Vereine sammelten im Januar gegen dreihundert nicht mehr benutzte Weihnachtsbäume, die nun zu Beginn der Laichzeit in drei Ufer­regionen im See versenkt wurden. Zur Sicherheit der Schifffahrt und der Geräte der Berufsangler dürfen die Bäume nicht höher als zweieinhalb Meter sein, und deren Bestimmungsorte müssen sich in einer Tiefe zwischen sechs und zehn Metern befinden.

Fündig wurden die Projektleiter an den Standorten Hünibach Seegarten, Gwatt Bonstetten und in Einigen. Die ausgewählten Plätze wurden mit jeweils meh­reren nummerierten Bojen gekennzeichnet. Pro Boje fanden in etwa zehn Tannen ihren Platz. Als Verankerung dienen Kalksandsteine, welche mit Juteschnur an die Spitze der Tannen gebunden wurden.

So gross wie ein Stadion

Weihnachtsbäume werden gemäss Daniel Ducret, Präsident des Vereins Highland Fishing, in der Vorweihnachtszeit oft mit dem Gerbstoff Tannin eingesprüht. «Um sicherzugehen, dass sich die Substanz unter Wasser nicht verbreitet, mussten die Bäume zwei Monate gelagert werden», erklärt er.

Der Aufwand sollte sich bezahlt machen: Versenkte Tannenbäume als Laichplätze für ­Egli haben sich andernorts schon bewährt, unter anderem im Wohlensee. Das Eglibaumprojekt Thunersee, wie der offizielle Name lautet, gehört jedoch laut den Initianten zu den grösseren Projekten dieser Art. Die angelegte Fläche an Laichplätzen wird in etwa der Grösse der Stockhorn-Arena entsprechen.

Taucher und Fischer versenken im Thunersee Tannenbäume, die Fischen als Laichplätze dienen sollen. Bild: Daniel Schöni

Erfolgreiche Zusammenarbeit

Ducret ist begeistert von der reibungslosen Zusammenarbeit unter den Vereinen. Die Ko­operation von Tauchern und Fischereivereinen soll sich jedoch nicht nur auf die Verankerung der Bäume beschränken: Die Taucher unterstützen das Projekt ebenfalls mit den dazuge­hörenden Erfolgskontrollen und Unterwasseraufnahmen vor allem während der Laichzeit von März bis Juni.

Nebst den durchführenden Fischern und Tauchern sind Vertreter der Fischereiaufsicht und der Seepolizei am Eglibaumprojekt Thunersee beteiligt. Zudem durften die Projektleiter auf die Unterstützung eines Betonherstellers aus dem Oberland zählen, der die Kalksandsteine zur Ver­fügung gestellt hat.

Finanzielle Unterstützung

«Ausserdem wurde uns von der Energie Thun AG aus ihrem Renaturierungsfonds finanzielle Unterstützung zugesprochen», sagt Ducret. Das Eglibaumprojekt ist auf eine Dauer von fünf Jahren ausgelegt. Bis zum Projektabschluss Ende 2021 werden zu Beginn der Laichzeit jährlich neue Weihnachtsbäume ver­ankert.

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